Bericht
Weihnachten in der Ukraine
24.12.2022

Alexander Boitschenko ist Pastor im ukrainischen Odessa. Wie die Situation in der Hafenstadt ist und wie er dort Weihnachten feiern wird, hat er IDEA geschildert.
Der Frontverlauf hat sich in den vergangenen Wochen oft verändert. Wir fahren von Odessa aus immer wieder in die Nähe der aktuellen Frontlinie, bringen Bewohnern und Soldaten Medizin und Lebensmittel. Die Situation der Menschen ist unvorstellbar. Wir begegnen in den aus russischer Hand befreiten Gebieten Ukrainern, die völlig erschöpft und abgemagert sind. Einige haben uns erzählt, dass unser Brot das Erste war, was sie seit Monaten bekommen haben. Während der Besatzung haben sie oft nur noch das gegessen, was die Wälder und der Boden hergaben. Unser Ziel ist es, in der Region 20.000 Brote zu verteilen.
Wir empfehlen den Bewohnern, in die Städte zu fliehen, denn die schlimme Kälte wird ohne Strom und Heizung für viele tödlich sein. Aber nicht alle haben die finanziellen Möglichkeiten, manche wollen ihr Dorf nicht verlassen. Auf manchen Feldern sehen wir tote russische Soldaten, Hunde fressen die Leichen. Die russische Armee hat die Toten nicht mitgenommen, und jetzt traut sich niemand, sie zu begraben, weil viele Felder vermint sind.
Brot als Weihnachtsgeschenk
Aktuell bereiten wir ein kleines Weihnachtsprogramm für die Kinder vor. Am 24. Dezember laden wir sie in unser Gemeindehaus in Odessa ein. Und wir werden an Heiligabend – begleitet von Militärfahrzeugen – auch wieder über die Dörfer an der Frontlinie fahren, Brot verteilen und den Kindern die Weihnachtsgeschichte erzählen. Das ist das, was uns wichtig ist: Wir wollen die gute Botschaft weitergeben. Auch wenn wir hier jetzt schon viel Leid erfahren haben: Wir wollen dem Hass keinen Raum geben, wir wollen nicht bitter werden. Das ist unser Gebet – besonders an Weihnachten.

Die geistliche Ernte ist groß
Von unserer Gemeinde mit über 100 Mitgliedern in Odessa sind 15 geblieben. Doch unsere Gemeinde ist trotzdem voll. Es sind Flüchtlinge aus anderen Regionen hinzugekommen. Und einige Ukrainer sind im Krieg Christen geworden und haben sich bei uns taufen lassen. Die geistliche Ernte ist enorm, und dafür sind wir Gott unendlich dankbar! Jeden Tag bieten wir biblischen Unterricht an und verteilen in unseren Räumen Essen.
Wir haben gelernt, damit umzugehen, dass immer wieder der Strom ausfällt. In unserer Gemeinde haben wir einen Generator. Aber ich weiß nicht, ob es uns gelingen wird, jetzt mit der monatelangen Kälte umzugehen.
Wir müssen alle immer wieder neu eine Entscheidung treffen: bleiben oder gehen? Ich habe mich entschieden hierzubleiben – auch wenn ich bereits dreimal unter Beschuss geraten bin. Einmal ist ein Militärfahrzeug vor mir auf eine Mine gefahren. Das Fahrzeug ist explodiert, einem der Offiziere wurde das Bein abgerissen. Aber wir wissen, dass unser Leben in Gottes Hand ist. Und wir beten, dass er uns bewahrt.
Aufgezeichnet und gekürzt von Daniela Städter; Übersetzer: Wilhelm Daiker (WWL)
„Die Liebe Christi“
Die autonome Baptistengemeinde des dreifachen Vaters Alexander Boitschenko (55) in Odessa trägt den Namen „Die Liebe Christi“. In der Ukraine gibt es Boitschenko zufolge rund 3.000 Baptistengemeinden. Wer die Gemeinde unterstützen will, kann das über das Hilfswerk WWL (Weg – Wahrheit – Leben) tun:
VR-Bank Bonn eG | IBAN: DE86 3816 0220 6111 2730 12 | Zweck: Unterstützung Dienst Alexander Boitschenko

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