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Israel nicht als „Apartheidstaat“ verunglimpfen

01.09.2022

De Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg, Prof. Barbara Traub. Foto: WCC/Sean Hawkey
De Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg, Prof. Barbara Traub. Foto: WCC/Sean Hawkey

Karlsruhe (IDEA) – Die jüdische Gemeinschaft ist besorgt, dass Israel aus den Reihen der Mitgliedskirchen des Weltkirchenrats Israel als vermeintlicher „Apartheidstaat“ ausgegrenzt werden soll. Das sagte die Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg, Prof. Barbara Traub, am 31. August bei der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe.

Es erfülle die jüdische Gemeinschaft „mit Befremden und Sorge“, dass der ÖRK im Namen von mehr als einer halben Milliarde Christen seit Jahren das Kairos-Palästina-Dokument verbreite – „genau wie die von manchen aus Ihrem Umfeld geförderte BDS-Bewegung“.

Hintergrund: Im 2009 veröffentlichten „Kairos-Palästina-Dokument“ fordern palästinensische Christen, Israel militärisch, wirtschaftlich und finanziell zu boykottieren. Traub, die auch Präsidiumsmitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland ist, appellierte: „Fallen Sie nicht in alte antijüdische Muster zurück! In Fragen des Antijudaismus muss Haltung gezeigt werden und Ihr klares Nein auch Konsequenzen in Ihrem Handeln haben.“ Über den „Umweg der Israelkritik“ spüre sie als Jüdin „stärker und stärker Ausgrenzung statt Versöhnung“.

Sie erwarte deshalb, dass die ÖRK-Mitgliedskirchen von der Vollversammlung eine Botschaft des Friedens und der Versöhnung aussendeten, statt Vorbehalte gegen Israel und das jüdische Volk zu schüren. Israel sei „die einzige Demokratie und der einzige Rechtsstaat im Nahen Osten“. Für Juden sei das Land zugleich „der zentrale religiöse und kulturelle Bezugspunkt, und viele haben enge familiäre Verbindungen nach Israel“.

Kretschmann: Prägekraft des Christentums nimmt ab

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) betonte in seinem Grußwort an die Vollversammlung die „große, positive Prägekraft“ des Christentums in Deutschland. Diese Prägekraft nehme jedoch ab. Den Kirchen in Deutschland machten heute „Glaubensschwund und Vertrauensverlust, demografische Entwicklung und Austritte zu schaffen“.

Kretschmann rief in diesem Zusammenhang zu weiterer ökumenischer Zusammenarbeit auf. „Wenn die Kirchen weiterhin positiv Einfluss auf das gesellschaftliche Zusammenleben nehmen wollen, geht das meiner Ansicht nach nur im ökumenischen Miteinander – weil eine einzige Kirche zu klein ist und weil jede Kirche etwas einzubringen hat, was die anderen bereichern kann – die Katholiken ihre universale Einheit, die Protestanten die Freiheit des Christenmenschen und die Orthodoxen ihre tiefe Spiritualität und die Freikirchen ihre starken Gemeinschaften.“

Die Vollversammlung mit mehr als 4.000 Teilnehmern aus rund 120 Ländern dauert noch bis zum 8. September. Im Weltkirchenrat sind 352 anglikanische, orthodoxe und protestantische Kirchen mit über 580 Millionen Mitgliedern zusammengeschlossen.

Lesen Sie hier weitere Meldung zur 11. Vollversammlung:

Sauca: Der ÖRK ist nicht antisemitisch

Steinmeier: Russisch-Orthodoxe Kirche auf dem Irrweg

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