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Gesellschaft

Erdbeben in türkisch-syrischer Grenzregion: Baptisten berichten

10.02.2023

In Aleppo, Syrien: Ein schlafender Junge nach dem Erdbeben. Foto: Gustav-Adolf-Werk
In Aleppo, Syrien: Ein schlafender Junge nach dem Erdbeben. Foto: Gustav-Adolf-Werk

Antakya/Adana/Aleppo/Latakia (IDEA) – Auch drei Tage nach den schweren Erdbeben in der türkisch-syrischen Grenzregion werden weiterhin Leichen geborgen. Die Zahl der offiziell registrierten Toten in beiden Ländern ist nach Medienberichten inzwischen auf 19.000 gestiegen.

Die sieben Gemeinden des türkischen Baptistenbundes mit ihren 360 Mitgliedern sind weitgehend verschont worden, teilte dessen Präsident, Ertan Cevik (Izmir), der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA mit. „Den Mitgliedern geht es gut“, soweit er das habe in Erfahrung bringen können. Er dankte für die Nothilfe des deutschen Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und des Baptistenbundes aus Ungarn. Dessen Hilfswerk „Hungarian Baptist Aid“ hat ein Such- und Rettungsteam mit 19 Mitarbeitern und sieben Hunden in die Stadt Antakya, dem historischen Antiochia, entsandt, um nach Überlebenden zu suchen.

In der Stadt gibt es eine kleine baptistische Hausgemeinde, deren Mitglieder sich darum kümmerten, dass die Menschen Wasser und Lebensmittel erhielten, so Cevik. Unklar sei die Lage derzeit in Adana, wo der Generalsekretär des Bundes, Pastor Sukru Boyacioglu, lebt. Zwei Häuser neben seiner Wohnung seien komplett eingestürzt. Er wisse nicht, ob das angemietete Gebäude, in dem die Gemeinde ihre Gottesdienste feiert, beschädigt wurde, so Cevik.

Aus Angst vor weiteren Beben lebten viele Menschen derzeit in Autos und Parks. Der Baptistenpastor von Istanbul, Abdullah Erguven, ist in seine Heimatstadt Kahramanmaraş gefahren und versorgt die campierenden Überlebenden mit Kohle, damit sie sie sich wärmen können. Viele hätten Angst, ihre beschädigten Häuser zu betreten. Sorge bereitet ihm zudem die Gesundheit der Kinder: „Es besteht die Gefahr, dass sie Lungenentzündungen bekommen.“

Der BEFG teilte mit, dass er die Partnerbünde in der Türkei und in Syrien über seinen Katastrophenfonds finanziell unterstütze. Auch der Baptistische Weltbund mit Sitz in Falls Church (US-Bundesstaat Virginia) hat zu Gebeten und Spenden aufgerufen.

Evangelische Christen helfen in Aleppo

Das Gustav-Adolf-Werk (Leipzig) berichtet, dass seine beiden Partnerkirchen in Syrien, die Evangelische Kirche in Syrien und Libanon und die Evangelisch-Armenische Kirche, in der Großstadt Aleppo helfen. Beide haben bereits Lebensmittel und Decken zur Verfügung gestellt. Außerdem fanden Menschen, die vor dem Erdbeben auf die Straße geflüchtet waren, Unterkunft in Räumen der Kirchen.

Der Generalsekretär der Evangelischen Kirche in Syrien und im Libanon, Joseph Kassab (Beirut), erklärte, dass das evangelische „Aleppo College“ seine Türen geöffnet habe. „Das Schulgebäude ist ein sicherer Ort.“ Mehrere Hundert Menschen hätten dort Zuflucht gefunden. „Die Kirche sorgt für Lebensmittel und Wärme.“ Dasselbe gelte für die Stadt Latakia und weitere Orte in Syrien, wo die Gemeinden Menschen aufnähmen. Für sie würden Matratzen und Decken benötigt sowie Dieselöl zur Strom- und Wärmeerzeugung. „Es ist sehr kalt.“

Auch der armenisch-evangelische Pfarrer Haroutune Selimian betreut Schutzsuchende in Aleppo. Er schildert, dass sie „furchtbare Angst“ haben. „Ihre Häuser sind zusammengebrochen, sie haben kein Zuhause mehr und wissen nicht wohin“, so der Geistliche, der vor Ort Hilfe anbietet und die Menschen seelsorgerlich begleitet. Er ruft die Partner seiner Kirche auf, „uns eine helfende Hand auszustrecken, damit wir den Menschen in Syrien helfen können“. „Mit Gottes Hilfe wird es uns gelingen, auch diese schreckliche Katastrophe zu überstehen.“

Schutzsuchende in einer Kirche in Aleppo, Syrien. Foto: Gustav-Adolf-Werk

Latakia: Caritas-Mitarbeiter von Trümmern erschlagen

Der (katholische) Deutsche Caritasverband beteiligt sich ebenfalls an den Hilfsaktionen und hat innerhalb von kurzer Zeit eine Million Euro von verschiedenen Organisationen und privaten Spendern erhalten. „Die Solidarität mit den Opfern dieser Katastrophe ist überwältigend“, wie der Leiter von Caritas international, dem Katastrophenhilfswerk des Verbandes, Oliver Müller (Freiburg im Breisgau), betonte.

Die Caritas arbeitet dabei mit sechs Partnern in der Türkei und Syrien zusammen. Erste Verteilungen von Hilfsgütern sind angelaufen. Der Einsatz der Mitarbeiter ist jedoch mit Gefahren verbunden, so Müller: „Caritas-Büros sind teilweise zerstört oder können nicht betreten werden. Im syrischen Latakia sind vier unserer ehrenamtlichen Ärzte von den Trümmern einstürzender Gebäude erschlagen worden.“

Syrisch-Orthodoxe in Deutschland: Notleidenden beistehen

Der Erzbischof der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien in Deutschland, Mor Philoxenus Mattias Nayis (Warburg), und der Diözesanrat seiner Kirche rufen deren Mitglieder zu Gebeten und Spenden für die Erdbebenopfer auf. „Es ist unsere christliche Fürsorgepflicht, hilfsbereit den Notleidenden beizustehen, indem wir sie mit allem möglichen Mittel unterstützen. Zeigen wir uns solidarisch gegenüber unseren Mitmenschen, die ihr Hab und Gut verloren haben, indem wir für sie beten und entsprechend unserer Möglichkeiten Taten der Barmherzigkeit vollbringen. Seien wir also ein Licht, das den Bedrückten und Notleidenden Hoffnung zu spenden vermag“, so der Erzbischof.

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