Gesellschaft
Margot Käßmann bedauert Verlust an Esskultur
04.10.2020

Berlin (idea) – Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann (Hannover) hat einen Verlust an Esskultur bedauert. In Corona-Zeiten hätten viele gemerkt, dass sie gar nicht mehr kochen können. „Es wird ‚to go‘ gekauft“, schreibt sie in ihrer Kolumne in der „Bild am Sonntag“. Die Theologin fragt: „Wozu noch einen Esstisch, wenn alle ohnehin vor dem Fernseher oder Computer die Mahlzeiten in sich hineinschaufeln?“ Außerdem habe man sich von der Nahrung entfremdet. Es gebe Kinder, die in ihrem Leben noch nie ein echtes Schwein oder eine lebendige Kuh gesehen hätten. Andere kennten diese Tiere allenfalls aus dem Streichelzoo. „Aber dass ein Tier geschlachtet werden muss, damit sie ein Schnitzel auf dem Teller haben, ist ihnen völlig unklar. Nach dem Motto: Mein Würstchen kommt aus dem Kühlregal.“
Mahlzeiten als Zeit der Begegnung gestalten
Käßmann bezeichnet das Erntedankfest (4. Oktober) als guten Anlass, darüber nachzudenken, wie wir uns ernähren. Angesagt sei Wertschätzung für Nahrung, Dankbarkeit für landwirtschaftliche Arbeit sowie Nachdenklichkeit über die Bedingungen der Tierhaltung und der Arbeitskräfte. Es gehe darum, bewusst zu essen und Mahlzeiten als Zeit der Begegnung zu gestalten. Die frühere hannoversche Landesbischöfin schließt ihren Beitrag mit dem alttestamentlichen Bibelwort: „So geh und iss dein Brot mit Freuden“ (Prediger 9,7). In dem Bibelvers heißt es weiter: „Trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Tun hat Gott schon längst gefallen.“
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