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Gesellschaft

Ethikinstitut veröffentlicht „Corona-Kompass“ aus christlicher Sicht

09.05.2020

Der Leiter des Ethikinstituts der Wilhelm Löhe Hochschule, Elmar Nass. Screenshot: Youtube/Wilhelm Löhe Hochschule
Der Leiter des Ethikinstituts der Wilhelm Löhe Hochschule, Elmar Nass. Screenshot: Youtube/Wilhelm Löhe Hochschule

Fürth (idea) – Das Ethikinstitut der Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth hat einen christlich-sozialethischen „Corona-Kompass“ herausgegeben. Das am 6. Mai veröffentlichte Positionspapier des Institutsleiters Professor Elmar Nass will nach eigenen Angaben in die Wertedebatten um die Corona-Krise eingreifen und Empfehlungen auf christlicher Wertebasis geben. Nass zufolge steht die sozial-ethische Diskussion über die Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise noch am Anfang. Entscheidungen sollten jedoch nicht den „vermeintlichen Experten“ oder Politikern überlassen werden. Es fehle eine hörbare Position, die eine wirtschaftlich vernünftige und christliche Perspektive miteinander vereine. „Diese Lücke wollen wir schließen“, sagt Nass zum Ziel des „Corona-Kompass“. Die christliche Positionierung solle auf Augenhöhe vernommen werden, selbst wenn nicht alle Menschen sie teilten.

Nass: Ethikrat hat Gottesdienste als Hoffnungsbild ausgeklammert

Nass zufolge sind „Notstandsgesetze“ während der Coronakrise grundlegend legitim. Doch eine Bevorzugung der Fußball-Bundesliga sei inakzeptabel, ebenso die Benachteiligung der Kirchen. Es sei „traurig“, dass die Einschränkung der Religionsfreiheit im Ad-hoc-Papier des Deutschen Ethikrates keine Erwähnung gefunden habe. Während bereits über Ladenöffnungen und die Bundesliga nachgedacht worden sei, seien Lockerungen für öffentliche Gottesdienste zu lange ein „Tabu“ geblieben, so der Katholik. Mit der Religion wurde ein „wesentliches Hoffnungsbild“ der Menschen ausgeklammert. Aus christlicher Sicht sei dies „inakzeptabel“.

„Gott lässt sich nicht in eine Schablone pressen“

Die Idee, auf Zwangseinschränkungen im Alltag und der Wirtschaft zu verzichten, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, hält der Ethikprofessor für falsch. Damit würde man Menschenopfer in der Gegenwart in Kauf nehmen, um in der Zukunft Menschenleben zu retten. „Wer im Menschenleben einen Wert an sich sieht – wie es die christliche Ethik tut – für den verbietet sich eine Übersetzung dieses Wertes in materielle Geldeinheiten“. Eine ausdrücklich christliche Perspektive berücksichtige, dass die Zukunft und deren Lebensqualität nicht schon heute vorausberechnet werden könne und zudem mit dem freien Eingreifen Gottes rechne. „Dieser lässt sich in seinem Wirken erst recht nicht in die Schablone spekulativer Kosten-Nutzen-Spielereien pressen“, ist Nass überzeugt.

Kirchliche Hilfswerke bedenken

Mit Blick auf internationale Hilfen für wirtschaftlich schwächere Länder empfiehlt der Ethikprofessor, öffentliche Finanzhilfen an vertrauenswürdige Hilfsorganisationen zu geben statt auf staatliche Institutionen zu setzen. Hierbei sollten auch kirchliche Hilfswerke oder Ordensgemeinschaften berücksichtigt werden. Das 28-seitige Papier richtet sich an Verantwortliche in Politik, im Gesundheitswesen, in Kirche, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft sowie an die breite Öffentlichkeit. Die Wilhelm Löhe Hochschule ist eine staatlich anerkannte Hochschule in privater Trägerschaft mit Schwerpunkt in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft. Sie gehört zum Verbund der Diakonie Neuendettelsau, die auf Gründungen des fränkischen Theologen Johann Konrad Wilhelm Löhe (1808–1872) zurückgeht.

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