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Ukrainischer Erzbischof: Für mich ist Putin „Antichrist“

14.03.2022

Der Sprecher der Orthodoxen Kirche der Ukraine, Erzbischof Evstratiy. Foto: picture alliance / Photoshot
Der Sprecher der Orthodoxen Kirche der Ukraine, Erzbischof Evstratiy. Foto: picture alliance / Photoshot

Berlin/Kiew (IDEA) – Als „Antichrist“ hat der Sprecher der Orthodoxen Kirche der Ukraine, Erzbischof Evstratiy, den russischen Präsidenten Wladimir Putin bezeichnet. Er sei „nicht der endgültige, den wir aus der Apokalypse im Buch des Evangeliums kennen. Aber er ist wie Hitler, Stalin völlig gottlos“, sagte der Erzbischof für die Städte Tschernihiw und Nischyn in einem Interview mit der „Welt“ (online veröffentlicht am 13. März).

Auf die Frage, ob die Kirche Putin angesichts der Kriegsverbrechen in der Ukraine exkommunizieren könnte, antwortete Evstratiy: „Wir haben darüber nachgedacht. Aber Exkommunikation ist gegen Häresie, nicht gegen Kriegsverbrechen, wie sie Putin begangen hat.“

Dem Erzbischof zufolge können in den umkämpften Gebieten wegen der Kampfhandlungen keine Beerdigungen stattfinden. Oft werde nur ein Loch ausgehoben und die Toten würden hineingelegt – ohne jede Zeremonie. Priester berichteten, dass Leichen von Zivilisten auf der Straße lägen und sich niemand darum kümmere. Evstratiy: „Die Menschen befinden sich in der Hölle.“ Wenn die Ukraine den Sieg erringe, dann werde die Kirche die Opfer mit allem Respekt begraben.

Der geistliche Würdenträger bestätigte, dass auch Kirchen beschossen werden, obwohl sie als Schutzräume dienen: „Aber das interessiert die Russen nicht. Sie nehmen auf religiöse Orte keine Rücksicht und bombardieren auch Krankenhäuser.“ Er verwies auf den Luftangriff auf eine Entbindungsstation in Mariupol. „Sie kennen keine Moral.“ Nach seinen Angaben sind auch Gemeindemitglieder getötet worden, nachdem sie nach der Messe die Kirche verlassen hätten. Zur Frage, ob es Kontakte zur Russischen Orthodoxen Kirche gebe, sagte er: „Nein, die wollen nicht kommunizieren. Sie sitzen stumm und warten ab. Es gibt keinen Willen, etwas gegen die Invasion zu tun.“

Ukrainischer Militärgeistlicher getötet

Am Abend des 13. März teilte die Orthodoxe Kirche der Ukraine auf Facebook mit, dass die russische Armee einen ukrainischen Militärgeistlichen getötet habe. Es handle sich um den Ordensmann Platon Morgunow. Er sei in der umkämpften Stadt Wolnowacha in der Ostukraine ums Leben gekommen. In den ukrainischen Streitkräften sind rund 100 Militärseelsorger verschiedener Kirchen tätig. Nach Angaben der Orthodoxen Kirche der Ukraine war bereits Anfang März ein Priester in einem Dorf etwa 80 Kilometer nordwestlich von Kiew von einem russischen Soldaten erschossen worden. Der Geistliche habe ein Priestergewand getragen.

Bei einem Luftangriff auf die ostukrainische Stadt Swjatohirsk wurde das dortige Himmelfahrtskloster in der Nacht zum 13. März getroffen. Nach dessen Angaben gab es mehrere Verletzte. Das Kloster, das zur ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats gehört, beherbergt über 500 Flüchtlinge. Laut ukrainischer Medien handelte es sich um einen russischen Angriff.

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