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Kommentar

Beistand ist Christenpflicht

27.01.2026

Karoline Preisler ist Juristin sowie Buchautorin und setzt sich regelmäßig für das jüdische Leben in Deutschland ein. Foto: picture alliance/dpa|Fabian Sommer
Karoline Preisler ist Juristin sowie Buchautorin und setzt sich regelmäßig für das jüdische Leben in Deutschland ein. Foto: picture alliance/dpa|Fabian Sommer

Warum Christen neben dem Gedenken auch den lebenden jüdischen Geschwistern beistehen sollten – Ein Kommentar zum Holocaustgedenktag am 27. Januar, von Karoline Preisler

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Galater 6,2). Sie und ich kennen unsere Aufgabe. Wir kennen unseren Platz in unserer Gemeinschaft. Und doch sehen wir oft großes Unrecht und schweigen. Die Entführung, die Folter, die Gewalt, die unser Bruder Rom Braslavski seit dem 7. Oktober 2023 erlitt, kennzeichnet das absolut Böse. Rom wurde von Terroristen in den Gazastreifen entführt. Inzwischen ist er zurück bei seiner Familie in Israel. Zu viele seiner Gefährten haben das Massaker nicht überlebt. Es war ein Massenmord an Juden, der größte seit der Schoah.

Die Lebensversicherung für Juden

Jedes Jahr am 9. November und am 27. Januar reden Politikerinnen und Politiker salbungsvoll von einem „Nie wieder“ und legen Kränze nieder. Jüdische Gemeinden werden eingeladen, an Gedenkveranstaltungen teilzunehmen. Erinnerungskultur wird gepflegt. Zu oft vergessen wir hierbei unsere Christenpflicht, den lebenden jüdischen Geschwistern ebenfalls beizustehen. Es sind unsere Nachbarn hier im Land, auf der ganzen Welt und eben auch in Israel. Der Staat Israel, den es u. a. gibt, weil unser Versagen während der Schoah einen jüdischen Staat, eine Lebensversicherung für Juden, überhaupt erst notwendig machte. Dieser jüdische Staat, der einzige weltweit, wird seit seiner Gründung angegriffen. Israel ist ständigen Bedrohungen ausgesetzt.

Es ist ganz einfach

Wir leben in einem demokratischen Land und sehen, wie eine andere Demokratie von Terrorregimen angegriffen wird. Wir leben als Christen und sehen, wie unsere Geschwister angegriffen, entführt und ermordet werden. Es ist Bürgerpflicht, Christenpflicht, Menschenpflicht, Israel und seinen Bewohnern beizustehen! Dafür muss man sich nicht politisch positionieren, sich nicht auskennen oder studiert haben. Es ist ganz einfach: Rom Braslavski war am 7. Oktober 2023 ein junger Mann auf einem Musikfestival in Israel. Von dort wurde er von einer Terrororganisation in den Gazastreifen verschleppt. Er wurde in Gefangenschaft gefoltert, ausgehungert, vergewaltigt, gequält und unermesslichem Leid ausgesetzt. Das war falsch.

Niemand erwartet von uns ein Loblied auf israelische Politik oder unser Schweigen zu Problemen im gelobten Land Israel. Doch Gott erwartet von uns, dass wir die Last mittragen, die unsere Geschwister drückt, weil sie Juden sind. Rom Braslavski und seine Familie dürfen das von uns erwarten. Alle anderen Menschen im demokratischen, vielfältigen Israel ebenfalls. „Am Israel Chai“ – „Das Volk Israel lebt“.

Karoline Preisler ist Juristin sowie Buchautorin. Die FDP-Politikerin demonstriert regelmäßig bei sogenannten Pro-Palästina-Kundgebungen gegen Antisemitismus und stellt sich gegen Verschwörungsideologien und Neo-Nazis.

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