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Kommentar

US-Gebetsfrühstück: Zwischen Gemeinschaft und Inszenierung

07.02.2026

US-Präsident Donald Trump bei seiner Rede beim 74. Nationalen Gebetsfrühstück in Washington. Foto: picture alliance / REUTERS | Al Drago
US-Präsident Donald Trump bei seiner Rede beim 74. Nationalen Gebetsfrühstück in Washington. Foto: picture alliance / REUTERS | Al Drago

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Was bleibt vom 74. Nationalen Gebetsfrühstück in der US-Hauptstadt Washington? Für den Politikbeauftragten der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD), Johann Matthies, war es eine Zeit voller Kontraste. Für IDEA schildert er seine Eindrücke – von ermutigenden Begegnungen bis zu irritierenden Momenten.

Das Nationale Gebetsfrühstück in der US-Hauptstadt Washington ist eine dieser Veranstaltungen, die man nicht einfach abhakt. Die Zeit rund um das Frühstück war geprägt von Gebeten, Hoffnungen, neuen Ideen und Freundschaften. Und mittendrin eine Rede des US-Präsidenten Donald Trump. Er sprach deutlich länger als angekündigt. Aus den vorgesehenen 20 Minuten wurden 80.

Die Folge war ein spürbares Durcheinander im weiteren Ablauf der Veranstaltung. Sein Stil war, wie so oft, provozierend und irritierend, häufig auch herabwürdigend. Hanebüchene Übertreibungen gehörten ebenso dazu wie einzelne Momente von Selbstironie. Hielt er sich an sein Skript, waren ermutigende Geschichten dabei. Ein positives Wort über Europa fiel nicht.

Trump – kein Teil der Gemeinschaft

Er sprach zu einem religiös geprägten Publikum, ohne sich selbst als Teil dieser Gemeinschaft zu verstehen. Mehrfach sprach er von den Religiösen und meinte damit die Menschen im Saal.

Beifall erhielt er vor allem dort, wo er politische Schutzversprechen machte: für Geistliche, die wegen öffentlich geäußerter Meinungen juristisch verfolgt würden; für religiöse Organisationen, denen wegen angeblicher Diskriminierung der Verlust der Gemeinnützigkeit drohe; für die Entfernung von Männern aus dem Frauensport; für die Aufhebung des Verbots öffentlichen Gebets an staatlichen Schulen.

Politische Selbstdarstellung

Bemerkenswert offen erklärte Trump, dass er die Bibel nicht lese und sie auch nie gelesen habe. In diesem Punkt war er ehrlicher als manche seiner Apologeten, etwa Paula White, die selbstbewusste Leiterin des neu eingerichteten Faith Office, die ihn zuvor als den wohl geistlichsten Präsidenten der Geschichte vorgestellt hatte. Trump formulierte es selbst so: „Ich bin nicht perfekt, aber ich kann viel für euch Perfekte tun.“

Für uns internationale Gäste aus über 100 Ländern, darunter auch Bundestagsabgeordnete, wirkte diese Rede fremd im Kontext eines Gebetsfrühstücks, das seit Jahrzehnten Menschen unterschiedlicher Herkunft, Konfession und Frömmigkeit um Jesus Christus versammeln will. Demut, Versöhnung, gemeinsames Hören auf Gott, Gebet mit der Regierung und für die Regierung: In diesem Raum entstand eine spürbare Spannung zwischen politischer Selbstdarstellung und geistlicher Ausrichtung.

Die Ukraine blieb unerwähnt

Bei der Aufzählung angeblich beendeter Kriege schmerzte vor allem das, was nicht gesagt wurde. Die Ukraine blieb in der gesamten Rede unerwähnt, obwohl dort seit Jahren Russland einen brutalen Angriffskrieg führt, der täglich Menschenleben fordert und jede ernsthafte Friedensrhetorik ad absurdum führt.

Wladimir Putin wurde nur ein einziges Mal genannt, nicht im Zusammenhang mit diesem Krieg, sondern als Trump von der Befriedung zwischen Aserbaidschan und Armenien sprach und erwähnte, wie Putin ihn dafür bewundert habe.

Das Gebetsfrühstück nicht auf die Trump-Rede reduzieren

Und doch wäre es viel zu kurz gegriffen, das Gebetsfrühstück auf diese Rede zu reduzieren. Unmittelbar danach betete ein demokratischer Kongressabgeordneter für seinen Präsidenten, obwohl er dessen politische Auffassungen nicht teilt. Er tat es mit Ernst, mit Würde und mit einer ausdrücklichen Erwähnung des vielfachen Leidens im Lande, auch für die Familien der in Minneapolis von Mitarbeitern der Einwanderungsbehörde getöteten Demonstranten.

Es folgten weitere gemeinsame Mahlzeiten und viele weitere bewegende und aufrüttelnde Beiträge von Politikern, Theologen, Sportlern und Gästen aus aller Welt. In dieser Vielfalt erfüllte die Veranstaltung zum 74. Mal ihren eigentlichen Auftrag, Menschen zusammenzubringen, deren gemeinsamer Nenner nicht politische Präferenzen oder religiöse Traditionen sind, sondern Jesus Christus selbst.

In der Woche vor Washington war ich in Kalifornien unterwegs. Vorträge, Vorlesungen, Predigten. Dort begegnete mir eine lebendige, wache christliche Kirche. Eine Kirche, in der Gott direkt und ungefiltert zu Wort kommen darf. Ich habe Aufbruch gesehen an verschiedenen Orten, von Nordkalifornien bis in die Hauptstadt. Diese geistliche Realität Amerikas ist am Ende stärker als die entnervenden politischen Schlagzeilen. Sie ist tragfähig und dauerhaft.

Die USA bleiben unser wichtigster Partner

Zusammengefasst möchte ich deshalb sagen: Wenn wir über jedes Stöckchen springen, das Trump uns hinhält, leben wir am Ende nur noch in einer Trump-Welt. Dabei verlieren wir aus dem Blick, dass wir in den Vereinigten Staaten weiterhin unsere wichtigsten Partner haben. Wirtschaftlich, politisch, militärisch und vielfach auch geistlich.

Vor allem aber verlieren wir aus dem Blick, dass es dort Christen gibt, die uns sehr nahestehen. Vor Trump, während Trump und auch nach Trump.

Das Nationale Gebetsfrühstück hat mir erneut gezeigt, wie wichtig es ist, Beziehungen zu Amerika und weit darüber hinaus zu pflegen, ohne sie durch den Filter einer einzelnen Person zu pressen. Wir müssen lernen, gemeinsam auf Gott zu hören und als weltweite Kirche treu und mutig unserem Auftrag nachzukommen. Dazu gehört Versöhnungsarbeit, Brückenbau und auch geistliche Nüchternheit.

Der Autor dieses Beitrags, Johann Matthies. Foto: privat

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