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Menschenrechte

„Man kann an Jesus glauben und Jude bleiben“

26.09.2023

Der Davidstern gilt als Symbol für das Volk Israel, das Kreuz steht für Christen. Symbolfoto: Picture Alliance/Godong | Fred de Noyelle
Der Davidstern gilt als Symbol für das Volk Israel, das Kreuz steht für Christen. Symbolfoto: Picture Alliance/Godong | Fred de Noyelle

Schwäbisch Gmünd (IDEA) – An Jesus glaubende Juden müssen ihre jüdische Identität nicht aufgeben. Das betonte der Theologe und Pfarrer i. R. Ulrich Laepple (Bremen) beim Kongress „Antisemitismus heute“, der am 26. September zu Ende gegangen ist. Er fand mit 200 Besuchern im Christlichen Gästezentrum Württemberg „Schönblick“ in Schwäbisch Gmünd statt.

Laepple schilderte dabei die Geschichte der Judenchristen im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Während sich in dieser Zeit viele Juden hätten taufen lassen, habe es immer mehr unter ihnen gegeben, die gesagt hätten: „Ich will als ein an Jesus glaubender Jude weiterhin Jude bleiben. Ein Jude zu sein ist doch nicht nur Konfession, sondern auch Volkszugehörigkeit.“ Für die meisten Juden, insbesondere die orthodoxen, gälten sie allerdings nicht mehr als Juden, sondern als Christen.

Ferner wies Laepple darauf hin, dass zu den sechs Millionen Opfern der Shoah auch schätzungsweise 200.000 Judenchristen gehörten. Der Theologe sprach sich zudem für ein gutes Verhältnis mit den heutigen jüdischen Nachfolgern Jesu, den messianischen Juden, aus.

Er beklagte in diesem Zusammenhang jedoch, dass die Kirche wenig Interesse an ihnen zeige. Begegnung und Austausch seien aber nötig. Er halte es darum für falsch, dass sie nicht zum Deutschen Evangelischen Kirchentag eingeladen würden. Die EKD fürchte, dass dadurch die Beziehungen zu den jüdischen Gemeinden gefährdet werden könnten.

Uhlmann: Der Antisemitismus ist so alt wie die Menschheit

Der frühere Vorsitzende des Evangeliumsdienstes für Israel (EDI), Dekan i. R. Rainer Uhlmann (Gschwend), berichtete, dass der Antisemitismus so alt wie die Menschheit sei. Dabei wiederholten sich die Muster. Den Juden sei in der Geschichte immer wieder mit Neid und Vorurteilen begegnet worden. Den einen seien sie zu reich gewesen, den anderen zu arm. Mal sei ihnen vorgeworfen worden, über zu viel Einfluss zu verfügen, dann wieder, sich nur um ihre eigenen Belange zu kümmern. Dabei sei das jüdische Volk stets bedroht gewesen. „Allein Gott gewährleistet ihre Existenz.“

Veranstalter des Kongresses waren neben dem „Schönblick“ die Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel (amzi), die Christliche Medieninitiative pro, der Verein „Christen an der Seite Israels“, der Evangeliumsdienst für Israel (EDI) sowie die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ). Daneben gab es 30 Kooperations- und Medienpartner, darunter die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA.

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