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Gesellschaft

Lieberknecht kritisiert Umgang mit Seidel

05.12.2023

Die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). Foto: IDEA/Daniela Städter
Die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). Foto: IDEA/Daniela Städter

Erfurt (IDEA) – Die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) bedauert die Umstände um den vorgezogenen Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden der Internationalen Martin Luther Stiftung (IMLS/Erfurt), Thomas A. Seidel (Weimar). Das sagte sie in einem Interview mit der Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“.

Zum Hintergrund: Lieberknecht hatte den Vorsitz von Seidel übernommen, nachdem der von ihm mit herausgegebene Sammelband „Angst, Politik, Zivilcourage. Rückschau auf die Corona-Krise“, von der Evangelischen Verlagsanstalt in Leipzig (EVA) zurückgezogen worden war. Zuvor waren mehrere Beiträge in die Kritik geraten.

Wie Lieberknecht berichtete, habe sie am 10. November mit Seidel an der diesjährigen Lutherkonferenz teilgenommen, als auf ihrem Smartphone die Meldung erschien, dass das Buch mit sofortiger Wirkung zurückgezogen worden sei.

„Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich es in einer freiheitlichen Demokratie nicht für möglich gehalten, dass Brüder und Schwestern, denen ich im christlichen Glauben verbunden bin, der ‚Demokratiefeindlichkeit‘ und des ‚Antisemitismus‘ bezichtigt werden, ohne dass sie selbst dazu gehört wurden und ohne dass sich Mitmenschen nun selbst eine Meinung bilden können, da das in Rede stehende Buch tatsächlich nirgendwo mehr erhältlich ist.“

Sie halte ein solches Vorgehen „für beispiellos und schädlich für unser demokratisches Miteinander“. Die Theologin fügte jedoch auch hinzu, dass es sich bei der Herausgebertätigkeit Seidels nicht um ein Projekt der Stiftung handle.

„Herr Seidel kann diese Vorwürfe nicht hinnehmen“

Seidel habe seinen Wechsel in den Ruhestand und seine diesbezüglichen Ideen bereits 2022 skizziert, so Lieberknecht. Er habe vorgeschlagen, sie jetzt umgehend umzusetzen. So könne die notwendige Trennung von Stiftungsamt und Stiftungsperspektive auf der einen Seite und seiner freien publizistischen Tätigkeit auf der anderen Seite durchgeführt werden.

„Glaubt denn etwa jemand, Herr Seidel kann auf Dauer die ungeheuerlichen und tendenziell verleumderischen Vorwürfe einfach so hinnehmen? Da stehen noch handfeste Auseinandersetzungen ins Haus, die mit der IMLS nichts zu tun haben.“

Inzwischen habe Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis90/Die Grünen) das Kuratorium der Stiftung verlassen. Dass es einen Zusammenhang mit der Kontroverse um das zurückgezogene Buch gebe, wollte Lieberknecht allerdings nicht bestätigen.

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