Frei-/Kirchen
Erste Schule in Deutschland nach Margot Käßmann benannt
15.01.2026

Die berufsbildenden Schulen der Diakonie Rotenburg (Wümme) heißen ab sofort Margot-Käßmann-Schule. Das teilte das Evangelisch-lutherische Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg als eine von drei Trägereinrichtungen der Schule mit. Damit ist erstmals eine Schule nach der früheren hannoverschen Landesbischöfin und ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden benannt worden. Bei einem Festakt am 14. Januar enthüllte Käßmann gemeinsam mit zwei Schülervertreterinnen das neue Schild. Künftig wird sie das Schulleben als Schirmherrin begleiten – etwa durch Gottesdienste, Seminare und fachliche Impulse. In Gesprächen mit Schülern betonte sie die Bedeutung gesellschaftlichen Engagements im sozialen Bereich, das in aktuellen Debatten oft zu wenig Beachtung finde.
Käßmann hob hervor, dass Bildung nicht nur Wissensvermittlung sei, sondern Haltung, Werte und die Fähigkeit umfasse, dem Gegenüber Würde zuzusprechen. Entscheidend für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sei das „soziale Gewebe“, das Menschen im Alltag miteinander knüpften – nicht die Lautstärke öffentlicher Debatten.
In einer Videobotschaft gratulierte Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und dankte Käßmann für ihr Engagement. Ihr Einsatz solle andere ermutigen, in sozialen Fragen Verantwortung zu übernehmen.

Fast 600 Schüler in fünf Ausbildungsberufen
Laut der Mitteilung ging die Entscheidung für den neuen Namen auf einen intensiven Beratungs- und Abstimmungsprozess zurück, an dem auch Schüler und Lehrkräfte beteiligt waren. Gewürdigt wurde dabei insbesondere Käßmanns Fähigkeit, Entwicklungsprozesse und Diskurse anzustoßen sowie christliche Werte im Alltag zu vermitteln.
Die Schule war 2024 aus den berufsbildenden Schulen des Diakonissen-Mutterhauses, der Rotenburger Werke und des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg enstanden. Aktuell absolvieren dort fast 600 Schüler Ausbildungen in fünf Gesundheits- und Sozialberufen, darunter Pflegefachkräfte und Erzieher. Das Einzugsgebiet umfasst ganz Nordniedersachsen.
Prominente Protestantin
Käßmann gilt als die bekannteste und beliebteste Theologin des deutschen Protestantismus: 1999 wurde sie an die Spitze der größten EKD-Mitgliedskirche, der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, gewählt. Zehn Jahre später war sie die erste Frau im höchsten Amt der evangelischen Volkskirche.
Aber als EKD-Ratsvorsitzende amtierte sie nur 120 Tage – so kurz wie kein Vorgänger. Grund war eine Trunkenheitsfahrt (1,54 Promille) am 20. Februar 2010, bei der sie eine rote Ampel missachtet hatte. Die Theologin nannte ihr Verhalten einen „schlimmen Fehler“ und trat vier Tage später von ihren kirchlichen Ämtern zurück.
Evangelikale stoßen sich unter anderem daran, dass Käßmann die Jungfrauengeburt infrage stellt. 2013 sagte sie dazu in einem „Spiegel“-Interview: „Da bin ich ganz Theologin des 21. Jahrhunderts. Ich glaube, dass Maria eine junge Frau war, die Gott vollkommen vertraut hat. Aber dass sie im medizinischen Sinn Jungfrau war, glaube ich nicht.“ Die Theologin ließ sich 2007 von ihrem Mann, dem Pastor Eckhard Käßmann, scheiden, mit dem sie vier Töchter hat.
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