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Bericht

Auf die Taktung kommt es an

17.12.2021

Hannes Schott ist Pfarrer an der evangelischen St.-Jakobskirche in Nürnberg. Foto: privat
Hannes Schott ist Pfarrer an der evangelischen St.-Jakobskirche in Nürnberg. Foto: privat

In den Adventswochen gibt es sehr oft viel zu viel zu tun: Adventsfeiern mit Arbeitskollegen gestalten, Veranstaltungen in der Gemeinde vorbereiten. Die Zeit der Besinnlichkeit kann insbesondere bei Pfarrern in Stress und Gewichtszunahme ausarten. Da gilt es gegenzusteuern. Von Pfarrer Hannes Schott. Der Text ist zuerst im IDEA SPEZIAL Advent und Weihnachten erschienen.

„Im Advent hetzen Pfarrerinnen und Pfarrer von Besinnlichkeit zu Besinnlichkeit.“ Diesen treffenden Satz hat mir ein älterer Kollege am Anfang meines Berufslebens mit auf den Weg gegeben. Für organisierte Geistliche mit einer flexiblen Kalenderführung ist die Adventszeit kein Problem. Gewöhnlich überschneiden sich Klientel verschiedener Weihnachtsfeiern kaum. Ein gewitzter Kirchenvertreter kann – ganz nachhaltig – seine Gedanken recyceln und mehrere Weihnachtsfeiern mit denselben Impulsen beglücken.

Doch Vorsicht: Manches geht nicht! Was Kleinkindern Freude bereitet, erfreut nicht zwingend die Alten. Was beim Jahresendfest des Offenen Meditationskreises für spirituelle Ekstase sorgte, könnte bei der Weihnachtsfeier des CSU-Ortsvereins Irritationen hervorrufen. Schnelles „Umschalten“ zwischen verschiedenen Adressaten ist man im Pfarrberuf ohnehin gewohnt. Nicht selten folgen Schulunterricht, Beerdigung, runder Geburtstag, Taufgespräch und eine Sitzung unmittelbar aufeinander. Der Vorteil einer engen Taktung von Terminen ist zudem: Man muss bei keiner Sitzung zum ermüdenden Teil von Jahresrückblicken und Ehrungen bis zum Schluss bleiben. Nach einer gewissen Zeit der Höflichkeit kann man sich aufmachen zur nächsten Veranstaltung.

Nach Pfingsten weihnachtet es

Außerdem gilt für die Advents- und Weihnachtszeit: Sie kommt nicht überraschend. Schon lange bevor in den Supermärkten Lebkuchen liegen, beginne ich, mich mit Weihnachten zu beschäftigen. Theologisch rechtfertige ich dies damit, dass die Geburt Jesu fürs ganze Jahr gilt – ebenso wie deren Botschaft, dass Gott nah ist. Gewöhnlich fange ich in den Pfingstferien an, kreative Gedanken zu Weihnachten zu sammeln. Im Sommer lese ich Sammlungen mit Weihnachtsgeschichten und ab Herbst schließe ich meinen adventlichen Kanon ab.

Beste Zeit für das Evangelium

Den besonderen Reiz dieser Zeit kenne und pflege ich seit meiner Kindheit. Meine eigene kirchliche Sozialisation hat mit dem Krippenspiel begonnen. Damals habe ich erlebt, dass im Advent und an Weihnachten die Kirche eine Herrlichkeit zeigt, die im restlichen Jahr oft schmerzlich vermisst wird. Mit wundervoller Musik, schön geschmückt, religiöser Festlichkeit, einer gut vorbereiteten frohen Botschaft und vollen Reihen zeigt sich etwas von dem, was in der Kirche das ganze Jahr über möglich sein könnte und sollte. Daher versuche ich, allen Wünschen nach einem Besuch der jeweiligen Feier nachzukommen. Ich glaube nämlich, dass die Menschen in der Weihnachtszeit sensibler und empfänglicher für unsere Botschaft vom Evangelium sind.

Wider dem Vorweihnachtsbauch

Doch natürlich fordern die Advents- und Weihnachtsfeiern ihren Tribut. Selbst bei größtmöglicher Disziplin kann nicht vermieden werden, dass die eine oder andere Tasse Glühwein getrunken, Plätzchen genascht und Lebkuchen geknabbert werden müssen. Um erschreckender Gewichtszunahme schon vor den ohnehin kalorienreichen Feiertagen zu entgehen, empfiehlt es sich, die enge Taktung zwischen Feiern nicht als Hetze zu sehen, sondern als Anreiz zu sportlicher Betätigung. Dann heißt es: Im Advent joggen Pfarrerinnen und Pfarrer von Besinnlichkeit zu Besinnlichkeit.

Hannes Schott (41) ist Pfarrer an der evangelischen St.-Jakobskirche in Nürnberg. Als Kabarettist tritt er mit dem bayerischen Pfarrkabarett „Das weißblaue Beffchen“ und dem Musik-Comedy-Duo „Zammgebicht“ auf.

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