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Interview

Gehring: Bischofswahl wirft schlechtes Licht auf den Zustand der Synode

28.03.2022

Christian Gehring ist kirchenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im baden-württembergischen Landtag. Foto: Büro Christian Gehring MdL
Christian Gehring ist kirchenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im baden-württembergischen Landtag. Foto: Büro Christian Gehring MdL

Nach vier gescheiterten Wahlgängen ist am 19. März der bereits ausgeschiedene Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl knapp zum Landesbischof der württembergischen Landeskirche gewählt worden. Dazu drei Fragen an Christian Gehring. Er ist kirchenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im baden-württembergischen Landtag.

IDEA:Was kritisieren Sie an dem Wahlverfahren?

Gehring: Den Wahlausgang selbst und auch das Wahlverfahren möchte ich gar nicht kritisieren. Aber ich denke, dass die Umstände der Wahl an sich nicht gut waren und hoffe, dass die Landessynode nun dazu kommen wird, das Wahlgeschehen aufzuarbeiten.

Ich bin allerdings sehr froh, dass wir am Ende einen neuen und sicherlich auch guten Landesbischof bekommen haben und nun nicht ohne Kirchenoberhaupt dastehen. Von der Kirche erwartet man eigentlich die Bereitschaft, aufeinander zugehen zu können. Daran hat es jedoch teilweise gefehlt. Im Vorfeld hatten sich drei Bewerber vorgestellt, die alle als wählbar und konsensfähig angesehen wurden, so wurde das zumindest nach innen und nach außen kommuniziert. Aber offensichtlich war dies eine Fehleinschätzung, der auch die Kandidatin und die beiden Kandidaten, die in mehreren Vorstellungsrunden Kontakt zu unterschiedlichen Gremien hatten, unterlagen.

Wenn wirklich ein grundsätzlicher Konsens bestanden hätte, hätte nach mehreren Wahlgängen der letzte verbliebene Kandidat – Gottfried Heinzmann – zum Landesbischof gewählt werden können, auch als Zeichen der Geschlossenheit nach einem vorherigen demokratischen Wettstreit. Das ist aber nicht geschehen und sorgte – ich habe auch mit Synodalen gesprochen – für Verletzungen und Beschädigungen, die aus meiner Sicht vermeidbar gewesen wären.

Wenn man als Gruppierung einen Kandidaten für nicht wählbar hält, was ich auch bei Herrn Heinzmann (wie auch den anderen Kandidierenden) nicht nachvollziehen kann, sollte man dies doch im Vorfeld besprechen und hebt sich das nicht für die Synode auf. Letzten Endes sind im fünften Wahlgang dann einige Synodale – gerade auch aus dem Gesprächskreis der „Lebendigen Gemeinde“, die ja verständlicherweise enttäuscht waren – gesprächsoffen gewesen und haben uns davor bewahrt, dass wir am Ende ohne Bischof dastehen. Und auch hier wurde die Hürde der Zweidrittelmehrheit nur knapp erreicht.

IDEA:Sollte das Bischofswahlverfahren geändert werden?

Gehring: Darüber muss die Landessynode entscheiden. Sicherlich ist eine Zweidrittelmehrheit eine extrem hohe Hürde. Ob man nach einer gewissen Anzahl an Wahlgängen die Hürde auf die absolute Mehrheit absenkt, könnte diskutiert werden.

Wichtiger ist aber, dass Blockadehaltungen vermieden werden können. Denken wir an die derzeitige Lage mit dem Krieg in der Ukraine, der Corona-Pandemie und den vielen Kirchenaustritten – eine Blockadehaltung hätte die Kirche in den nächsten Monaten lähmen können. Nun aber haben wir mit Ernst-Wilhelm Gohl einen fähigen und erfahrenen Landesbischof bekommen, der unsere Kirche in diesen schwierigen Zeiten sicher gut leiten wird. Erst vergangene Woche habe ich während der S-Bahn-Fahrt eine Predigt von ihm zur Ukraine im Internet angehört, die mich sehr begeistert hat.

IDEA:Welche Auswirkungen könnte das Ihrer Meinung nach für das Ansehen der Landeskirche und der evangelischen Kirche im Allgemeinen haben?

Gehring: Das Ansehen der Kirche hat durch die Umstände der Wahl sicher keinen großen Schaden genommen, denn leider wird die Arbeit der Kirche und der Landessynode außerhalb des Milieus der kirchlich gebundenen „Feinschmecker“ kaum wahrgenommen. Das ist in diesem Fall sogar gut, denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wir viele tolle Gemeinden vor Ort haben, die lebendig sind und mit tollen Angeboten für die Menschen da sind.

Die Kirche an der Basis ist aktuell gefragter denn je, der Krieg zeigt uns doch deutlich, dass wir immer wieder mit unseren Weisheiten schnell am Ende sind. Deshalb ist es wichtig, die Botschaft der Hoffnung zu vermitteln – und zwar mit einem klaren Christusbezug als Zentrum des kirchlichen Handelns. Die Kirche darf hier nicht beliebig werden, bei allen vielfältigen Aufgaben der Kirche ist dies die zentralste aller Aufgaben.

Der ehemalige Polizeibeamte Christian Gehring ist seit Mai 2021 Mitglied des Landtags und wohnt mit seiner Familie in Kernen im Remstal bei Schorndorf. Er ist Mitglied der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

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