Ressorts
icon-logo

Frei-/Kirchen

Kirchen ringen weiter um Frieden in der Ukraine

13.05.2023

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost
Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost

Kiew (IDEA) – In ihren Bemühungen um Frieden in der Ukraine wollen die Kirchen nicht nachlassen, auch wenn sich keine schnellen Lösungen abzeichnen. Diese Ansicht vertrat der bayerische Landesbischof Prof. Heinrich Bedford-Strohm (München), nach einem Besuch in dem vom russischen Angriffskrieg gebeutelten Land.

Er gehörte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) einer hochrangigen Delegation des Weltkirchenrates an, die vom 10. bis 12. Mai in Kiew Gespräche mit Repräsentanten aus Kirche und Staat führte.

In einem auf Facebook verbreiteten Video sagte Bedford-Strohm, es stelle sich die Frage, wie „diese sinnlose Gewalt, die so viel Leiden schafft“, ein Ende finde. Im orthodoxen Höhlenkloster Lawra, eine der heiligsten Stätten des orthodoxen Christentums, habe ihm ein Priester berichtet, wie russische Truppen zu Kriegsbeginn seine Dorfkirche beschossen und zerstört hätten. Laut Bedford-Strohm sind am Eingang zum Höhlenkloster Bilder von im Krieg getöteten Menschen ausgestellt.

ÖRK will Einheit in der Ukraine fördern

Die ÖRK-Delegation wollte in ihren Gesprächen mit Vertretern der zerstrittenen orthodoxen Kirchen in der Ukraine auch zur Einigkeit im Land beitragen. „Die Kirchen sind aufgerufen, eine Rolle in der Heilung dieser Wunden zu übernehmen, um diesen rechtswidrigen und unmoralischen Krieg zu beenden und einen gerechten Frieden für die Menschen in der Ukraine, in der Region und in der ganzen Welt zu fördern“, heißt es in einer Mitteilung des ÖRK.

Diese Botschaft sei in Treffen mit den Mitgliedern des Ukrainischen Rates der Kirchen und religiösen Organisationen sowie dem Ukrainischen Minister für Kultur und Informationspolitik, Oleksandr Tkachenko, hervorgehoben worden. Gerade in Kriegszeiten benötige das ukrainische Volk Einigkeit und keine Spaltung. Harmonie zwischen den religiösen Gemeinschaften sei ein wichtiges Element für die nationale Einheit, so das ÖRK.

Orthodoxe Kirchen sind gespalten

Die orthodoxen Kirchen, denen schätzungsweise bis zu 70 Prozent der 43 Millionen Ukrainer angehören, sind gespalten. Der Krieg hat die Rivalität in der Orthodoxie verstärkt, doch sie bestand schon vorher.

Die eigenständige Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) entstand Ende 2018 durch den Zusammenschluss des Kiewer Patriarchats und der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche.

Die allein verbleibende Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (UOK) wurde im Jahr 1990 gegründet und war zunächst Teil der russisch-orthodoxen Kirche. Doch am 27. Mai 2022 erklärte die UOK ihre Unabhängigkeit vom Moskauer Patriarchat aufgrund des Angriffskrieges, den der russische Patriarch Kyrill (Moskau) rechtfertigt.

Der ökumenische Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel hat der OKU die Autokephalie verliehen und sie damit zu einer eigenständigen und souveränen Kirche innerhalb der Orthodoxie erklärt. Nach orthodoxer Auffassung kann es aber in jedem Land nur eine eigenständige Kirche geben.

Verbot von russlandfreundlichen Kirchen gefordert

Im März 2022 fordert die ukrainische Opposition ein Verbot der UOK, weil sie immer noch beste Beziehungen nach Russland pflege. Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich zurückhaltend in religiösen Angelegenheiten.

Im vorigen Dezember verlangte der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine Gesetzesänderungen, um jene religiösen Organisationen verbieten zu können, „die mit Einflusszentren in Russland verbunden sind“. Der ÖRK hat sich bereit erklärt, Gespräche zwischen den beiden zerstrittenen orthodoxen Kirchen zu leiten. Sowohl Metropolit Anthony, Kanzler der OUK, als auch Metropolit Epifaniy, Primas der OKU, hätten ihre Dialogbereitschaft signalisiert.

Dem ÖRK gehören nach eigenen Angaben 352 protestantische anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen sowie Freikirchen und kirchliche Gemeinschaften mit rund 580 Millionen Mitgliedern in mehr als 110 Ländern an. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied im ÖRK, arbeitet aber in einigen Gremien mit.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

IDEA liefert Ihnen aktuelle Informationen und Meinungen aus der christlichen Welt. Mit einer Spende unterstützen Sie unsere Redakteure und unabhängigen Journalismus. Vielen Dank. 

Jetzt spenden.

4 Wochen IDEA Digital 8,95 Euro 1 Euro

Entdecken auch Sie das digitale Abo mit Zugang zu allen Artikeln auf idea.de