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Kommentar

Weihnachten mit Muslimen teilen

10.12.2023

Wie komme ich mit meinen Muslimischen Nachbarn ins Gespräch über Weihnachten? Symbolbild: KI/Adobe Firefly
Wie komme ich mit meinen Muslimischen Nachbarn ins Gespräch über Weihnachten? Symbolbild: KI/Adobe Firefly

Jesus Christus beauftragte seine Nachfolger: Erzählt das Evangelium allen Nationen! Weihnachten ist ein wunderbarer Anlass. Doch wie gelingt der erste Schritt bei Muslimen in Deutschland? Der Leiter des christlichen Vereins „Orientierung: M“, Reinhard Born, gibt Tipps.

Dieser Beitrag ist erschienen im IDEA Spezial „Advent & Weihnachten“.

In allen Religionen gehört zu einem Fest auch ein gutes Essen. Als ich mit meiner Familie in Izmir in der Türkei lebte, klingelte es regelmäßig an Feiertagen an unserer Tür. Zu unserer Überraschung brachte unsere Nachbarin uns einen Teller mit leckerem Essen. Sie wollte uns Anteil geben an ihrer Festfreude.

Gerne haben wir diese Tradition in der Adventszeit aufgegriffen und den Nachbarn einen Teller voller selbst gebackener Weihnachtsplätzchen geschenkt. Die Verwunderung war groß, da wir zu anderen Zeiten unsere Feste hatten als unsere muslimischen Nachbarn.

Gerne haben wir ihnen dann erklärt, was wir an Advent, Weihnachten oder Ostern feiern. Obwohl Muslime auch eine große Verehrung für Jesus haben und ihn als einen der größten Propheten nach Mohammed achten, feiern sie nicht seinen Geburtstag. Von Weihnachten verstehen sie so viel, wie sie eben auf der Straße und in den Geschäften sehen.

„Keine Angst vor der Sprachbarriere: Allein schon die Geste zählt.“

Schon Wochen vorher sind die Straßen und Läden mit Lichterketten geschmückt. Weihnachtsbäume werden an den Straßenecken verkauft und aufgestellt. In den Geschäften laufen Weihnachtslieder. Kinder schreiben Wunschzettel, und die Erwachsenen freuen sich über Geschenke.

Muslimen gefallen die Lichterketten, Geschenke und der Weihnachtsschmuck. Manche Kinder betteln ihre Eltern an, die Wohnung auch so zu schmücken. Irgendwie kommt Weihnachten vielen Muslimen vor wie ein vorgezogenes Neujahrsfest – was in der Tat nur eine Woche später gefeiert wird.

Zahlen und Fakten

In Deutschland hat deutlich mehr als jeder 4. Einwohner einen Migrationshintergrund (Zugewanderte und ihre Nachkommen). Das sind 23,8 Millionen Menschen und somit 29 % der deutschen Gesamtbevölkerung.

Zwischen 5,3 bis 5,6 Millionen Muslime lebten laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 2020 in Deutschland. Neuere Zahlen liegen nicht vor. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von bis zu 6,7 Prozent.

Davon sind: 
• 45 % türkischstämmig 
• 19 % aus arabischen Ländern im Nahen Osten 
• 8 % aus Nordafrika

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, Statistisches Bundesamt

Einladen, besuchen, austauschen

Seit 60 Jahren kommen Menschen mit anderen Kulturen und Religionen zu uns. Zuerst als Arbeitsmigranten, dann als Studenten, jetzt vermehrt als Flüchtlinge. Manches an ihrer Kultur und Kleidung ist uns fremd. Vielen macht der Islam Angst. In unserer Gesellschaft ist es kaum gelungen, Brücken und Beziehungen zu bauen. Kaum eine türkische Familie hat je in einem deutschen Wohnzimmer gesessen.

Nur wenige Deutsche sind schon einmal zu Besuch bei einer syrischen Familie in einem Asylbewerberheim gewesen. Dabei wären die Begegnungen so interessant. Wir würden Menschen kennenlernen, die sich gar nicht so sehr von uns unterscheiden mit ihren Sorgen und Problemen, mit ihren Träumen und Wünschen.

Ein Gespräch über die Bedeutung von Weihnachten, eine Einladung zu einer Tasse Kaffee oder sogar ein Besuch können Vorurteile und Ängste abbauen. Keine Angst vor der Sprachbarriere: Allein schon die Geste zählt. Menschen erleben, dass sie wahrgenommen und geschätzt werden.

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Sicherlich ist ein bisschen Vorwissen über die orientalische Kultur und den Islam hilfreich. Noch wichtiger ist es aber, die Brille der Religion abzulegen und in dem anderen einen Menschen zu sehen, der von Gott geschaffen und geliebt ist.

Der Glaube an Gott ist für die meisten Muslime selbstverständlich. Alle Bereiche des Lebens sind religiös durchdrungen. Deshalb tauscht man sich gerne über religiöse Erfahrungen aus. Ich werde nie die Begegnung mit einem alten Kurden in Anatolien vergessen. Er hatte sich auf den Weg zu meinem Gastgeber gemacht, um mich zu fragen: „Wie betet ihr Christen?“

Ein gemeinsames Essen – auch nur eine Tasse Kaffee – können Vorurteile und Ängste abbauen. Foto: pixabay.com

1 Eine Grußkarte als Brücke

An Weihnachten ist es ein guter Brauch, Nachbarn und Kollegen zu gratulieren. Durch eine Karte mit einer christlichen Botschaft in der Muttersprache können wir auch bei Sprachbarrieren den Inhalt von Weihnachten und die Bedeutung der Geburt Jesu weitergeben. (Siehe Karte unten)

2 Eine internationale Weihnachtsfeier

Viele Menschen in Deutschland sind einsam. Nicht nur alte Menschen, sondern auch viele Flüchtlinge, die in einem kalten Land ohne ihre Familie einer ungewissen Zukunft entgegensehen. Oft haben sie das Trauma ihrer Flucht noch nicht verarbeitet. Eine Einladung zu einer Weihnachtsfeier in der Gemeinde ist eine willkommene Abwechslung.

Viele ukrainische Familien sind zerrissen. Die Männer sind an der Front im Krieg, viele Frauen und Kinder in einem anderen Land in Sicherheit. Nur wenn wir unser Leben teilen, können wir authentisch unseren Glauben bezeugen. Bei der Gelegenheit kann ein christlicher Kalender fürs neue Jahr verschenkt werden.

3 Eine Verteilaktion auf dem Weihnachtsmarkt

Mit der Frage „Wissen Sie eigentlich, was wir an Weihnachten feiern?“ können wir eine kleine Tüte mit selbst gebackenen Weihnachtskeksen und einer Karte überreichen. Wer möchte, bekommt auch einen Kalender in seiner Sprache oder eine Grußkarte. Diese Gelegenheit sollten wir nicht verpassen. Das ist es, was Gott selbst sich wünscht: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Timotheus 2,4).

Postkarten-Aktion an Weihnachten

Um einen leichten Einstieg für eine erste Begegnung mit Muslimen zu schaffen, hat der Verein gemeinsam mit dem Evangelischen „Salam-Center“ (Stuttgart) zweisprachige Weihnachtskarten in Arabisch, Persisch und Türkisch (mit deutscher Übersetzung) gedruckt. Die fünf Motive auf der Vorderseite greifen die Themen auf, u. a. „Weihnachten – und Frieden auf Erden“.

Die Rückseite ist frei für einen persönlichen Gruß. Zudem berät das Werk bei der Planung einer internationalen Weihnachtsfeier.

Bestellung unter: medienangebot.orientierung-m.de Tel. 0231 586949-0

Über „Orientierung: M“

Hauptanliegen von Orientierung: M (Dortmund) ist es, Christen zu ermutigen, ihren Glauben kulturübergreifend weiterzugeben. Dazu bietet der Verein Literatur wie Karten, Kalender in über 30 Sprachen, Andachtsbücher oder Glaubenskurse in verschiedenen Sprachen sowie Schulungen an.

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