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Debatte: Sollten sowjetische Ehrenmale entfernt werden?

14.09.2022

Der Metropolit Mark und die Pfarrerin Marion Gardei. Foto: kna.de; EKBO
Der Metropolit Mark und die Pfarrerin Marion Gardei. Foto: kna.de; EKBO

Wetzlar (IDEA) – Die Bundesrepublik Deutschland verpflichtete sich im Zwei-plus-vier-Vertrag zur Wiedervereinigung, sowjetische Kriegsdenkmäler zu ehren und zu pflegen. Doch seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine stehen diese Denkmäler zum Sieg der Sowjetunion gegen Nazideutschland vermehrt zur Debatte. Sollten sie entfernt werden? Dazu beziehen zwei Theologen in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar) Stellung.

Pro: Die Denkmäler verherrlichen das Böse

Der Leiter der zur Russisch-Orthodoxen Auslandskirche gehörenden Russischen Orthodoxen Diözese von Berlin und Deutschland, Metropolit Mark (München), hält die Beseitigung aller sowjetischen Ehrenmale für „genauso notwendig wie die längst erfolgte Beseitigung der Denkmäler des Hitler-Regimes“. Die Denkmäler verherrlichten ein Regime, das die Menschenrechte mit Füßen getreten habe. Die Ehrenmale behinderten „eine wahre Vergangenheitsbewältigung“. Mark schreibt: „Sie verherrlichen das Böse und seine Helfer.“

Er verstehe die Menschen, die meinten, dass Geschichte nicht vergessen werden dürfe. Gerade die derzeitigen Ereignisse in der Ukraine zeigten, wie gefährlich das sei. Gegen diese Vergessenheit schlägt Metropolit Mark ein zentrales Denkmal in Berlin vor. Man dürfe aber die Kraft des Bösen nicht unterschätzen. Das Böse beeinflusse und vergifte Menschen. „Das sollten wir von der heranwachsenden Generation fernhalten.“

Kontra: Geschichtliche Ereignisse dürfen nicht aus dem Gedächtnis verschwinden

Die Beauftragte für Erinnerungskultur der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Pfarrerin Marion Gardei (Berlin), hält dagegen. Denkmäler erinnerten an geschichtliche Ereignisse, damit diese nicht aus dem Gedächtnis entschwänden. Sie seien wertvolle Zeugnisse für die Zeit, in der sie entstanden. „Manch Spruch unkritischer Heldenverehrung auf Gedenktafeln für Soldaten klingt uns Heutigen fremd oder gar abstoßend. Trotzdem sollten wir die Denkmäler der Sowjets nicht entfernen, weil sie uns vielleicht angesichts des aktuellen Ukraine-Kriegs anstößig erscheinen.“ Denn es bleibe wahr, dass die Sowjets – zu denen auch Ukrainer gehörten – entscheidend zur Befreiung vom Naziterror und zum Ende des Zweiten Weltkriegs beigetragen hätten.

Im Zwei-plus-vier-Vertrag seien die sowjetischen Ehrenmale ein wichtiger Verhandlungspunkt gewesen. Der vertraglichen Verpflichtung von 1992, den Bestand der Denkmale dauerhaft zu gewährleisten, solle man nachkommen. „Der Angriffskrieg Hitlerdeutschlands hinterließ ein unbeschreibliches Maß an Verwüstung und 70 Millionen Tote, darunter viele ermordete jüdische Menschen und sowjetische Soldaten.“ Laut Gardei solle man daraus lernen, aktiv für den Frieden einzutreten. Gerade Christen sollten nicht aufgeben, zu glauben und dafür zu beten, dass Frieden möglich sei.

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