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Gohl: Nicht verstummen, sondern Gott sein Leid klagen

01.08.2025

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Ernst-Wilhelm Gohl, beim Gedenkgottesdienst. Screenshot: SWR
Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Ernst-Wilhelm Gohl, beim Gedenkgottesdienst. Screenshot: SWR

Im Angesicht von Unglück nicht verstummen, sondern Gott sein Leid klagen. Dazu rief der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Ernst-Wilhelm Gohl, die Anwesenden beim ökumenischen Gedenkgottesdienst für die Opfer des Zugunglücks am 27. Juli auf. Die Veranstaltung fand am 1. August im Münster Unserer Lieben Frau in Zwiefalten (Landkreis Reutlingen) statt.

Die Klosterkirche ist nur rund fünf Kilometer von der Stelle entfernt, wo sich das Unglück ereignete. Dabei entgleiste ein Regionalexpress in der Nähe von Riedlingen. Drei Menschen starben, 36 wurden teils schwer verletzt – darunter zwei Kinder. Die Polizei und Staatsanwaltschaft gehen derzeit davon aus, dass ein Erdrutsch Ursache des Unfalls war.

In einer hoch technologisierten Welt sei man es nicht gewohnt, einem Unglück machtlos ausgeliefert zu sein, so Gohl. Auch er selbst habe keine Antwort auf die Frage, warum Gott das zugelassen habe. „Aber wenn wir jetzt angesichts dieses Unglücks verstummen würden, dann hätte dieser sinnlose Tod ein für alle Mal gewonnen. Der Tod will uns stumm machen.“

In seiner Predigt verwies er auf die Bibelstelle in Jesaja 43, 1: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir.“ Auch Jesaja habe in diesem Vers Menschen angesprochen, die litten und keine Perspektive sahen. Insgesamt finde sich der Zuspruch „Fürchte dich nicht“ sehr häufig in der Bibel, so Gohl. Er bezeichnete das Wort Gottes in diesem Zusammenhang als „Manifest gegen die Angst“. „Ein Manifest gegen alles, was uns in Angst und Schrecken versetzen will und uns den Lebensmut raubt.“

Glaube sei kein Garant für Wohlbefinden, betonte er. Jedoch habe die Auferstehung Christi dem Tod und Leid die Macht genommen. Auch wenn es auf viele Fragen keine Antwort gebe, gelte Gottes Zusage „Du bist mein“ aus Jesaja 43 sowohl im Leben als auch im Tod.

Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Klaus Krämer, dankte allen beteiligten Rettungskräften. Gott sei nicht fern, wenn Menschen verzweifeln. Schmerz wolle ausgehalten werden, er lasse sich nicht einfach wegwischen. Umso trostreicher sei es, „wenn wir hier und heute unseren Schmerz teilen und ihn gemeinsam vor Gott tragen, im Hören der Texte, im Singen der Lieder, im gemeinsamen Gebet.“

Kretschmann: Tod hat nicht das letzte Wort

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) berichtete von seinem Besuch der Unglücksstelle und zeigte sich bewegt von dem Einsatz der Anwesenden. Neben hunderten Einsatzkräften hätten auch Bewohner des nahegelegenen Dorf Zell-Bechingen mit angepackt. Die Gesellschaft zeige sich in solchen Situationen als Gemeinschaft des tätigen Miteinanders – und dafür sei er dankbar.

Trotzdem stehe man macht- und wehrlos da. „Gut, wenn man Trost im Glauben oder in der Anteilnahme findet“, so Kretschmann. Auch für die Politik seien solche Unglücke nur schwer zu ertragen, hätten ihre Vertreter doch die Aufgabe, die Bevölkerung zu schützen. Nicht immer sei dies aber möglich. Kretschmann berichtete, dass er in solchen Momenten Kraft aus der Botschaft ziehe, dass Schmerz, Tod und Leid nicht das letzte Wort haben, sondern das Leben.

Verkehrsminister Schnieder: Mut wächst aus dem Glauben

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zeigte sich ebenfalls erschüttert über das Unglück. Auch er dankte den Rettungskräften und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Er wünsche ihnen Kraft zum Abschiednehmen. Den Verletzten wünschte Schnieder eine schnelle Genesung.

Er verwies auf den Mut der Rettungskräfte. Mut sei jedoch nicht nur, wenn Helfer ohne Zögern handeln, um Leben zu retten. „Mut ist auch, wenn sich Angehörige dem Unfassbaren stellen. Wenn sie weitermachen, obwohl die Welt für sie stillsteht“, betonte er. Dieser Mut wachse aus dem Glauben. „Als Gemeinschaft können wir ihn stärken und unterstützen – einfach da sein und zuhören.“ Gott begleite dabei, so Schnieder.

Neben Patrick Schnieder und Winfried Kretschmann nahmen auch der baden-württembergische Verkehrsminister, Winfried Hermann (Grüne), und der Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bahn, Richard Lutz, teil – ebenso Angehörige der Opfer und der beteiligten Rettungskräfte sowie Seelsorger.

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