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Prof. Dietz: Homosexuelle nicht länger ausgrenzen

03.05.2022

Der Theologieprofessor Thorsten Dietz. Foto: IDEA/ Wolfgang Köbke
Der Theologieprofessor Thorsten Dietz. Foto: IDEA/ Wolfgang Köbke

Würzburg (IDEA) – Die evangelikale Bewegung sollte Homosexuelle nicht länger ausgrenzen. Das forderte der Theologieprofessor Thorsten Dietz (Marburg) auf dem 11. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge am 3. Mai in Würzburg. Dietz zufolge haben alle Kirchen im Umgang mit Homosexuellen eine gemeinsame Schuldgeschichte. Es sei verstörend, dass dieses Thema zum „Spaltpilz“ zwischen Christen werden konnte. Die meisten Gemeinden hätten die Beschäftigung mit dem Thema Homosexualität noch vor sich. Dietz: „Wir werden das Thema nicht los.“

In der evangelikalen Bewegung habe Homosexualität lange Zeit als Störung oder Fehlentwicklung gegolten, die sozial nicht stabil und durch moralische Anstrengung oder therapeutische Intervention vermeidbar ist. Diese Sicht habe „wie selbstverständlich als biblisch“ gegolten. Sie habe sich jedoch zunehmend als unhaltbar erwiesen. In den Wissenschaften habe sich durchgesetzt, dass homosexuelle Orientierung zur natürlichen Varianz von Sexualität gehört. Homosexuellen komme die gleiche Würde und gleiche Rechte zu wie Heterosexuellen.

Dietz: Bibel sagt nichts zu modernen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften

Dietz zufolge lassen sich Aussagen der Bibel zur Homosexualität nicht auf ein modernes Verständnis einer ebenbürtigen, wechselseitigen und hierarchielosen Partnerschaft zwischen Homosexuellen anwenden. Er verwies auf eine Aussage des Generalsekretärs der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher: „Was im Alten und im Neuen Testament beschrieben wird, ist eine Sexualität, die heute auch jeder Homosexuelle in einer Partnerschaft ablehnen würde. Sie ist verbunden mit Abhängigkeitsverhältnissen, Gewalt, Vergewaltigung, Missbrauch von Minderjährigen, religiösem Machtmissbrauch. Was wir heute unter einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft verstehen, hat es damals so nicht gegeben.“

Zwar finde man in der Bibel keine positiven Aussagen zu gleichgeschlechtlicher Sexualität, so Dietz. Dies gelte jedoch auch für Aussagen über die Kindertaufe, weibliche Bischöfe, Alkoholismus als Krankheit, getrennte Kirchenbünde und öffentliche Zungenrede. Aus dem Schweigen der Bibel lasse sich keine Norm ableiten.

Liebe ist das zentrale Kriterium

Laut Dietz ist Liebe ein zentrales Kriterium menschlicher Handlungen. Wenn etwas böse ist, müsse man erklären können, warum es böse ist. Eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft lasse sich jedoch nicht als böse klassifizieren. Es sei nicht gerecht, homosexuell empfindende Menschen anders zu behandeln als Heterosexuelle. Gerade die Bibel setze sich stets für die Ausgeschlossenen ein. Es gelte, die Vielfalt der Positionen wahrzunehmen und die Betroffenen zu hören.

Vier evangelikale Positionen im Umgang mit Homosexualität

Im konservativen Evangelikalismus gibt es laut Dietz vier Positionen zur Homosexualität:

1. Die volle Akzeptanz gleichgeschlechtlich liebender Menschen

2. Die Anerkennung homosexueller Identität und zugleich die Forderung, zölibatär zu leben. Diese Forderung scheint derzeit in der evangelikalen Bewegung von der Mehrheit vertreten zu werden.

3. Homosexualität wird als Entwicklungsstörung verstanden, die behandelbar ist, wenn ein Wille zur Veränderung vorhanden ist.

4. Homosexuelle Identität wird als Sünde wie Lügen, Lästern oder Stehlen verstanden.

Nach den Worten des Theologen hat es in den vergangenen Jahrzehnten weltweit Hunderttausende „reparative Therapien“ von Homosexuellen gegeben. Diese seien jedoch bei der überwältigenden Mehrheit ohne Erfolg geblieben. Solche Therapien seien aussichtslos und schädlich für die Betroffenen.

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