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Menschenrechte

Kongress: Mit verfolgten Christen solidarisieren

14.11.2021

Der Bundestagsabgeordnete Markus Grübel (CDU) auf dem Kongress „Christenverfolgung heute“. Foto: IDEA/Daniela Städter
Der Bundestagsabgeordnete Markus Grübel (CDU) auf dem Kongress „Christenverfolgung heute“. Foto: IDEA/Daniela Städter

Schwäbisch Gmünd (IDEA) – Mit dem Aufruf an die künftige Bundesregierung, sich weiterhin für weltweite Religionsfreiheit einzusetzen, hat am 14. November der 7. ökumenische Kongress „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd begonnen.

Er wird veranstaltet vom Christlichen Gästezentrum Schönblick (Schwäbisch Gmünd) und der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit rund 40 evangelischen, katholischen und freikirchlichen Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ein entsprechender Aufruf soll von dem Kongress aus an die Parteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP geschickt werden, die derzeit über eine Koalition verhandeln. Wichtig sei vor allem, das Amt des Beauftragten der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit fortzuführen und zu verstetigen, heißt es in dem Aufruf.

Das 2018 geschaffene und beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung angesiedelte Amt wird bislang von dem Bundestagsabgeordneten Markus Grübel (CDU) bekleidet.

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Markus Grübel: Religionsfreiheit wird weltweit verletzt

Grübel selbst betonte in seinem Vortrag auf dem Kongress die bleibende Bedeutung der Religion für die Menschen. Über 80 Prozent der Weltbevölkerung sagten von sich selbst, dass sie religiös seien. Wer das nicht anerkenne, sei „weltfremd“, so der katholische Christ und Schirmherr des Kongresses. Zugleich lebten drei von vier Menschen weltweit in einem Land, in dem die Religionsfreiheit verletzt werde. Leider nehme diese Zahl aktuell sogar noch zu.

„Immer mehr Menschen erleiden Nachteile wegen ihrer Religion.“ In 70 Staaten gebe es menschenrechtswidrige Blasphemiegesetze und in elf Ländern drohe bei einer Abkehr von der Mehrheitsreligion sogar die Todesstrafe. Es sei deshalb enttäuschend, dass das Amt des Sonderbeauftragten der Europäischen Kommission für Religions- und Weltanschauungsfreiheit außerhalb der EU bisher nicht neu besetzt worden sei.

Zum Hintergrund: Der bisherige Amtsinhaber Christos Stylianides war im September nach nur vier Monaten im Amt ausgeschieden, um als Minister in die griechische Regierung einzutreten. Bis heute ist noch kein Nachfolger ernannt worden.

Nigerianischer Erzbischof: Europa könnte viel tun

Der nigerianische Erzbischof von Abuja, Ignatius Ayau Kaigama, rief in einem auf dem Kongress ausgestrahlten Interview die Länder Europas dazu auf, sich für verfolgte Christen einzusetzen. „Es kann so viel getan werden.“ Ungarn verstehe sich beispielsweise als christliches Land, „das gern bereit ist, die zu unterstützen die aufgrund ihres christlichen Glaubens verfolgt werden“. Diese Solidarität erhoffe er sich auch von Deutschland, Großbritannien oder anderen europäischen Ländern.

Auf internationaler Ebene solle man über Diskriminierung von religiösen Minderheiten diskutieren und den Missbrauch der Religion anprangern – etwa bei den Vereinten Nationen. „Man sollte das stoppen. Wir wollen, dass Christen frei sind.“ Seine Landsleute lebten schon seit 2009 in ständiger Angst vor Angriffen durch die islamische Terrormiliz Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) oder muslimische Fulani-Hirten.

Wenn Christen mit diesen Angriffen konfrontiert seien, hätten sie meist nur zwei Möglichkeiten: Entweder liefen sie davon oder sie verteidigten sich. Wenn sie die Flucht ergriffen, würden ihre Häuser, ihre Kirchen und ihr Land zerstört. „Denn diese Attacken erfolgen unerwartet mitten in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Sie werden mitten im Schlaf überrascht und laufen um ihr Leben“. Wer kein Glück habe, werde umgebracht.

Diejenigen, die sich gegen die Attacken zur Wehr setzten, täten das nicht, „weil sie Christen sind, sondern weil ihre Lebensgrundlage bedroht“ sei. Priester und Pastoren in Nigeria würden attackiert und sogar Bischöfe entführt. „Dadurch entsteht viel Furcht in den Herzen der Christen.“ Es sei schwer für sie, ihrem „Auftrag der Evangelisation gerecht zu werden. So erleben wir wenig Frucht.“

Der Staat muss seine Bürger schützen

Christen erwarteten, dass der Staat seine Bürger schütze, betonte Kaigama. Dass er seiner Verpflichtung mit Blick auf den Schutz der Christen momentan nicht nachkomme, liege entweder an mangelnder Koordination der Sicherheitsbehörden oder am fehlenden politischen Willen. Der Staat hätte gezielt eingreifen müssen, „aber man ist tatenlos geblieben“.

Selbst gemäßigte Muslime, die gegenüber den Angriffen auf Christen anfänglich eher gleichgültig reagiert hätten, seien mittlerweile beunruhigt. Denn auch sie würden immer wieder Opfer der Überfälle von Boko Haram. Er hoffe, so Kaigama weiter, dass man gemeinsam „ein friedliches Land schaffen“ könne, in dem verschiedene Religionen und Ethnien friedlich zusammenleben.

Die Kirche Christi wird immer auf Widerstand stoßen

Der Missionsleiter der Hilfsaktion Märtyrerkirche (HMK), Pastor Manfred Müller (Uhldingen/Bodensee und Wetzlar), betonte, dass die Gemeinde Jesu Christi zu allen Zeiten „im Gegenwind des antichristlichen Zeitgeistes“ stehen müsse. In den Ländern ohne Religionsfreiheit wachse die Kirche dennoch, weil die Christen sich zu Jesus bekennten. Ihr Vorbild zeige, „dass wir uns nicht auf die staatlich gewährte Religionsfreiheit verlassen dürfen“.

Wer als Christ Jesus bekenne, werde auch in Deutschland Widerstand erfahren. Christen sollten jedoch nicht versuchen, dem auszuweichen. Deshalb sei es so wichtig, von den verfolgten Christen zu lernen: „Die bedrängte Gemeinde stellt uns den Preis der Nachfolge vor Augen.“ Der Kongress findet vom 14. bis 17. November mit rund 350 Teilnehmern statt.

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