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Porträt

„Ich kann jetzt vielen Menschen helfen“

19.12.2025

Lucas Welsch ist auf dem linken Auge blind. Foto: Sebastian Krischker
Lucas Welsch ist auf dem linken Auge blind. Foto: Sebastian Krischker

Eine Feuerwerksrakete an Silvester zerstörte sein linkes Auge. Auf TikTok lässt Lucas Welsch (21) Millionen an seiner Genesung teilhaben – mit ungeahnten Folgen. Ein Porträt von IDEA-Redakteurin Erika Weiss

Dezember 2022: Seit Tagen blättert Lucas Welsch die Prospekte der Supermärkte durch. Welche Feuerwerksknallerei soll er dieses Jahr kaufen? Schon als Kind faszinierten ihn die farbenfrohen Explosionen. Silvester bedeutete für ihn: von 23 Uhr bis zum Morgengrauen draußen sein und zünden. Mehrmals am Tag klappert er Geschäfte ab und kauft von seinem Ersparten tütenweise Böller und Raketen.

In der Silvesternacht steht er um elf mit Freunden auf der Straße. „Ich wollte die ersten Kinderfeuerwerkssachen wegzünden, damit ich um Mitternacht richtig loslegen konnte.“ Doch dazu kommt es nicht. Ein Bekannter zündet eine Feuerwerksrakete – ein Geschoss fliegt direkt in Welschs linkes Auge.

Der damals 18-Jährige wirft sich zu Boden, schreit, greift reflexartig nach der 3.000 Grad heißen Magnesiumkugel und zieht sie heraus. „Ich habe im Auge selbst keinen Schmerz gespürt; ich war voller Adrenalin. Nur meine Finger haben gebrannt“, erinnert er sich.

„Ich kann vielen Menschen helfen“

Kurz darauf liegt er in der Notaufnahme. Die Ärzte müssen ihn operieren. Vor dem Eingriff filmt Welsch noch ein kurzes Video für Familie und Freunde. Weil viele von ihnen auf der Plattform TikTok aktiv sind, lädt er es dort hoch. Über Nacht hat es drei Millionen Klicks. Von da an nimmt er seine Zuschauer mit auf seine medizinische und persönliche Reise. Zwei Wochen verbringt er im Krankenhaus. In der Zeit geht es ihm nicht nur körperlich schlecht.

„Ich wollte nur allein sein“, sagt der heute 21-Jährige. Die Sorge, ob er jemals wieder sehen kann, setzt ihm zu. Seit seiner Teenagerzeit besucht er mit seiner Schwester die evangelische Freikirche „Elim“ in Hannover. Die Gemeinde betet für ihn.

Doch Welsch kämpft: „Ich war sauer auf Gott, dass er das zugelassen hatte.“ Noch im Krankenhaus bekommt er Nachrichten auf Instagram und TikTok. Einige Menschen gestehen ihm, dass sie Suizidgedanken hatten – bis sie ein Video von ihm sahen und entschieden, nicht aufzugeben. „Da habe ich gedacht, dass Gott sich vielleicht etwas bei dem Unfall gedacht hat. Ich kann jetzt vielen Menschen helfen.“

Wünsche in den Himmel

Bis heute wurde Welsch 30-mal operiert. Auf dem linken Auge ist er blind. Täglich hat er Schmerzen und braucht Augentropfen. „Es fühlt sich an, als würde jemand mit einer Nadel im Auge stochern.“ Doch er ist dankbar: „Zum Glück war es nicht das rechte Auge. Das kann beide Gehirnhälften übernehmen – das linke nicht.“

Er darf weiter Auto fahren. Seine Ausbildung als Kfz-Mechaniker hat er trotz allem abgeschlossen. Aktuell macht er in Salzgitter seinen „Bachelor of Engineering“. Seine Liebe zu Feuerwerk hat ihm der Unfall nicht genommen. Auch dieses Jahr wird er Raketen kaufen. Eine bekommt einen kleinen Zettel mit Wünschen: Er wird auch sie symbolisch in den Himmel schicken. Und er weiß: Gott kennt seine Wünsche sowieso schon.

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