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Bischof Stäblein wirbt um Verständnis für „Letzte Generation“

11.11.2022

Bischof Christian Stäblein. Foto: IDEA/M. Pletz
Bischof Christian Stäblein. Foto: IDEA/M. Pletz

Berlin (IDEA) – Um Verständnis für die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ hat Bischof Christian Stäblein (Berlin) geworben. Er sprach auf der Herbstsynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) am 11. November in Berlin.

Die „Letzte Generation“ versucht mit Straßenblockaden, Hungerstreiks sowie Attacken auf Kunstgemälde stärkere Maßnahmen für den Klimaschutz zu erzwingen. Stäblein erklärte, er unterstütze das Anliegen der Aktivisten, die Klimakatastrophe abzuwehren. Artensterben, Überschwemmungen, Dürre und Hunger nähmen zu. Es müsse jetzt gehandelt werden. Allerdings wolle er die Methoden der Aktivisten nicht rechtfertigen. Diese sorgten mit „ziemlich verstörenden Formen“ für Aufmerksamkeit. Sie seien klug genug, um zu wissen, „dass diese Form des Protests aus ihrer Sicht zwar legitim, aber nicht legal ist“.

Es komme jetzt darauf an, die Aktivisten nicht auszugrenzen, sondern das Gespräch mit ihnen zu suchen. Die Kirche biete den Raum für Austausch. Er habe sich mehrfach mit Vertretern der „Letzten Generation“ getroffen. Er habe verstanden, dass diese zutiefst davon bewegt sind, die letzten Möglichkeiten im Kampf gegen die Klimakatastrophe zu nutzen. Sie litten darunter, dass es bisher kaum Fortschritte gebe: „Es sind Menschen, die sich mit dem ständigem Vertagen, mit den leeren Versprechungen und mit dem Verschieben ins Irgendwann nicht abfinden wollen.“ Ihnen liege nichts ferner, als Menschen zu gefährden. Weil es ihnen um Rettung gehe, gehöre die Rettungsgasse immer zu ihrem Tun.

Stäblein: „Es sind keine Spinner, es sind keine Chaoten, es könnten meine, Ihre Kinder sein.“

Für Waffenlieferungen an die Ukraine

Ferner äußerte sich Stäblein zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Zur christlichen Überzeugung gehöre Gewaltlosigkeit. Ebenso zähle das Standhalten und Eindämmen des Bösen zum praktischen Gebrauch der Gebote. Es diene der Abwehr und Eindämmung des Unrechts.

Stäblein: „In der Welt braucht es hierfür auch den Einsatz von Gewalt, leider.“ Dazu gehörten auch Waffenlieferungen an die Ukraine. Russlands Präsident Wladimir Putin habe fälschlicherweise darauf gesetzt, dass es diese Form der Solidarität mit der Ukraine nicht geben werde.

EKBO ist „Kirche voller missionarischer Aufbruchsprojekte“

Die Mitgliederzahl der EKBO sank 2021 um 3,1 Prozent auf 862.581. 14.700 Austritten standen knapp 3.000 Taufen gegenüber. Wer den statistischen Bericht lese, müsse beunruhigt sein, so Stäblein. Die Verluste seien kein Zustand, an den man sich gewöhnen sollte. Allerdings dürfe man nicht auf abnehmende Zahlen starren. Man dürfe sie „nicht schönreden, aber auch nicht kleinrechnen“. Nötig sei ein Umbau der Kirche von einer „Organisation zum fluiden Netzwerk“.

Die EKBO sei „eine Kirche voller missionarischer Aufbruchsprojekte“. Auf der Tagung wurde Konsistorialpräsident Jörg Antoine verabschiedet. Der Jurist und Diplom-Betriebswirt hatte das Amt seit 2015 inne. Er wechselt im Januar „auf eigenen Wunsch und im Einvernehmen mit der Kirchenleitung“ zur Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er wird dort kommissarisch das Dezernat für Finanzmanagement und Informationstechnologie leiten. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

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