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Menschenrechte

Irak: Patriarch Sako verlegt aus Protest seinen Sitz

19.07.2023

Der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael Sako. Foto: Picture Alliance/Khalid Mohammed
Der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael Sako. Foto: Picture Alliance/Khalid Mohammed

Bagdad/Göttingen/Jerusalem (IDEA) – Der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael Sako will seinen Sitz von Bagdad nach Irakisch-Kurdistan verlegen. Das kündigte er auf der Internetseite des chaldäischen Patriarchats an. Der höchste Würdenträger der Christenheit im Irak protestiert mit diesem Schritt gegen die aktuelle Einmischung der irakischen Zentralregierung in kirchliche Angelegenheiten.

Zum Hintergrund: Die Verlegung des Amtssitzes ist die Zuspitzung eines sich verschärfenden Konflikts zwischen Sako und dem irakischen Präsidenten Abdu Latif Raschid. Dieser hatte am 3. Juli ein von seinem Amtsvorgänger Jalal Talabani erlassenes Sonderdekret von 2013 aufgehoben. Es hatte Sako weitreichende Befugnisse in chaldäischen Stiftungsangelegenheiten eingeräumt und ihn offiziell als Oberhaupt der chaldäischen Kirche bezeichnet. Im Zuge des Konflikts vernahm die Polizei den Kardinal am 14. Juli, weil ihm vorgeworfen wird, Kirchenbesitz unrechtmäßig veräußert zu haben.

Menschenrechtler: Einmischung in innerchristliche Angelegenheiten

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) kritisiert das Vorgehen der irakischen Regierung. Sie versuche, die chaldäisch-katholische Kirche zugunsten christlicher Milizen zu enteignen. Diese wurden 2014 zur Bekämpfung des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) gegründet und stehen unter Kontrolle der Regierung in Bagdad.

Dazu erklärte der Nahost-Experte der Menschenrechtsorganisation, Kamal Sido: „Die Zentralregierung instrumentalisiert diese Milizen, um die seit Jahrhunderten bewährten Strukturen der chaldäischen Kirche zu brechen. Diese Einmischung in innerchristliche Angelegenheiten geschieht ohne Rückhalt der christlichen Gemeinde im Irak und wird Konflikte stiften.“

Die Behauptung der Regierung, sie wolle mit dem Schritt Staat und Religion trennen, sei nicht mehr als ein Vorwand, so Sido. Tatsächlich seien Teile der Regierung eng mit schiitischen Klerikern aus dem Iran verbandelt und andere mit sunnitischen Machthabern in der Türkei. Sie rängen um die Macht im Irak. „Solche Stellvertreterkriege zwischen konkurrierenden islamistischen Regimen toben auch im Jemen und im Sudan. Sowohl schiitische als auch sunnitische Islamisten wollen überall im Nahen Osten das Scharia-Recht einführen.“ Dadurch drohe tödliche Gefahr für alle religiösen Minderheiten, warnt der muslimische Menschenrechtler.

Solidaritätsbekundungen und Demonstrationen

Zahlreiche christliche Vertreter im Nahen Osten zeigten sich besorgt über die aktuellen Entwicklungen im Irak. So erklärte der Lateinische Patriarch von Jerusalem und designierte Kardinal Pierbattista Pizzaballa in einem Schreiben an seinen Amtskollegen Sako vom 18. Juli: „In Jerusalem sind wir zunehmend bestürzt über diese Ereignisse, bei denen Du im Mittelpunkt eines beispiellosen Angriffs stehst, den wir für ungerechtfertigt und nicht hinnehmbar halten.“

Auch der koptisch-katholische Patriarch Ibrahim Isaac Sidrak und weitere Vertreter anderer Kirchen sprachen Sako ihre Solidarität aus. Bei Demonstrationen in Ankawa bei Erbil in der Autonomen Region Kurdistan und in Karamles in der Ninive-Ebene forderten die dortigen Christen Gerechtigkeit für den Kardinal.

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