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Interview

Kirchenmusik: Alte und neue Lieder verbinden

23.09.2022

Der Gründer und Leiter der Christlichn Musikakademie, Friedemann Meussling. Foto: Dr. Michael Immendörfer
Der Gründer und Leiter der Christlichn Musikakademie, Friedemann Meussling. Foto: Dr. Michael Immendörfer

Die Christliche Musikakademie in Stuttgart veranstaltet am 2. Oktober ein großes „Konzert für den Frieden“ in der MHPArena Ludwigsburg. IDEA-Redakteur Daniel Scholaster hat mit dem Gründer und Leiter der Akademie, Friedemann Meussling, gesprochen.

IDEA: Was ist das Besondere an diesem „Konzert für den Frieden“?

Meussling: Das Crossover von Symphonieorchester und Band. Wir werden in Ludwigsburg nicht nur klassische Stücke von Johann Sebastian Bach (1685–1750), Georg Friedrich Händel (1685–1759) und dem jungen Komponisten Petteri Sainio, sondern auch zahlreiche christliche Popmusiker und -formationen hören. Darunter sind die O’Bros, Anja Lehmann und Juri Friesen. Die Anbetungsmusik ist unser gemeinsames kulturelles und geistiges Erbe, das es zu bewahren und weiterzuentwickeln gilt. Dafür wollen wir einstehen. Dabei werden wir von verschiedenen landeskirchlichen, freikirchlichen und katholischen Gemeinden sowie von der Evangelischen Allianz unterstützt.

Wir wollen in dem kommenden Konzert gemeinsam für den Frieden in der Ukraine und auf der Welt beten und singen.

IDEA: Können solche Veranstaltungen dazu beitragen, die Gräben zwischen den Anhängern „alter“ und „neuer“ Lieder in den Gemeinden zuzuschütten?

Meussling: In den letzten Jahren hat es eine Annäherung zwischen beiden Lagern gegeben. Klassische Musiker haben sich in manchen Gemeinden, in denen moderner Lobpreis gespielt wurde, lange Zeit ausgegrenzt gefühlt. Aber inzwischen begeistern sich auch immer mehr christliche Popmusiker für die alten Choräle und die Orchestermusik.

Gleichzeitig sehen die Vertreter der Klassik, dass die Lobpreis-Formationen die alten Stücke auf zeitgemäße Art interpretieren und ihnen dadurch ein jüngeres Publikum verschaffen. Immer mehr Gemeinden melden sich inzwischen bei uns und fragen, wie sie diese Symbiose von neuen und alten Liedern bei sich im Gottesdienst umsetzen können. Ein katholischer Priester erzählte mir kürzlich, dass er moderne Lobpreismusik im Gottesdienst lange Zeit abgelehnt hat, aber seine Meinung inzwischen geändert hat. Er habe nämlich festgestellt, dass auch moderne Lieder tiefgründige Texte haben können.

IDEA: Was zeichnet Ihrer Ansicht nach ein gutes Kirchenlied aus?

Meussling: Es gibt meines Erachtens drei Kriterien dafür: 1. Es muss von der Gemeinde gut gesungen werden können. 2. Kommt es darauf an, dass der Autor seine Seele sprechen lässt, wenn er es komponiert. 3. Muss es die Herzen der Menschen berühren. Es gibt viele Choräle, aber auch wunderbare moderne Lieder die zum Beispiel bei Hochzeiten oder Beerdigungen die Menschen zu Tränen rühren, weil die Autoren ihre eigenen Erfahrungen mit Gott darin verarbeitet haben.

Dazu gehören beispielsweise „Befiehl du deine Wege“ von Paul Gerhardt (1607–1676), „So nimm denn meine Hände“ von Julie Hausmann (1826–1901), aber auch moderne Songs wie das Lied von Sefora Nelson „Lege deine Sorgen nieder“.

IDEA: Die Choräle von Martin Luther (1483–1546) oder Paul Gerhardt erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit. Denken Sie, dass es auch heute Lieder gibt, die die Zeiten überdauern werden?

Meussling: Die Hymne „Zehntausend Gründe“ – die deutsche Version des Lieds „10,000 Reasons“ des britischen Lobpreisleiters Matt Redman und des schwedischen Musikers Jonas Myrin – gehört bereits in sehr vielen Gemeinden zum Repertoire, so dass sie sicherlich gute Aussichten hat, auch in vielen Jahrzehnten noch gesungen zu werden.

IDEA: Vielen Dank für das Gespräch!

(Das „Konzert für den Frieden“ am 2. Oktober kann auch über den Livestream auf der Webseite der Worship Symphony verfolgt werden.)

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