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Gesellschaft

Pfarrer Geilhufe: Eine Gesellschaft ohne Kirche wird keine gute

22.11.2023

Der Pfarrer der Freiberger Domgemeinde, Justus Geilhufe, bei „Fakt ist!“. Screenshot: MDR
Der Pfarrer der Freiberger Domgemeinde, Justus Geilhufe, bei „Fakt ist!“. Screenshot: MDR

Leipzig (IDEA) – „Eine Gesellschaft ohne Kirche wird keine gute Gesellschaft“: Das sagte der Pfarrer der Freiberger Domgemeinde, Justus Geilhufe, in einer Sendung des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR/Leipzig). Am 20. November widmete sich die Sendung „Fakt ist!“ dem Thema „Wandel, Wut und Werte – Wie viel Kirche braucht der Osten?“.

Der 33-Jährige sagte, dass die Gesellschaft die Kirchen brauche, da diese einen Wertekompass vermittelten. Dennoch werde die Mitgliederzahl der Kirchen in den alten Bundesländern künftig stark zurückgehen: „Ich glaube, dass die Kirche im Westen deshalb sehr viel von der Kirche im Osten zu lernen hat.“

Die Kirche im Osten habe zur DDR-Zeit Erfahrung mit einem entkirchlichten Land gesammelt. Er verwies auf die Arbeit in seiner Gemeinde: Dort glichen die Taufen die Austritte und die Beerdigungen aus. Geilhufe ist Autor des Buches „Die atheistische Gesellschaft und ihre Kirche“ (Claudius Verlag).

Die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2025 in Hannover, Anja Siegesmund (Jena), äußerte in der Sendung, dass die Kirche den Menschen aktuell keine Antworten gebe, die für ihr Leben relevant seien. Besonders bei Jugendlichen habe die Kirche bislang keinen Weg gefunden, um sie zu erreichen, sagte die frühere Thüringer Umweltministerin (Bündnis 90/Die Grünen).

Aus dem Publikum bemängelte eine Teilnehmerin die Politisierung der Kirche. Siegesmund entgegnete, dass die Kirche aktuelle Probleme aufgreifen und eine Plattform bieten sollte, um eine liberale Zivilgesellschaft zu stärken.

Der Soziologieprofessor und Direktor des Max-Weber-Kollegs an der Universität Erfurt, Hartmut Rosa, sagte in der Sendung, dass die Säkularisierung der Gesellschaft der Grund für den Bedeutungsverlust der Kirchen sei. Immer weniger Menschen seien christlich sozialisiert, und somit schwinde auch das Interesse.

Die Kirche habe in der Wendezeit eine große Rolle im Osten gespielt, weil sie den Menschen einen „Schutzraum“ zur Verfügung gestellt habe, so Rosa. In den Kirchen sei es möglich gewesen, verbotene und unterschiedliche Positionen zu vertreten. Nach dem Fall der Berliner Mauer hätten die Menschen diesen „Schutzraum“ nicht mehr benötigt oder an anderen Orten gefunden.

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