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Deutsche Christin in Kiew: „Wir haben keine Angst“

23.03.2022

Marie im Gespräch auf Instagram mit IDEA-Redakteur Thomas Richter. Screenshot: Instagram/mein.idea
Marie im Gespräch auf Instagram mit IDEA-Redakteur Thomas Richter. Screenshot: Instagram/mein.idea

Wetzlar/Kiew (IDEA) – Die 27-jährige Deutsche Marie (Nachname aus Sicherheitsgründen nicht genannt) lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann Japhin (28) aus Indien in einem Vorort von Kiew. Trotz der zunehmenden russischen Angriffe bleiben die beiden Christen in der ukrainischen Hauptstadt. Bis zum Kriegsausbruch haben sie die Bibelschule von „Youth With A Mission“ (YWAM/Jugend mit einer Mission) in Kiew geleitet.

In einem Live-Gespräch auf dem Instagram-Kanal der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar) – mein.idea – sagte die Missionarin, dass sie und ihr Mann keine Angst haben, in der Ukraine zu bleiben. „Wir haben keinen Keller, wir haben keinen Bunker. Wenn eine Bombe auf unser Haus fällt, dann war es das.“

Dennoch sei das für beide kein Grund, den „objektiv sichersten Ort“ aufzusuchen und in Angst zu leben. Stattdessen möchte das Paar hinausgehen und den Menschen in Kiew helfen. Das Team von YWAM kocht derzeit beispielsweise bis zu 1.000 Mahlzeiten täglich, um unter anderem Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen zu versorgen.

Sie seien keine außergewöhnlichen Menschen, erklärt Marie, aber sie hätten es in den letzten Jahren gelernt, Gott zu vertrauen. „Wir haben gesehen, wie Gott uns immer und immer wieder versorgt und die Hand über uns hält.“ Es liege in Gottes Hand, ob sie den nächsten Tag erleben und eines Tages eine Familie gründen dürften. „Wenn man nicht so sehr an seinen Luftschlössern im Leben festhängt, die man sich so erträumt, dann ist das Leben relativ einfach.“ Das Ehepaar will nicht auf die eigene, sondern auf Gottes Kraft vertrauen: „Wir leben für sein Königreich.“

„Gott möchte uns hier haben“

Laut Marie waren sie und ihr Mann noch eine Woche vor Kriegsbeginn in Amsterdam. Trotz der Gefahren, die in Kiew auf sie warteten, entschieden sie sich, wieder in das Land einzureisen. Für beide sei es nicht infrage gekommen, einfach die „Reißleine“ zu ziehen und zu fliehen.

Der erste Kriegstag sei „chaotisch“ gewesen, da sie von Bomben wach geworden seien. Viele Nachbarn und Freunde hätten die Flucht angetreten und versucht, das Ehepaar davon zu überzeugen, ebenfalls zu fliehen. „Aber es fühlte sich sehr falsch an“, erklärt die studierte Politikwissenschaftlerin. Zu fliehen würde dem widersprechen, was sie als Bibelschulleiter in den vergangenen Jahren gepredigt hätten: „Wenn du die Bibel lehrst, dann kannst du eben nicht sagen ‚Lebe ein komfortables Leben‘ oder ‚Gott wird euch segnen, und euch wird es immer gut gehen‘.“

Laut Marie steht in der Bibel, dass Leid und Verfolgung zu einem Leben als Christ dazugehörten. Dennoch könne sie auch Menschen verstehen, die flüchteten. Als Ehepaar sei ihnen aber klar: „Gott möchte uns hier haben.“

Weitere Informationen zur Arbeit der beiden Christen in Kiew findet man hier. Infos zur Arbeit von YWAM in der ukrainischen Hauptstadt sind erhältlich unter www.ywamkyiv.org. Das Gespräch kann weiterhin auf „mein.idea“ nachgehört werden.

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