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Bischof Stefan Oster kritisiert BR-Dokumentation zu „hippen Missionaren“

21.12.2025

Der katholische Bischof von Passau, Stefan Oster. Foto: picture alliance/dpa | Armin Weigel
Der katholische Bischof von Passau, Stefan Oster. Foto: picture alliance/dpa | Armin Weigel

Der katholische Bischof von Passau, Stefan Oster, hat die jüngst ausgestrahlte Dokumentation „Die hippen Missionare – Mit Jesus gegen die Freiheit?“ des Bayerischen Rundfunks (BR) scharf kritisiert. In einer Stellungnahme bemängelt er, dass der Film eine einseitige Auffassung von Freiheit vermittele und christliche Initiativen wie das Gebetshaus Augsburg, die Gemeinschaft katholischer Hochschulstudenten/FOCUS und die Loretto-Bewegung skandalisiere.

Nach Osters Einschätzung verkenne die Sendung damit die eigentliche Botschaft des Evangeliums und stelle die katholische Glaubenspraxis verzerrt dar.

Jesus-Nachfolge führe in tiefere Freiheit

Oster betont, dass der Film von einer Freiheit ausgehe, die sich weitgehend am gesellschaftlichen Mainstream orientiere. Diese sei geprägt von Individualismus, während Gott als „Privatsache“ dabei sein dürfe. Das Evangelium Jesu Christi werde nur so lange akzeptiert, wie es sich dieser Vorstellung anpasse. Dabei gehe jedoch der Kern der christlichen Botschaft verloren. „Dass nämlich die Liebe Jesu darin besteht, dass er gekommen ist, ‚um zu retten, was verloren ist‘, dass er dafür leidet, stirbt und aufersteht – und zugleich diejenigen, die zu ihm gehören wollen, ebenfalls zur Kreuzesnachfolge auffordert, das passt nicht wirklich rein“, so Oster.

Er verweist auf die biblische Aufforderung zur Umkehr, Vergebung der Sünden und das Finden in ein neues Leben – Elemente, die eine tiefere Freiheit bedeuteten als bloßes „Laissez-faire“. Der Bischof hebt hervor, dass der Apostel Paulus von einer „neuen Freiheitserfahrung“ geprägt sei. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ (Galater 5,1) stehe für eine Freiheit, die in Liebe, Freude und Selbstbeherrschung münde, aber auch die Überwindung von Leidenschaften und Begierden voraussetze. Dieses Freiheitsverständnis sei mit dem Anspruch Jesu verbunden, dass nur er „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ sei (Johannes 14,6).

Viele Christen fühlten sich von solchem Journalismus nicht mehr angesprochen

Oster berichtet, dass er während der zweijährigen Recherche für den Film mehrfach mit dem Hauptautor gesprochen und ausführlich Auskunft gegeben habe, auch über das Thema Freiheit. Dennoch habe er den Eindruck, dass das Drehbuch bereits vorab festgestanden habe. „Im Grunde nichts von dem, worüber wir gesprochen haben, ist in dem Film vorgekommen, dafür aber ein Versuch, die Initiative FOCUS zu skandalisieren“, so Oster.

Er kritisiert, dass die Sendung nicht auf Fragen nach der Erneuerung der Kirche oder den Umgang mit geistlichem Missbrauch eingehe, sondern auf „katholische Reizthemen“ fokussiere. Der Bischof bemängelt, dass christliche Bewegungen in der Sendung als besonders konservativ oder gar gefährlich dargestellt würden. Dabei gelinge es diesen Initiativen, viele, Menschen in eine tiefere Freiheit zu führen. Dass diese Entschiedenheit andere irritiere, sei immer Teil des Evangeliums gewesen. „Am Ende fragt man sich, ist das Ergebnis nach einer zweijährigen (!) Recherche des gebührenfinanzierten Qualitätsjournalismus tatsächlich dieses: Dass nämlich die Loretto-Bewegung und FOCUS auf ihre jugendliche Art einfach nur katholisch sind und sich eben auf Heilige Schrift, Lehramt und Tradition beziehen?“, schreibt Oster.

Oster verweist darauf, dass die Darstellung im Film in Teilen der christlichen Szene zu einer „Jetzt-erst-recht-Reaktion“ geführt habe. Johannes Hartl, Leiter des Gebetshauses Augsburg, habe berichtet, dass nach der Ausstrahlung die Anmeldezahlen zur MEHR-Konferenz deutlich gestiegen seien. Der Bischof sieht darin ein Zeichen, dass Menschen auf der Suche nach einer tieferen Freiheit seien, „als sich die Autoren offenbar selbst vorstellen können“.

Abschließend äußert Oster Verständnis dafür, dass sich viele Christen von einer solchen Berichterstattung nicht mehr angesprochen fühlten. Er sieht im Umgang des Films mit christlichen Bewegungen ein Beispiel für „generalverdächtigenden Journalismus“, der eher zur Abgrenzung führe als zum Dialog.

Der Beitrag „Die hippen Missionare – mit Jesus gegen die Freiheit?“ ist in der ARD-Mediathek abrufbar

Lesen Sie auch den Kommentar von David Wengenroth zur ARD-Doku „Die hippen Missionare – Mit Jesus gegen die Freiheit?“

Lesen Sie auch die Reaktion des Gebetshauses Augsburg auf die ARD-Dokumentation

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