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Ökonom: Wirtschaft wird wesentlich stärker schrumpfen, als viele hoffen

17.06.2020

Michael Frenkel, Professor für Makroökonomie und internationale Wirtschaftsbeziehungen. Foto: idea/Karsten Huhn
Michael Frenkel, Professor für Makroökonomie und internationale Wirtschaftsbeziehungen. Foto: idea/Karsten Huhn

Wetzlar (idea) – Die Wirtschaft wird wesentlich stärker schrumpfen, als viele hoffen. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts könnte im Jahr 2020 bei zehn Prozent liegen. Damit rechnet der Professor für Makroökonomie und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der WHU – Otto Beisheim School of Management, Michael Frenkel (Vallendar bei Koblenz). In einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) sagte er, die Prognose der Bundesregierung sei zu optimistisch. Sie rechnet für 2020 mit einem Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung von 6,3 Prozent. Dieser Prognose liege die Annahme einer nur relativ geringen Beeinträchtigung der Produktion im Shutdown sowie einer schnellen Wirtschaftserholung zugrunde, so Frenkel. Die durch den Coronavirus ausgelöste Krise betreffe aber alle Wirtschaftsbereiche in nahezu allen Staaten: „Es wird weniger produziert, die Leute haben weniger Einkommen, können weniger Geld ausgeben und sind bei Ausgaben vorsichtiger geworden. So entstehen Multiplikatoreffekte, die die Wirtschaft zusätzlich schwächen.“ Derzeit könne man nur versuchen, den am wenigsten schlechten Weg einzuschlagen. Klar sei jedoch, dass die Corona-Krise sehr viel Wohlstand kosten werde. Zur Frage, ob es richtig gewesen sei, dass in der Corona-Krise Ökonomen hinter den Virologen zurückstehen mussten, sagte Frenkel, man müsse die Sorge um die Gesundheit voranstellen. Erst wenn die medizinische Krise gelöst sei, lasse sich auch die von Wirtschaft und Gesellschaft beenden.

Soll Deutschland für Schulden anderer Länder haften?

Ferner äußerte sich Frenkel zur Frage, ob Deutschland für Schulden anderer Staaten in der Europäischen Union haften solle. Deutschland müsse daran interessiert sein, dass die von Corona besonders betroffenen Länder wie Italien und Spanien wieder auf die Beine kommen. Deshalb sei es richtig, dass Deutschland befristet mehr in den EU-Haushalt einzahle und so anderen Ländern helfe. Gleichzeitig dürften sich die Anreize, selbst für Stabilität zu sorgen, nicht vermindern. Die Hilfe muss darauf abstellen, aus der Not herauszukommen und wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

Besonders zwei Verse aus der Bibel haben in der aktuellen Situation Gültigkeit

Er halte es deswegen für sinnvoll, die Aussage aus der Bergpredigt „Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will“ (Matthäus 5,42) mit dem Vers „Sei nicht einer von denen, die mit Handschlag haften und für Schulden Bürge werden“ (Sprüche 22,26) zusammen zu nehmen: „Hilfe ja, aber keine leichtfertigen Zusagen. Das ist auch für Europa der richtige Weg.“ Frenkel ist Mitglied der Freien evangelischen Gemeinde Koblenz.

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