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Menschenrechte

Bibel entschuldigt böses Handeln nicht mit schlechter Kindheit

29.04.2026

Die Psychotherapeutin Tabea Freitag. Foto: Demo für Alle
Die Psychotherapeutin Tabea Freitag. Foto: Demo für Alle

Sexuelle Ausbeutung bis hin zu Formen der Sklaverei oder digitaler Zuhälterei finden zunehmend auch in „ganz normalen“ Partnerschaften, Familien und Dörfern statt. Darauf hat die Psychotherapeutin Tabea Freitag (Hannover) aufmerksam gemacht. Sie sprach am 28. April beim Kongress „Freiheit 2026 – Gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung“ im Christlichen Gästezentrum „Schönblick“ in Schwäbisch Gmünd. An der vom 26. bis 29. April stattfindenden Veranstaltung nehmen mehr als 400 Besucher teil.

Freitag, die seit 30 Jahren als Psychotherapeutin tätig ist, beobachtet eine Zunahme von Kontrolle, Machtausübung, Isolation und Gewalt in Beziehungen. Die Erklärungsmuster der Gesellschaft seien jedoch hilflos: „Zukunftsängste Jugendlicher erklären nicht die Zunahme brutaler Gewalt. Wenn wir keine Diagnose und keine Erklärung haben, haben wir auch keine Behandlung.“

Drei Reaktionen auf das Böse

Die Psychotherapeutin beschrieb drei typische Reaktionen auf das Böse: Erstens diene es als Unterhaltung in Thrillern und Computerspielen. Zweitens werde es weit weggeschoben – auf „die da oben“ wie Jeffrey Epstein oder „damals“ wie Hitler und Stalin. Wenn es doch „näher an uns“ herankommt, wird es drittens laut Freitag oft entschuldigt und relativiert, etwa mit Verweis auf eine vermutlich schwere Kindheit oder ein Trauma der Täter.

„Es kommt übrigens kein einziges Mal in der Bibel vor, dass jemand des Unrechts und Bösen entschuldigt wird mit einer schlechten Kindheit“, so Freitag. Christen seien besonders gefährdet, Vergebung und Entschuldigen zu verwechseln. Krankheit und Herzenshaltung seien jedoch kategorisch zu unterscheiden. Paradoxerweise, so Freitag, werde bei Tätern häufig eine Krankheit wie Depression oder Sucht unterstellt, bei Opfern hingegen auf den freien Willen verwiesen. „Auch in der Justiz geht Täterschutz vor Opferschutz“, kritisierte Freitag.

Narzissmus als Kern destruktiver Persönlichkeiten

Hinter Zuhältern, Loverboys und Missbrauchstätern steht laut Freitag meist eine narzisstische Persönlichkeitsstruktur. Narzissmus sei im Grunde „das Gegenteil der Fähigkeit zu lieben“. Im angelsächsischen Raum würden vier miteinander verbundene destruktive Persönlichkeitsmerkmale beschrieben: Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie und Sadismus. Diese Merkmale korrelierten mit aggressivem, manipulativem und sexuell grenzverletzendem Verhalten, von Betrug bis zum Kindesmissbrauch.

Entscheidend sei eine instrumentelle Haltung Menschen gegenüber, die andere für den eigenen Vorteil ausnutze sowie eine Selbstgerechtigkeit, die die notwendige „Herzensarbeit“ verweigere. Wer Kritik nicht zulasse und sich für vollkommen halte, baue eine innere Mauer im Herz auf, hinter der Neid, Zorn, Gier oder Lüge gediehen. Solche Menschen suchten Sündenböcke und projizierten ihr eigenes Inneres auf andere.

Pornografie als Wegbereiter

Pornografie befördere eine asymmetrische Haltung zu Frauen als Objekten, Desensibilisierung gegenüber Gewalt und eine narzisstische Anspruchshaltung. Pornografie bediene den Wunsch nach dem einfachen Weg: „Instant-Befriedigung, Ego-Sex, wann, wie, wo ich will“, so Freitag. Bei Pornosüchtigen sei die Länge der Sucht weniger entscheidend für den Ausweg als die Herzenshaltung und Wahrhaftigkeit. Im Umgang mit Tätern sexueller Gewalt müsse Unrecht beim Namen genannt werden. „Wir helfen niemandem, indem wir das entschuldigen und beschwichtigen.“ Es brauche klare Konsequenzen, gegebenenfalls Anzeigen, sowie Distanz zu den Opfern.

Zugleich müssten Täter sich mit Opfergeschichten auseinandersetzen. Zentral sei auch die Frage nach der eigenen Identität: „Was für ein Mensch will ich sein?“ Christen seien besonders anfällig für „billige Gnade“. Freitag hat nach eigenen Angaben erlebt, dass aus der Zuhälterei ausgestiegene Personen rückfällig geworden seien, weil sich ihre Herzenshaltung nicht verändert habe. Manche Täter forderten Vergebung als Anspruch ein: „Du musst mir doch vergeben.“

Prävention durch Erziehung

Präventiv sei eine Erziehung wichtig, die Kindern auch vermittle, zu bitten und zu danken, statt ein einseitiges Anspruchsdenken zu entwickeln, das alles selbstverständlich nehme. Freitag kritisierte eine fälschlich sogenannte „bedürfnisorientierte Erziehung“, die im Grunde lustorientiert sei. Dabei werde jedes Lust-Unlust-Bedürfnis des Kindes sofort gestillt. Sie verwies auf das Präventionsprogramm „Fit for Love“, das Jugendlichen helfe, die Folgen von Pornografie zu verstehen, vertrauenswürdige Beziehungen aufzubauen und Grenzverletzungen zu erkennen. Lieben zu lernen, sei das Gegenteil von Narzissmus und müsse gefördert werden. Freitag schloss mit den Worten: „Wie wir lieben, zeigt letztlich, wer wir sind.“

Veranstalter des Kongresses sind das Bündnis „Gemeinsam gegen Menschenhandel“, die Evangelische Allianz in Deutschland, die Organisationen „Mission Freedom“, „Aktion Hoffnungsland“ und „return“ sowie das Christliche Gästezentrum Schönblick. Die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA ist Medienpartner.

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