Menschenrechte

Syrien: Gewaltsame Angriffe auf religiöse Minderheiten

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In der Region Suweida kam es zu Angriffen auf Drusen und Christen. Foto: picture alliance / Anadolu | Hisam Hac Omer
In der Region Suweida kam es zu Angriffen auf Drusen und Christen. Foto: picture alliance / Anadolu | Hisam Hac Omer

In Syrien ist es erneut zu gewalttätigen Angriffen auf religiöse Minderheiten gekommen. Betroffen sind vor allem Drusen, aber auch Christen. Wie das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ (München) mitteilte, haben unbekannte Täter im Süden des Landes eine Kirche sowie Häuser von Christen in Brand gesteckt. Das Werk beruft sich auf lokale Quellen.

So habe es einen Brandanschlag auf die melkitische griechisch-katholische Kirche St. Michael im Dorf al-Sura in der Region Suweida gegeben. Das volle Ausmaß des Schadens sei noch nicht bekannt. Nach weiteren Berichten wurden 38 Häuser christlicher Familien durch Brandschatzung zerstört.

Auch in anderen Landesteilen sei die Lage für Christen schwierig, so das Hilfswerk. Nahe der Hafenstadt Tartus – etwa 250 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Damaskus – hätten Sicherheitskräfte einen Bombenanschlag auf eine maronitische Kirche vereitelt.

Am 13. Juli wurde dort gegen Mitternacht in der Nähe der Kirche ein Wagen entdeckt, in dem sich große Mengen von Sprengstoff, Waffen und Brandsätzen befanden. Sicherheitskräfte und Anwohner konnten den Anschlag verhindern. Die mutmaßlichen Terroristen seien gefasst worden, heißt es in der Mitteilung.

Am 22. Juni waren bei einem Selbstmordanschlag auf eine griechisch-orthodoxe Kirche bei Damaskus während des Gottesdienstes mindestens 30 Menschen getötet und 54 verletzt worden. Christen stellten vor dem Bürgerkrieg ab 2011 in Syrien rund zehn Prozent der 22 Millionen Einwohner. Doch viele haben seitdem das Land verlassen. Ihre Zahl wird heute auf noch rund 300.000 geschätzt.

IGFM: Machthaber treiben Islamisierung des Landes gewaltsam voran

Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, haben syrische Regierungstruppen und verbündete Milizen die Stadt Suweida angegriffen. Dabei seien örtlichen Quellen zufolge über 200 Angehörige der Religionsgemeinschaft der Drusen getötet worden. Im März hatten Milizen, die der syrischen Regierung nahestehen, Hunderte von Alawiten getötet.

IGFM-Sprecher Valerio Krüger (Frankfurt am Main) erklärte: „Die neuen syrischen Machthaber und die mit ihr verbündeten islamistischen Rebellen treiben die Islamisierung des Landes gewaltsam voran.“ Als Reaktion auf den Angriff des syrischen Regimes auf die Drusen führte Israel eine Reihe von Militärschlägen gegen Stellungen der syrischen Armee durch, darunter auch in Suweida.

Israel versteht sich als Schutzmacht der Drusen und stellte der syrischen Regierung ein Ultimatum: Rückzug aus Suweida oder weitere Konsequenzen. Der syrischen Regierung zufolge hat die Armee mit dem Abzug aus Suweida begonnen.

Was sind Drusen?

Über eine Million Drusen leben im Nahen Osten, meist in Syrien, im Libanon und in Israel. Über 150.000 von ihnen sind israelische Staatsbürger. Die Religion der Drusen ist im 11. Jahrhundert als eine Abspaltung vom Islam schiitischer Prägung entstanden. Drusen glauben an eine Reinkarnation. Sie betreiben keine Mission. Für Außenstehende ist es unmöglich, ihrer Religion beizutreten.

Eine Besonderheit: Nur wenige Personen, sogenannte „Wissende“, kennen die gesamte drusische Lehre, die auch Elemente der klassischen griechischen Philosophie und des Hinduismus beinhaltet.

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