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Kurschus: Impfen ist im Sinne des Gemeinwohls

20.11.2021

Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus. Foto: Jens Schulze
Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus. Foto: Jens Schulze

Bielefeld (IDEA) – Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus (Bielefeld) hat sich für eine Impfung gegen das Coronavirus ausgesprochen. Sie äußerte sich dazu in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“. 

Kurschus – im Hauptamt Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen – war am 10. November auf der digitalen Tagung der EKD-Synode mit großer Mehrheit an die Spitze der EKD gewählt worden. In dem Interview betonte sie, dass man sein Eigenwohl gut „gegen die Verpflichtung, die ich in der Gemeinschaft habe“, abwägen sollte. „Mit der Entscheidung gegen die Impfung gefährde ich nicht nur mich, sondern auch andere. Unsere individuellen Entscheidungen leben davon, dass sie in das Gemeinwohl eingebettet sind.“ Sie zweifle jedoch an der Sinnhaftigkeit einer möglichen Impfpflicht: „Nach meiner Erfahrung erzeugt man mit Pflicht und Zwang eher Widerstand. Ich werbe für das Impfen. Die Kontaktbeschränkungen, die es vielerorts für Ungeimpfte gibt, senden ja schon ein deutliches Signal.“

Missbrauch: Eine beschämende Schuldgeschichte

Kurschus äußerte sich auch zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der evangelischen Kirche. Das Thema habe „oberste Priorität“. „Zweifellos reden wir von einer beschämenden Schuldgeschichte unserer Kirche. Wir sind fähig und bereit, diese Schuld einzugestehen und unabhängig aufarbeiten zu lassen.“

Auf Initiative der EKD würden die Vorgänge nun „in einer sehr breit angelegten wissenschaftlichen“ Studie untersucht. Dabei würden nicht nur die Pfarrer in den Blick genommen, sondern sämtliche kirchlichen Bereiche und diakonischen Einrichtungen. Die Menschen sollten merken, dass es der Kirche „ernst damit“ sei. Bei den Strukturen und Verbindlichkeiten in den Landeskirchen werde deshalb eine größere Einheitlichkeit geschaffen. Wichtig sei auch die Einbindung von Betroffenen. „Wir tun alles dafür, um eine größtmögliche Partizipation der Betroffenen zu gewährleisten.“

Migration als biblische Urerfahrung

Der christliche Glaube fordere, „die Fremden und Schwachen zu schützen“ und den „Heimatlosen Heimat zu geben“, so Kurschus weiter. „Beim Thema Migration geht es um die biblische Urerfahrung, in der eigenen Umwelt fremd und nicht willkommen zu sein, keinen Raum zu finden, zu den Armen und Schwachen zu gehören.“ Deshalb sei es der EKD ein Anliegen gewesen, hierbei mit anderen Organisationen zusammenzuarbeiten. „Wir haben alle unsere eigene Motivation, um Menschen in Not zu helfen, aber beim humanitären Handeln sind wir uns einig.“ Das komme bei United4rescue sehr schön zum Ausdruck.

Zum Hintergrund: Das kirchlich initiierte Aktionsbündnis United4Rescue hatte den Kauf von zwei Rettungsschiffen finanziert, der „Sea-Watch 4“ und der „Sea-Eye 4“. Kurschus räumte ein, dass sich die Kirche in diesem Punkt nicht von anderen gesellschaftliche Organisationen unterscheide: „Im Tun mögen wir als Kirche mit etlichen anderen Akteuren verwechselbar sein. Das ist doch nichts Schlimmes.“ Allerdings solle die Kirche dabei „die christliche Triebfeder unseres Handelns ausdrücklich erkennbar machen“.

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