Porträt
Eine starke Stimme
28.11.2025

Schmerzlich musste Johanna Durairaj (48) ihren Wunsch, als Opernsängerin auf der Bühne zu stehen, aufgeben. Doch Gott rief sie stattdessen als Stimme für ungeborene Kinder nach Indien. Ein Porträt von IDEA-Redakteur Menno van Riesen
Es war dieses Schweigen. Die schiere Sprachlosigkeit, die Johanna Durairaj nach ihrer Ankunft in Indien schockierte: „Abtreibung ist ein Tabuthema innerhalb einer enormen Schamkultur.“ Von 16,6 Millionen Abtreibungen pro Jahr berichtet die medizinische Fachzeitschrift „Lancet Medical Journal“.
Das Leben in dem bevölkerungsreichsten Land der Welt sei so wenig wert, sagt die 48-Jährige: „Gerade als Frau bist du meist niemand.“ Zu den abgetriebenen Föten kommen viele Infantizide, also die Tötung von Neugeborenen. Häufig sind es Mädchen.
Nach Indien kam Durairaj 2006 für eine Jüngerschaftsschulung von „Jugend mit einer Mission“. Dort traf sie auch ihren späteren Ehemann Simon, der das „Youth With A Mission“-Zentrum in der Millionenstadt Mumbai leitete. Nach der baldigen Heirat sei sie allerdings oft in Tränen aufgelöst gewesen, „weil ich in der Zeitung von Babys las, die von Straßenhunden gefunden wurden“. Oder sie erfuhr von schlecht behandelten Schwangeren. Gemeinsam mit ihrem Mann wollte sie helfen.
Mit der 2009 von ihnen gegründeten Lebensrechtsorganisation „Life for All“ folgten sie dem in Sprüche 31,8 formulierten Auftrag Gottes, „für die zu sprechen, die nicht sprechen können oder es nicht gelernt haben“.
Der Ruf in die Jüngerschaft
Eigentlich hatte Johanna Durairaj einen anderen Berufswunsch: Sie wollte als Opernsängerin durchstarten, hatte in Münster Gesangspädagogik studiert und in Detmold ein Aufbaustudium belegt. Doch dann versagten ihr bei einem Konzert die Stimmbänder. Alle ärztlichen Bemühungen blieben erfolglos: „In einem gewissen Bereich springt meine Stimme nicht mehr so an“, wie es für die Opernbühne notwendig sei. Wie sollte es für sie weitergehen?
„Da bin ich zurück auf den Schoß des Vaters geklettert“, erinnert sich Durairaj und meint ihre Rückkehr zum christlichen Glauben. Denn für einige Jahre habe sie sich ihren nichtgläubigen Freunden „angepasst“. Nun, beim neuen Blick in die Bibel sei ihr Jesaja 6,8 ins Auge und Herz gesprungen: „Wen soll ich senden? Wer ist bereit, unser Bote zu sein?“ Das Wort Gottes bahnte ihr den Weg in die Jüngerschaft.
An der Front im Kampf ums Leben
Heute klärt die fünffache Mutter in Indien mit „Life for All“ an Hochschulen oder in Gemeinden über die Entwicklung eines Kindes im Mutterleib auf, beleuchtet Abtreibungstechniken und die Folgen der Eingriffe. Zudem finden Schwangere im „Life for All’s Life Center“ in der südindischen Stadt Coimbatore ein Zuhause auf Zeit. Hebammen und eine Seelsorgerin kümmern sich um sie.
Auch das Ehepaar Durairaj ist vor Ort. Bis heute haben sie ein landesweites Netzwerk mit 20 Mitarbeitern aufgezogen und eine Hilfe-Hotline für Schwangere installiert. Johanna Durairaj sagt: „Wir sind an der Front im Kampf ums Leben!“ Ihr ist bewusst, wie wichtig Gott alle Kinder sind. „Er kennt sie schon im Mutterleib und weiß, was mit einer Abtreibung alles verloren geht.“
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