Gesellschaft
Bundespräsident: „Wir Deutschen leiden, beten, flehen mit Euch“
22.10.2023

Berlin (IDEA) – Antisemitismus ist eine rote Linie. Deutschland darf „keinen rechten, keinen linken, keinen alten und keinen neuen“ Antisemitismus dulden. Das sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Berlin) bei der Kundgebung „Aufstehen gegen Terror, Hass und Antisemitismus – in Solidarität und Mitgefühl mit Israel“ am 22. Oktober vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
Dazu eingeladen hatten CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP und Linkspartei, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Arbeitgeberverband, der Zentralrat der Juden, die beiden großen Kirchen, die muslimische Organisation Alhambra sowie weitere Organisationen auf Initiative der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Nach Veranstalterangaben waren 25.000 Teilnehmer dem Aufruf gefolgt. Die Polizei sprach von 10.000 Teilnehmern.
Steinmeier zufolge hat sich der Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober auf Israel auf ewig in das Gedächtnis eingebrannt. Die Terroristen hätten Israel mit grenzenloser Brutalität überfallen, unschuldige Zivilisten ermordet, wehrlose Opfer grausam massakriert, Alte wie Kinder hingerichtet und mehr als 200 Menschen verschleppt.
Steinmeier: „Wir sagen unseren Freunden in Israel und allen Jüdinnen und Juden: Ihr seid nicht allein! Wir stehen in diesen furchtbaren Stunden an Eurer Seite. Euer Schmerz ist unser Schmerz.“ Steinmeier forderte die Geiselnehmer der Hamas dazu auf, die Barbarei zu beenden und die als Schutzschild missbrauchten Geiseln zu entlassen.
Den Familien der Betroffenen rief er zu: „Wir Deutschen leiden, wir beten, wie flehen mit Euch. Und wir wollen tun, was in unserer Macht steht, damit Ihre Angehörigen so schnell wie möglich freikommen.“
Der Bundespräsident bezeichnete jeden einzelnen Angriff auf Juden und auf jüdische Einrichtungen in Deutschland als eine „Schande“ für das Land, die ihn mit Scham und Zorn erfülle. Antisemitismus sei ein Seismograph dafür, wie es um die Demokratie steht. Der Schutz jüdischen Lebens sei Staatsaufgabe und Bürgerpflicht.
Israels Botschafter Prosor: Wir werden die Hamas besiegen
Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor (Berlin), kündigte den Sieg Israels über die Hamas an. Man werde alle ihre Tunnel und alle Raketen zerstören. Die Hamas dürfe nie wieder die Möglichkeit haben, Verbrechen zu begehen. Prosor: „Hamas wird den Gaza-Streifen am Ende des Krieges nicht mehr regieren.“
Ferner kritisierte er die Übergriffe auf Juden in Deutschland. Es sei nicht normal, dass Synagogen beschädigt, David-Sterne auf Häuser geschmiert und Parolen wie „Tod den Juden“ auf Straßen geschrien werden. Das dürfe nicht geduldet werden. Der gemeinsame Kampf gegen die Hamas sei nötig, um einen Flächenbrand zu verhindern. Prosor: „Sonst kommt der Terror aus dem Gazastreifen auch in Deutschland an.“ Die Hamas sei schlimmer als der „Islamische Staat“ (IS) und eine Gefahr für alle.
Kurschus: Antisemiten sind auch unter unseren Kirchenmitgliedern
Die EKD-Ratsvorsitzende, Präses Annette Kurschus (Bielefeld), bezeichnete Massenmord und Antisemitismus als Gotteslästerung. Für Judenhass gebe es keine Rechtfertigung.
Laut Kurschus kommt Antisemitismus aus der christlichen Geschichte und keime in der Mitte der Gesellschaft: „Antisemiten sind auch unter unseren Kirchenmitgliedern.“ Das habe man nicht ernst genug genommen und werde weiter dagegen arbeiten. Kurschus: „Wir sind solidarisch mit Israel. Wir sind solidarisch mit Euch, den Jüdinnen und Juden hier in Deutschland. Die evangelische Kirche steht an Eurer Seite.“
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