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Gesellschaft

Corona-Krise: Studie würdigt Rolle von Religionsgemeinschaften

27.05.2021

Ein Mann betet mit einer Maske in der Kirche. Symbolbild: unsplash.com
Ein Mann betet mit einer Maske in der Kirche. Symbolbild: unsplash.com

Stuttgart/Berlin (IDEA) – Religionsgemeinschaften spielen eine Schlüsselrolle in der erfolgreichen Bewältigung der Corona-Pandemie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Auslandsbeziehungen (Stuttgart/Berlin) in Zusammenarbeit mit den Universitäten in Leipzig und Münster.

Die Untersuchung, die die Situation in verschiedenen Ländern analysiert, trägt den Titel „Die Rolle von religiösen Akteuren in der COVID-19-Pandemie“. Wie das Institut dazu mitteilte, betätigen sich religiöse Gemeinschaften in der Krise unter anderem als zivilgesellschaftliche Partner von Regierungen und internationalen Organisationen. Sie leisteten darüber hinaus karitative sowie seelsorgerliche Hilfe.

Wie es in der Studie heißt, konnten Religionsgemeinschaften positive Botschaften verbreiten, Hoffnung, Trost und Halt geben sowie Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit stärken, schwierige Lebenssituationen ohne bleibende Schäden zu meistern: „Dadurch konnten sie positive Beiträge zur mentalen Gesundheit und psycho-sozialen Unterstützung der Menschen leisten.“ Dazu werden eine Reihe von Praxisbeispielen genannt, etwa von Juden, Christen, Muslimen und Buddhisten in verschiedenen Ländern.

Studie: Fundamentalisten in den Religionen sind das Problem

Ein Problem für die erfolgreiche Eindämmung des Virus blieben jedoch „in erster Linie die jeweils radikalen, fundamentalistischen Zweige verschiedener Religionen und Konfessionen, die sich wissenschaftlichen Erkenntnissen und Methoden oft grundsätzlich verschließen“. Diese Gruppen zeigten auch eine überdurchschnittliche Nähe zu Verschwörungstheorien.

Kritisch beleuchtet wird unter anderem die Rolle der Evangelikalen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. Dort sei auffällig, „dass es bevorzugt evangelikale Kirchen bzw. die insbesondere in Südamerika derzeit sehr schnell wachsenden Pfingstkirchen und charismatischen Bewegungen waren, deren Messen, Gottesdienste und Versammlungen in nicht wenigen Fällen zu Super-Spreader-Ereignissen mutierten“.

In diesen Gemeinden in Nord- und Südamerika werde auch eine Art der Frömmigkeit gepflegt, nach der Gott allein darüber bestimme, ob jemand erkranke oder nicht: „Eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber plausiblen Vorsichtsmaßnahmen scheint dadurch vorprogrammiert.“ Zugleich werde der „überwiegend als dekadent empfundenen säkularen Welt häufig nur wenig Vertrauen entgegengebracht, was eine gerade bei Evangelikalen nicht selten feststellbare Anfälligkeit für Verschwörungsmythen erklärt“.

Im Blick auf die islamische Welt heißt es etwa zu Pakistan, dass sich dort „religiöse Akteure“ über staatliche Richtlinien hinweggesetzt und Moscheen ohne Einhaltung sinnvoller Hygienekonzepte geöffnet hätten. „Ähnliche Herausforderungen“ zeigten sich, so die Studie, bei ultraorthodoxen Juden in Israel. Sie hätten sich gegen Einschränkungen von religiösen Ereignissen und Feierlichkeiten teilweise sogar gewaltsam gewehrt.

Was die Verfasser sagen

Einer der drei Verfasser der Studie, der Politikwissenschaftler Oliver Hidalgo (Münster), erklärte zu der Studie: „Wo die wirksame Einbindung religiöser Akteure im Kampf gegen das Virus misslungen ist, dort war zumeist ein besonders heftiger Verlauf der Corona-Krise zu beobachten.“ Der Soziologe Alexander Yendell (Universität Leipzig) äußerte: „Religionsgemeinschaften können dazu beitragen, das Leid für Opfer zu lindern.“ Sie könnten die Pandemie eindämmen, indem sie für das Virus sensibilisieren. Religiöse Gemeinschaften könnten die die Krise aber auch verschärfen, wenn „Konflikte durch die Verbreitung von religiös konnotierten Verschwörungstheorien entstehen“.

Die Politikwissenschaftlerin und Theologin Carolin Hillenbrand (Münster) sagte: „Menschen, die die Pandemie als Bestrafung Gottes für eine angeblich sündhafte, dekadente, meist progressive säkulare Gesellschaft sehen, neigen eher zu Verschwörungstheorien.“ Interessanterweise gehe die häufige Teilnahme an Gottesdiensten und ein aktives Engagement in Gemeinden mit einer geringeren Neigung zu Verschwörungstheorien einher. Das hänge vermutlich damit zusammen, dass diese Gläubigen häufiger auf Menschen mit anderem Status und anderen Wertvorstellungen träfen: „Wer mit anderen in Kontakt bleibt und sich austauscht, dessen Weltbild ist weniger dogmatisch.“

Das Institut für Auslandsbeziehungen engagiert sich nach eigenen Angaben weltweit für ein friedliches und bereicherndes Zusammenleben von Menschen und Kulturen. Es wird gefördert vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart.

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