Ressorts
icon-logo

Gesellschaft

Expertin: Gefahr von Zwangshochzeiten steigt in Sommerferien

12.07.2023

In den Sommerferien fahren Familien mit Migrationshintergrund vermehrt in ihre Heimatländer, in welchen dann Zwangsehen geschlossen werden. Symbolfoto: unsplash.com
In den Sommerferien fahren Familien mit Migrationshintergrund vermehrt in ihre Heimatländer, in welchen dann Zwangsehen geschlossen werden. Symbolfoto: unsplash.com

Berlin (IDEA) – In den Sommerferien steigt für junge Frauen aus streng patriarchalen Verhältnissen das Risiko von Zwangsehen. Darauf hat die Vorsitzende des Berliner Arbeitskreises gegen Zwangsverheiratung, Petra Koch-Knöbel, in einem Interview mit der linksalternativen „taz“ aufmerksam gemacht.

Auf Nachfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA erklärte sie: „Es wäre zu verkürzt zu sagen, dass Zwangsehen nur in muslimischen Familien stattfinden.“ Betroffen seien auch Frauen aus buddhistisch und hinduistisch geprägten Ländern. Die Opfer stammten auch aus osteuropäischen Staaten und Italien. Sie besäßen zum Teil die deutsche Staatsangehörigkeit. Koch-Knöbel: „Zwangsehen sind nicht unbedingt der Religion geschuldet.“

Der Arbeitskreis habe an alle Schulen und Freizeiteinrichtungen in Berlin ein Schreiben mit Informationsmaterial und Handlungsempfehlungen verschickt. Koch-Knöbel – im Hauptamt Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg – vermutet, dass als Folge der Coronazeit in den diesjährigen Sommerferien vermehrt Familien in ihre Heimatländer fahren werden. „Und wenn die von Zwangsheirat betroffene Schülerin erst mal in das Heimatland verbracht ist, haben wir ganz große Schwierigkeiten, sie zurückzuholen“, so Koch-Knöbel im taz-Interview.

Betroffen seien nicht nur junge Frauen, sondern auch jugendliche Männer. Aktuell werde ausgewertet, wie viele Personen im Jahr 2022 zur Eheschließung gezwungen wurden. Im Jahr 2017 wurden in der Hauptstadt 570 Fälle bekannt, was einer Steigerung von 24 Prozent im Vergleich zu 2013 entspricht (460 Fälle). Laut Koch-Knöbel ist allerdings von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Der Berliner Arbeitskreis gegen Zwangsverheiratung möchte Mädchen und Frauen, die von Zwangsverheiratung bedroht oder betroffen sind, sowie deren Kontaktpersonen informieren und ihnen Möglichkeiten der Hilfe aufzeigen. Zwangsverheiratung ist in Deutschland seit 2011 ein Straftatbestand, auf den bis zu fünf Jahre Haft stehen.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

IDEA liefert Ihnen aktuelle Informationen und Meinungen aus der christlichen Welt. Mit einer Spende unterstützen Sie unsere Redakteure und unabhängigen Journalismus. Vielen Dank. 

Jetzt spenden.

4 Wochen IDEA Digital 8,50 Euro 1,00 Euro

Entdecken auch Sie das digitale Abo mit Zugang zu allen Artikeln auf idea.de