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„Letzter Generation“ keine kirchliche Bühne bieten

17.11.2022

Till Vosberg ist Rechtsanwalt. Foto: Presse
Till Vosberg ist Rechtsanwalt. Foto: Presse

Magdeburg/Wetzlar (IDEA) — Die Kritik am Auftritt einer Sprecherin der linksradikalen Klimaprotestgruppe „Letzte Generation“ auf der Tagung der EKD-Synode am 8. November in Magdeburg hält an. Zum Hintergrund: Die Sprecherin der Gruppe, Aimée van Baalen (Dresden), hatte auf Einladung des Synodenpräsidiums gesprochen. Ihre Ausführungen waren von vielen EKD-Synodalen mit Applaus quittiert worden.

Am Rande der EKD-Synode erklärte die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich (Regensburg), vor Journalisten, Straßenblockaden seien ein legitimes Mittel des zivilen Widerstandes von Klima-Aktivisten. An die Gruppe gerichtet sagte Heinrich: „Wir solidarisieren uns mit euch.“ Nach der Synodentagung begann eine Debatte um den Auftritt der Aktivistin.

Synodaler: Einladung war Fehlentscheidung

Zwei EKD-Synodale äußerten sich gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA kritisch zu der Einladung. Der Jurist Till Vosberg (Leipzig) bezeichnete diese als Fehlentscheidung: „Aufgrund der regelmäßigen und richtigen Betonung der Bedeutung von Demokratie seitens der EKD wäre zu erwarten gewesen, dass Personen, die gegen Strafgesetze des demokratisch gewählten Parlaments verstoßen, keine Bühne bei der EKD geboten wird.“ Er bedauere, „dass viele Synodale Straftaten als zulässigen zivilen Ungehorsam abtun“.

Rede diente nicht dem Aufbau der Kirche

Ähnlich äußerte sich Pfarrer Falk Klemm (Ehrenfriedersdorf/Sachsen). Er frage sich, wie die Einladung an die Sprecherin dem Aufbau der Kirche dienen könne: „Solche kaum kommunizierten Schnellschüsse sind nicht geeignet, die Einheit der Kirche zu suchen.“ Sie sorgten für Verunsicherung und stifteten Verwirrung. Er bedauerte zudem, dass andere wichtige Beiträge in der Synode angesichts der Debatte um den Auftritt der „Letzten Generation“ untergegangen seien, etwa der „hervorragende biblisch-orientierende Ratsbericht“ der EKD-Ratsvorsitzenden Annette Kurschus (Bielefeld).

Teuteberg (FDP): „Verstörend und problematisch“

Die FDP-Bundestagsabgeordnete und Rechtsanwältin Linda Teuteberg (Potsdam), die ebenfalls der EKD-Synode angehört, hält die Einladung an die „Letzte Generation“, vor dem Kirchengremium zu sprechen, für „verstörend und problematisch“. Dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte sie: „Kirche kann und sollte einen Gesprächs- und Debattenraum bieten.“ Themen wie Krieg und Frieden oder die Bewahrung der Natur seien im christlichen Glauben von zentraler Bedeutung.

Sie fügte hinzu: „Kein noch so wichtiges Anliegen kann indes eine Rechtfertigung dafür sein, Gewalt gegen Sachen oder Menschen auszuüben.“ Ähnlich äußerte sie sich auch im Kurznachrichtendienst Twitter: „Es gibt kein Recht darauf, durch Gewalt und Nötigung zu erreichen, was die eigenen Argumente im gesellschaftlichen Diskurs nicht vermögen.“

Käßmann: Gewalt gegen Sachen nicht akzeptierbar

Kritisch zu den Aktionen der „Letzten Generation“ im Allgemeinen äußerte sich die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann (Berlin). Gewalt gegen Sachen und auch die Selbstverletzungen seien für sie nicht akzeptierbar, sagte sie im Interview mit dem Magazin für politische Kultur „Cicero“ (Berlin): „In der ‚Letzten Generation‘ drückt sich für mich eine furchtbar traurige Verzagtheit von jungen Leuten aus, die doch das Leben erobern sollten.“

Gefährlich und hochproblematisch seien die Aktionen, weil der Protest auch umschlagen könne in Gewalt gegen Menschen, „beispielsweise in Gewalt gegen Polizisten und Ordnungskräfte“. Zwar sollte die Kirche die Anliegen der Aktivisten anhören, doch zugleich sei Deeskalieren und Vermitteln die wichtigste Aufgabe der Kirche: „Die Kirche muss immer Hoffnung und Versöhnung und Zuversicht in die Welt bringen.“

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