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Neuer YouTube-Kanal: Das Alte Testament verständlich erklären

09.08.2022

Der Alttestamentler Prof. Benjamin Kilchör. Foto: Wilhelm G. Adelberger
Der Alttestamentler Prof. Benjamin Kilchör. Foto: Wilhelm G. Adelberger

Basel (IDEA) – Das Alte Testament verständlich erklären ohne schwierige Inhalte auszulassen oder zu verwässern: Das ist das Ziel des Alttestamentlers Prof. Benjamin Kilchör von der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) Basel. Er hat darum vor fünf Monaten auf der Plattform YouTube seinen Kanal „Lectio Continua“ (Fortlaufende Lektüre) gestartet.

Er sei mehrfach gefragt worden, ob er nicht sein Wissen für ein breiteres Publikum außerhalb der Universität auf YouTube weitergeben könne, sagte Kilchör auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. Die Unsicherheit mit Blick auf das Alte Testament sei in den Gemeinden „sehr groß“. Durch den Einfluss der postevangelikalen Bewegung, die auf diesen Kanälen zum Teil sehr professionell unterwegs sei, werde sie noch größer.

So zementiere beispielsweise der US-Theologe Gregory A. Boyd mit seinem Buch „Crucifixion of the Warrior God“ (Kreuzigung des Kriegergottes) das Klischee vom gewaltsamen Gott des Alten und dem liebenden Gott des Neuen Testaments. Boyd zufolge bestehe die zentrale Bedeutung des Kreuzes darin, dass der alttestamentliche Kriegergott gekreuzigt werde und Gott sich als der offenbare, der auf Gewalt verzichte. Das würde bedeuten, dass sich Gott in Jesus vom Gottesbild des Alten Testaments distanziert. Dieser falschen Vorstellung, dass das Alte und das Neue Testament unterschiedliche Gottesbilder haben, begegne man in den Gemeinden immer wieder.

Auch mit den schwierigen Texten auseinandersetzen

Kilchör will nach eigenen Angaben alle Christen erreichen, die „an einer vertieften Auseinandersetzung mit dem biblischen Text interessiert sind und gerne gesamtbiblisch zusammenhängend die Schrift studieren“. Aktuell stelle er etwa alle zehn Tage einen Beitrag von 15 bis 35 Minuten ein.

„Lectio Continua“ bedeute, Vers für Vers durch die biblischen Texte zu gehen. Das zwinge dazu, sich mit allen Texten auseinandersetzen – auch mit „schwierigen“ oder „langweiligen“. Zudem richte dieses Vorgehen den Blick auf den Zusammenhang. In 1. Mose 1,1 etwa sei aus seiner Sicht mit Himmel und Erde nicht einfach das Universum gemeint, sondern die unsichtbare und die sichtbare Welt: „Dem würden viele Ausleger widersprechen. Die Bedeutung dieses Verständnisses liegt aber nicht in diesem einen Vers, sondern darin, dass er ein Thema eröffnet, das sich durch die ganze Bibel zieht: Das Verhältnis von der himmlischen Welt und unserer Welt.“

In Offenbarung 21 ende die Bibel damit, dass beide zusammenfänden. Wie sich die Dynamik zwischen Himmel und Erde entwickle, werde nur verständlich, wenn man die biblischen Texte fortlaufend lese.

Arbeitskreis für evangelikale Theologie verlieh Kilchör den Johann-Tobias-Beck-Preis

2021 erhielt Kilchör den Johann-Tobias-Beck-Preis des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT). Er bekam die Auszeichnung für eine Arbeit über das alttestamentliche Buch Hesekiel.

Kilchör studierte Theologie in Basel und Leuven (Belgien). Er promovierte 2014 an der Evangelischen Theologischen Fakultät Leuven. 2015 wurde er als „Verbi Divini Minister“ (Diener an Gottes Wort) der Reformierten Kirche des Kantons Zürich ordiniert. Seit 2020 ist er ordentlicher Professor für Altes Testament an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) Basel.

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