Frei-/Kirchen
Statistik: Größte deutsche Freikirche schrumpft leicht
27.05.2022

Kassel (IDEA) – Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat im vergangenen Jahr 2,5 Prozent (1.918 Personen) seiner Mitglieder verloren – trotz gestiegener Taufzahlen. Das berichtete der Kommunikationsleiter dieser größten deutschen Freikirche, Michael Gruber (Wustermark-Elstal bei Berlin), auf der Bundesratstagung (Synode) am 27. Mai in Kassel.
Zum Jahresende 2021 gehörten der größten deutschen Freikirche 75.767 Personen an. Der Rückgang sei unter anderem auf eine Steigerung der Austritte von Mitgliedern (1.911) zurückzuführen. Dies seien 205 mehr als 2020 (+12 Prozent).
Die Austritte machen Gruber zufolge 46 Prozent aller „Abgänge“ aus. Dazu zählen ihm zufolge unter anderem auch Todesfälle (1.091), Überweisungen (818) und Streichungen (728).
Die Gründe für Austritte und Streichungen sind nach den Worten von Gruber sehr individuell und hängen „mit der jeweiligen Gemeindesituation zusammen“. Manchen Mitgliedern sei „ihre Gemeinde zu liberal, anderen zu konservativ“. Zum BEFG gehören Baptisten und das ChristusForum Deutschland (früher: Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden).
Vereinzelt werden auch Kindertaufen akzeptiert
Positiv haben sich Gruber zufolge jedoch alle Zugangsarten entwickelt, etwa die Taufzahlen. 1.083 Personen ließen sich durch Untertauchen taufen, 353 mehr als im Vorjahr (+48,4 Prozent). Vor der Pandemie sei die Zahl allerdings noch deutlich höher gewesen: So seien 2019 1.610 Menschen getauft worden. 1.041 Personen schlossen sich 2021 aus bekenntnisverwandten Freikirchen dem BEFG an – 36 Prozent mehr als 2020 (762 Personen).
Der BEFG praktiziert die sogenannte „Gläubigentaufe“. Mitglied kann also nur werden, wer zuvor bewusst Christ geworden ist. Als bekenntnisverwandte Freikirchen zählen solche, die ebenfalls die Gläubigentaufe praktizieren. In seelsorgerlich begründeten Ausnahmefälle akzeptieren einige BEFG-Gemeinden aber auch eine zuvor empfangene Kindertaufe. 2021 waren dies 121 Personen.
Bis 2019 gab es Gruber zufolge mehr Taufen als Austritte: „Im ersten Corona-Jahr 2020 hat sich das Verhältnis aber umgekehrt – ein Phänomen, das wir auch 2021 noch beobachten.“ Nach den Umbrüchen durch die Pandemie gestalteten die Gemeinden ihren Alltag neu. In diesem Zuge gebe es zwar mehr Zugänge, aber sie seien noch nicht auf Vor-Corona-Niveau.
Zwei Gemeinden aufgenommen, sechs haben sich aufgelöst
Zwei Gemeinden wurden neu in den BEFG aufgenommen: die 2011 gegründete Gemeinde „Nordstern“ in Frankfurt am Main und die ebenfalls 2011 gegründete englischsprache „Converge International Fellowship“ in Darmstadt.
Die Nordstern-Gemeinde gehört zum ChristusForum Deutschland, hat 29 Mitglieder und 40 Gottesdienstbesucher. Die Converge-Gemeinde hat 38 Mitglieder aus 25 Ländern und 45 Gottesdienstbesucher. Vor der Corona-Pandemie waren es 60.
Sechs Gemeinden aufgelöst
Wie BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba (Wustermark-Elstal bei Berlin) erläuterte, haben sich 2021 sechs Gemeinden aufgelöst, meist wegen Überalterung und sinkender Mitgliederzahlen: das Gemeindegründungsprojekt Brücke.Berlin sowie die Gemeinden Essen-Borbeck, Essen-Mitte, Lünen, Großbothen und die Philippusgemeinde Lilienthal (bei Bremen).
Die Gemeinde Greifswald hat sich mit der dortigen Freien Brüder Gemeinde zusammengeschlossen. Die Gemeinde Dessau ist aus dem BEFG ausgetreten und hat sich dem Verein für Mission und Diakonie (Dillenburg) angeschlossen, dem Dachverband der Freien Brüdergemeinden. Die zweitgrößte deutsche Freikirche hinter dem BEFG ist der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) mit 64.807 Mitgliedern.
Lesen Sie hier zwei weitere Meldungenvon der Bundesratstagung:
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