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Humboldt-Uni: Abgesagter Geschlechter-Vortrag wird nachgeholt

05.07.2022

Studenten demonstrierten gegen den Vortrag der Biologin Vollbrecht vor dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität. Foto: Picture Alliance/Christophe Gateau
Studenten demonstrierten gegen den Vortrag der Biologin Vollbrecht vor dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität. Foto: Picture Alliance/Christophe Gateau

Berlin (IDEA) – Der von der Berliner Humboldt-Universität (HU) nach Protesten abgesagte Geschlechter-Vortrag einer Biologin wird nachgeholt – in Verbindung mit einer Diskussion über Wissenschaftsfreiheit. Das teilte der Pressesprecher der HU, Boris Nitzsche, mit.

Die Doktorandin an der HU, Marie-Luise Vollbrecht, hatte am 2. Juli im Rahmen der „Langen Nacht der Wissenschaften“ zum Thema sprechen wollen: „Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht: Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“. Dagegen gab es Proteste aus der Studentenschaft und Aufrufe zu einer Demonstration. Der „Arbeitskreis kritischer Jurist*innen“ warf Vollbrecht vor, queer- und genderfeindliche Thesen zu verbreiten.

Laut dem Unisprecher seien in der Folge auch „Gegenaktionen von Unterstützer:innen der Vortragenden“ angekündigt worden. „Wir mussten deshalb mit einer möglichen Eskalation rechnen, die die gesamte Nacht der Wissenschaften überschatten und gegebenenfalls massiv stören würde“, begründete der Sprecher die Absage. Sie stieß auf heftige Kritik, etwa von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). Sie sagte gegenüber „Bild“: „Es darf nicht in der Hand von Aktivisten liegen, welche Positionen gehört werden dürfen und welche nicht.“

Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen (Köln), kritisierte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die Universität der Wissenschaftsfreiheit damit einen Bärendienst erwiesen habe. „Sie hätte stattdessen Rückgrat beweisen sollen und alles daran setzen müssen, dass der Vortrag stattfinden kann.“ Nach Angaben der Universität soll der Vortrag nun im Rahmen einer Diskussionsrunde am 14. Juli stattfinden.

Kritik an „Indoktrinierung“ von Kindern

Vollbrecht und 120 weitere Wissenschaftler hatten im Juni einen Aufruf zum Thema Transsexualität publiziert. Der Titel lautete „Schluss mit der Falschberichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks!“. Darin werfen die Wissenschaftler den Sendern vor, einseitig und verzerrt über Transsexualität zu berichten. Selbst in der populären „Sendung mit der Maus“ würden Kinder „indoktriniert“. Vollbrecht war auch Mitautorin eines Kommentars für die „Welt“ vom 1. Juni, in dem diese Vorwürfe enthalten sind.

Wie der Unisprecher dazu erklärte, stehen ihre darin geäußerten Meinungen „nicht im Einklang mit dem Leitbild der HU und den von ihr vertretenen Werten“. Es gebe aber keine Argumente aus wissenschaftlicher Sicht gegen den Vortrag zu Fragen des biologischen Geschlechts, der zur Langen Nacht der Wissenschaften geplant gewesen sei.

Vollbrechts Vortrag ist inzwischen in einem Video auf YouTube abrufbar. Es verzeichnete bisher rund 80.000 Zugriffe (Stand 5. Juli). Gegenüber dem Rundfunk Berlin Brandenburg sagte Vollbrecht: „Es geht hier nur um Biologie. Es geht hier nicht um Politik oder Meinungen außerhalb der Uni.“

Lesen Sie dazu einen Kommentar von Prof. Ralf Bergmann.

 

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