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Menschenrechte

Indien: „Gefangener des Monats Dezember 2020“ gestorben

05.07.2021

Der Jesuitenpater Stan Swamy. Screenshot: Youtube
Der Jesuitenpater Stan Swamy. Screenshot: Youtube

Mumbai (IDEA) – Der inhaftierte indische Jesuitenpater Stan Swamy (84) ist am 5. Juli in einem Krankenhaus in Mumbai gestorben. Er war zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden und wurde künstlich beatmet. Das berichtet die asiatische katholische Nachrichtenagentur UCA News. Swamy war von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA im Dezember 2020 zum „Gefangenen des Monats“ benannt worden.

Vorwurf: Er soll Terroristen unterstützt haben

Zum Hintergrund: Der Pater war am 8. Oktober 2020 festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, maoistische Terroristen unterstützt zu haben, was er bestritt. Er hatte sich für die Rechte der Armen eingesetzt, besonders für Indigene und sogenannte „Unberührbare“, die Dalits, im nordöstlichen Bundesstaat Jharkhand. Im März hatte das zuständige Gericht eine Freilassung abgelehnt.

Nachdem sich sein Gesundheitszustand drastisch verschlechtert hatte, kam er am 28. Mai auf gerichtliche Anordnung in ein katholisch geführtes Krankenhaus in Mumbai. Nach Angaben von UCA News war er zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage, eigenständig zu essen und zu trinken. Einen Tag später wurde er positiv auf Corona getestet. Er litt auch an Parkinson.

Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes hatte der Oberste Gerichtshof am 3. Juli einen Antrag von Swamys Anwalt, den Geistlichen gegen Zahlung einer Kaution freizulassen, auf den 6. Juli vertagt.

Christen in Indien haben starken Glaubenszeugen verloren

Vertreter von Hilfswerken und Menschenrechtler zeigten sich bestürzt über den Tod von Swamy. Der Präsident des katholischen Hilfswerks missio Aachen, Dirk Bingener, sagte: „Verantwortlich für seinen Tod ist staatliche Willkür." Mit dem Pater verlören die Christen in Indien „einen starken Glaubenszeugen“. Gemeinsam mit anderen Organisationen hatte missio eine Petition gegen die Inhaftierung von Swamy gestartet. Die Anhörungen des Jesuiten seien trotz internationaler Proteste immer wieder verzögert worden.

Die UN-Sonderberichterstatterin für die Verteidigung von Menschenrechten, Prof. Mary Lawlor (Dublin), bezeichnete die Nachricht vom Tod Swamys als „verheerend“. Verteidiger der Menschenrechte zu inhaftieren, sei „unentschuldbar", schrieb Lawlor via Twitter.

Der indische Jesuit und Menschenrechtsaktivist Cedric Parkash (Ahmedabad/Westindien) nannte Swamy in einem Nachruf in den Sozialen Medien einen „Märtyrer für Gerechtigkeit und Frieden“. Er äußerte zugleich die Hoffnung, dass sich nun weitere Mitstreiter gegen das Unrecht erheben.

80 Prozent der etwa 1,3 Milliarden Einwohner Indiens sind Hindus, 14 Prozent Muslime und mindestens drei Prozent Christen.

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