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Abschied vom Sonntag? Präses Latzel weist Kritik zurück

31.01.2024

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel. Foto: EKiR/Dominik Asbach
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel. Foto: EKiR/Dominik Asbach

Düsseldorf (IDEA) – Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel (Düsseldorf), hat Kritik von evangelikaler Seite an der neuen kirchlichen Lebensordnung zurückgewiesen. Danach können Gemeindeleitungen künftig festlegen, dass der Gottesdienst statt am Sonntag regelmäßig an einem anderen Wochentag stattfindet. Es ist künftig auch freigestellt, wo und wann Amtshandlungen wie etwa Taufen und Trauungen erfolgen.

Der Vorsitzende des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), hatte gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ kritisiert, dass die rheinischen Protestanten im Begriff seien, „den zentralen Tag christlichen Lebens, den Sonntag als Gottesdiensttag, aufzugeben“. Und diese Not verkauften sie als Tugend. Es werde die traurige Tatsache verschleiert, „dass aus Mangel an Besuchern und Pfarrern nicht mehr an jedem Sonntag in jeder Kirche Gottesdienste stattfinden“. Durchschnittlich besuchen 1,7 Prozent der rheinischen Kirchenmitglieder den Gottesdienst.

Der Vorsitzende des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, Pfarrer Ulrich Parzany. Foto: Linda Penner

Für flexiblere Gottesdienstzeiten – Sonntagsheiligung bleibt wichtig

Wie Latzel im Gespräch mit der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte, geht es der Kirche überhaupt nicht darum, den Sonntag als Tag der Einkehr und Ruhe zu schwächen: „Die Sonntagsheiligung ist und bleibt für uns ein wichtiges, hohes Gut.“ Allerdings habe sich der Lebensrhythmus der Menschen geändert: „Für viele ist der Sonntag der einzige Tag in der Woche, an dem sie ausschlafen können.“

Der Zehn-Uhr-Gottesdienst am Sonntag stamme noch aus einer Zeit, in der die Landwirtschaft bestimmend gewesen sei. Er habe gut zwischen die Fütterungszeiten gepasst. In ländlichen Gemeinden gebe es schon lange zirkulierende Zeiten.

Deshalb gelte es, bei den Gottesdienstzeiten und auch den -formaten flexibler zu werden, um sich mehr für die pluralen Lebenswelten der Menschen zu öffnen. So könne er sich vorstellen, Gottesdienste zum Ausklang der Arbeitswoche am Freitagabend anzubieten oder am Samstagabend zum Start in den Sonntag. Es gehe darum, möglichst viele Menschen mit dem Evangelium von Jesus Christus zu erreichen.

Es geht um ein „urmissionarisches Anliegen“

Der Präses verteidigte auch die Möglichkeit, dass Eltern, die keiner Kirche angehören, ihre Kinder taufen lassen können, sofern eine christliche Erziehung gewährleistet sei. Parzany hatte erklärt: „Das läuft auf Verramschung der Taufe hinaus.“

Latzel widerspricht: „Im Gegenteil – wir nehmen den Auftrag, Kinder im christlichen Glauben zu erziehen, sehr ernst.“ Es gebe Eltern, die zwar keine Kirchenmitglieder seien, aber wünschten, dass ihr Kind Gott und den Glauben kennenlernen. Diese Aufgabe könnten auch Großeltern oder Paten übernehmen.

Latzel zufolge haben die Neuerungen in der Lebensordnung ein „urmissionarisches Anliegen“: „Wir wollen keinem Menschen ein unnötiges Hindernis in den Weg legen, um zu Jesus Christus zu finden.“ Latzel unterstützt auch das Anliegen, Amtshandlungen verstärkt außerhalb von Kirchenmauern anzubieten. Dies habe nichts mit „Eventisierung“ zu tun. Schon in der Urchristenheit seien Taufen an fließenden Gewässern gefeiert worden. Grundsätzlich gehe es darum, Menschen individueller im Leben kirchlich zu begleiten.

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