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Studie: Gemeindeleben bei Evangelikalen „deutlich aktiver“

08.11.2021

In der repräsentativen Studie wurden auch evangelische Freikirchen und Landeskirchliche Gemeinschaften befragt. Symbolbild: unsplash.com
In der repräsentativen Studie wurden auch evangelische Freikirchen und Landeskirchliche Gemeinschaften befragt. Symbolbild: unsplash.com

Hannover (IDEA) – Evangelikale Gemeinden in Deutschland haben eine stärkere Mitgliederbindung und ein „deutlich aktiveres Gemeindeleben“ als evangelische Kirchengemeinden. Das geht aus Daten des zweiten „Gemeindebarometers“ hervor, die das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD 2020 erhoben hat. In der repräsentativen Studie wurden neben den Gliedkirchen der EKD erstmals auch evangelische Freikirchen und Landeskirchliche Gemeinschaften innerhalb des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes befragt, wie das Institut am 8. November mitteilte.

In diesen pietistisch geprägten Gemeinschaften war demnach 2019 der Gottesdienstbesuch am höchsten (57 Prozent der Mitglieder). Dahinter folgen die Freikirchen (40 Prozent) und die Gemeinden der noch jungen „Fresh-X-Bewegung“ (17 Prozent). Sie steht für neue Gemeindeformen – etwa Treffen in Cafés – und will vor allem Menschen erreichen, die bisher keinen Bezug zur Kirche haben. In den Landeskirchen besuchen der Studie zufolge durchschnittlich rund drei Prozent der Mitglieder den Sonntagsgottesdienst.

Freikirchen und Gemeinschaften eher sozial engagiert – Kirchengemeinden politisch

Ein weiteres Ergebnis: Der Anteil freikirchlicher Gemeinden und Landeskirchlicher Gemeinschaften, die sich an sozialen bzw. humanitären Projekten beteiligen, ist „deutlich höher“ als bei landeskirchlichen Gemeinden. Diese brächten sich jedoch stärker bei politischen Aktivitäten ein, etwa bei der Unterstützung von „Migrant*innen und Flüchtlingen“. Bei „Fresh X“ sei die Beteiligung sowohl bei sozialen als auch bei politischen Projekten am größten.

Die Analyse zeigt ferner, dass der prozentuale Anteil der ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Landeskirchlichen Gemeinschaften „um ein Neunfaches höher und in den Freikirchen um ein Fünffaches höher ist als in den Landeskirchen“. Der durchschnittliche Zeitaufwand der Leitungsmitglieder für die Gemeindearbeit sei in den Landeskirchen deutlich geringer als in den evangelikalen Gemeinden. Dies lasse darauf schließen, dass die Mitglieder und Verantwortlichen in Freikirchen und Gemeinschaften mehr Zeit und Arbeit in ihre Gemeinde investierten.

Kirchengemeinden: Zwei Drittel der regelmäßigen Besucher über 60

Der Anteil der über 60-Jährigen bei den regelmäßigen Gemeindeaktivitäten ist der Analyse zufolge in den Landeskirchen mit 65 Prozent am höchsten. In den Freikirchen und im Gnadauer Verband sind es fast die Hälfte (47 bzw. 49 Prozent). Dagegen ist bei der Fresh-X-Bewegung nur jeder fünfte Besucher über 60. 41 Prozent sind unter 35 Jahre alt.

Diese Bewegung schaffe es, neue Mitglieder zu gewinnen und die Angebote der traditionellen Gemeinden zu ergänzen, heißt es in einer Auswertung der beim Sozialwissenschaftlichen Institut tätigen Soziologin Julia Steinkühler. Nach ihren Angaben muss man hinsichtlich der Lage der Freikirchen differenzieren. Während vor allem pfingstlerisch-charismatische Bewegungen starken Zuspruch erhielten, gebe es bei konfessionellen Freikirchen wie etwa der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), aber auch klassischen Freikirchen wie Mennoniten oder der Herrnhuter Brüdergemeine einen Trend zu sinkenden Mitgliederzahlen. Das Ausmaß sei aber geringer als bei landeskirchlichen Gemeinden.

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