Politik
Jugendärzte: Bundesregierung schützt junge Menschen zu wenig
29.07.2023

Osnabrück (IDEA) – Deutschlands Jugendärzte haben ihre Befürchtung bekräftigt, die geplante Cannabis-Legalisierung könne zu Gesundheitsschäden bei Minderjährigen führen.
Den Plänen der Bundesregierung zufolge soll sowohl der Anbau als auch die Abgabe von Cannabis durch „Cannabis-Clubs“ durchgeführt werden. Der Besitz von maximal 25 Gramm „Genusscannabis“ zur Eigennutzung soll laut dem Referentenentwurf bei Erwachsenen straffrei sein.
Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, sagte gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ): „Dass der Jugendschutz zentrales Element des Gesetzes sei, erscheint uns angesichts eines deutlich ausgeweiteten Marktes und der Normalisierung von Cannabiskonsum in aller Öffentlichkeit wie eine Alibi-Aussage.“ Die Gehirne junger Menschen seien noch nicht ausgereift. Es sei zu befürchten, dass Jugendliche durch den Konsum Gesundheitsschäden erleiden. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) müsse konkret beantworten, wie er die jungen Menschen schützen wolle, forderte Fischbach. Das sei bislang nicht geschehen.
Die Jugendärzte hätten nichts dagegen, Cannabis aus der Schmuddelecke zu holen. Aber es sei „eindeutig zu wenig“, durch Hinweise auf Internetseiten oder eine Kampagne vor den Gefahren durch Cannabis zu warnen: „Wie soll verhindert werden, dass Minderjährige an den Stoff kommen, den sich Erwachsene legal im Anbau-Club abholen? Wenn dann in einem zweiten Schritt auch noch die kommerziellen Geschäfte kommen, müssen wir befürchten, dass viele über 18-Jährige ihre Drogen an Jugendliche verkaufen, um so ihre Sucht zu finanzieren.“ Die Kinder- und Jugendärzte sehen Fischbach zufolge den „Jugendschutz in Gefahr“.
Unionsfraktion stellte eine Kleine Anfrage
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion befasste sich in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung mit der geplanten Freigabe. Wie es in der Antwort heißt, sollen Anbauvereinigungen im Abstand von weniger als 200 Metern (Luftlinie) zum Eingangsbereich von Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie Kinderspielplätzen nicht erlaubt sein.
Das grundsätzliche Ziel sei, den Anreiz zu verringern Cannabis auf dem Schwarzmarkt zu erwerben. Das dort bezogene Cannabis sei häufig mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko verbunden, da der Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) unbekannt sei und giftige Beimengungen, Verunreinigungen sowie synthetische Cannabinoide enthalten sein könnten.
Blaues Kreuz befürchtet deutlich höheren Konsum
Das „Blaue Kreuz in Deutschland“ (Wuppertal) hatte sich unlängst kritisch zu der geplanten Cannabis-Legalisierung geäußert. Der evangelische Fachverband für Suchtkrankenhilfe ist überzeugt, dass die Legalisierung zu einem signifikant höheren Konsum, erhöhten Gesundheitsrisiken, aber auch spürbaren Schäden führen werde.
IDEA-Umfrage: Relative Mehrheit findet das Vorgehen der Bundesregierung gut
Eine Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere (Erfurt) im Auftrag der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA hatte im April ergeben, dass eine relative Mehrheit der Deutschen (44 Prozent) es gut findet, dass die Bundesregierung den Konsum von Cannabis teilweise freigeben will. 38 Prozent der Befragten lehnen die Pläne dagegen ab. 17 Prozent wissen nicht, was sie davon halten, zwei Prozent machten keine Angabe.
Lesen Sie hier einen Kommentar von Michael Lenzen zu der geplanten Freigabe. Er ist Sozialtherapeut sowie stellv. Geschäftsführer und Vorstand der christlichen Drogenarbeit „Neues Land“ (Hannover).
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