Porträt
Vom Schmerz zur Stärke
26.09.2025

Anna Klassen (30) geriet in eine toxische Beziehung. Erst durch die Trennung von ihrem Partner und ihren Glauben an Jesus erkannte sie ihren Wert. Ein Porträt von IDEA-Redakteurin Erika Weiss
Silvesternacht 2014: Zwischen Anna Klassen und ihrem Freund kommt es zu einem heftigen Streit. Worum es dabei ging, weiß die heute 30-Jährige nicht mehr. Aber sie erinnert sich noch an den Moment, als er sie am Hals packt, würgt und ihr gegen das Schlüsselbein boxt. „Ich dachte erst einmal, es ist nicht so schlimm“, sagt sie. Doch die blauen Flecken am nächsten Tag sprechen eine deutliche Sprache.
Klassen war seit einem Jahr in der Beziehung. „Ich fand ihn anfangs ganz toll. Er sah gut aus und hatte eine ähnliche Vorstellung vom Leben wie ich.“ Nach und nach fiel ihr aber seine impulsive Art auf. Wenn ihm ihr Tonfall nicht gefiel, drückte er zum Beispiel kräftig ihre Hand. Klassen dachte, es sei normal, das war sein Charakter. Auch nach dem Vorfall in der Silvesternacht blieb sie bei ihm.
„Diese Klarheit musste ich hören“
Einige Tage später rief ihr Vater sie an. Er wollte wissen, wie es ihr gehe. Klassen war überrumpelt, diese Frage von ihm war untypisch. Sie stammelte vor sich hin. Dann sagte er: „Ist etwas mit deinem Freund? Hat er dich geschlagen?“ Endlich brach es aus ihr heraus, und sie erzählte unter Tränen, was passiert war.
Der Vater sagte ihr, sie solle sich sofort von ihrem Freund trennen. „Diese Klarheit musste ich in dem Moment hören, um den letzten Schritt zu gehen“, sagt sie. Noch am selben Tag holte sie ihre Sachen bei ihrem Exfreund ab. Er bettelte sie an zu bleiben. Er versprach, sich zu ändern. Doch sie blieb standhaft.
Angenommen von Gott
Anna Klassen sehnte sich schon früh nach Aufmerksamkeit von Jungen und später von Männern. „Ich war auf der Suche nach Wertschätzung“, sagt sie. In der Schule eckte sie an, wurde gemobbt. „Ich habe mich nie richtig zurechtgefunden.“ Obwohl sie in einem nichtchristlichen Elternhaus aufwuchs, hatte sie im Kindergarten und in der Schule immer wieder Berührungspunkte mit dem christlichen Glauben.
Nach der Trennung begann ein Prozess, bei dem sie nach Gott suchte. Sie ging in den Gottesdienst einer Freikirche. Die Worte des Predigers, „Du bist wertvoll in Gottes Augen“, berührten ihr Herz. Sie entschied sich für Jesus. 2017 lernte sie in einem Jugendgottesdienst ihren heutigen Ehemann kennen. Mit ihren zwei Kindern gehören sie zur „Move Church“ in Wiesbaden.
Seit sie Christin ist, hat sich für die Journalistin Entscheidendes verändert: „Ich habe aufgehört, meinen Wert in Menschen zu suchen. Gott hat einen Wert in mich hineingelegt, den mir niemand nehmen kann.“ Sie lernte, ihrem Expartner zu vergeben.
Heute ermutigt Klassen andere Frauen – besonders Mütter. Auf Instagram (@theannaklassen) folgen ihr 10.000 Menschen. Dort teilt sie ihren Alltag und ihren Glauben. „Ich wünsche mir, dass Frauen sich gesehen fühlen – vor allem durch den Blick Gottes.“
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