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Christen stoßen an Hochschulen zunehmend auf Gegenwind

18.04.2020

Die SMD ist am stärksten öffentlich in den Räumen der Hochschulen aktiv. Symbolbild: pixabay.com
Die SMD ist am stärksten öffentlich in den Räumen der Hochschulen aktiv. Symbolbild: pixabay.com

Marburg (idea) – Fast die Hälfte aller 74 Hochschulgruppen der Studentenmission in Deutschland (SMD) hatte in den vergangenen fünf Jahren mit Einschränkungen zu kämpfen. Zu diesem Ergebnis kommt das Netzwerk in seinem Magazin „SMD-Transparent“. Demnach ging es etwa um die Nutzung von Räumen oder Aktionen auf dem Campus. Während 18 Gruppen eine Lösung erzielen konnten, sei an 13 Orten keine gefunden worden. Wie der Leiter der Hochschul-SMD, Pfarrer Markus Heide (Marburg), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea ergänzte, ist ein Fall aktuell noch offen. So habe eine Gebetszeit der SMD-Gruppe an der pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg das Rektorat veranlasst, religiöse Handlungen in Hochschulräumen zu untersagen. Nachdem erste Gespräche bisher nicht gefruchtet hätten, ruhe der Fall aufgrund der Maßnahmen zur Corona-Pandemie derzeit.

Massive Selbstbeschränkung der Meinungsäußerung durch studentische Organe

Heide zufolge sind es neben studentischen Selbstverwaltungsorganen und Hochschulleitungen auch Studentenwerksleitungen, die die Religionsfreiheit einschränken. Durch studentische Organe werde dabei sogar oftmals „eine massive Selbstbeschränkung der Meinungsäußerung“ vorgenommen – bis hin zur Entscheidung, „welches gesellschaftliche, politische oder religiöse Thema Rede- und Denkfreiheit für sich in Anspruch nehmen“ dürfe. Laut Heide droht die Hochschule damit als Ort für den „zukünftigen gesellschaftlichen Diskurs“ verloren zu gehen.

Andere christliche Gruppen sind ebenso betroffen

Neben der SMD sind Heide zufolge auch andere Zusammenschlüsse wie die Evangelischen Studierendengemeinden (ESG) oder Studenten für Christus (SfC) betroffen. Aber die Auswirkungen für die Gruppen seien oft andere, da die SMD am stärksten öffentlich in den Räumen der Hochschulen aktiv sei. Obwohl den SMD-Gruppen an manchen Stellen „auf eklatante Weise Grundrechte verweigert“ würden, sei der Rechtsweg jedoch bislang vermieden worden. Stattdessen stehen laut Heide den Betroffenen Referenten zur Seite, die sie bei Gesprächen und der Suche nach Bündnispartnern unterstützten. Ebenso gebe es zwei Positionspapiere – eines davon interreligiös –, die auf den Mehrwert religiöser Bildung und das Recht auf Religionsfreiheit hinwiesen. „Aber ob wir in Zukunft das klug abgewogene System einer kooperativen Neutralität des Staates gegenüber den Weltanschauungen zugunsten eines blinden Laizismus verlieren, hängt auch davon ab, ob wir für die Freiheit der Rede, der Meinung und der Religion in unserer Gesellschaft aufstehen und streiten“, so Heide.

Es gibt auch positive Ergebnisse

Nichtsdestotrotz gebe es aktuell aber ebenso positive Ergebnisse, etwa in Mannheim, München oder auch in Osnabrück, wo der Allgemeine Studentenausschuss (AStA) einen Hörsaalvortrag zum Anlass genommen habe, um der Gruppe die Religions- und Meinungsfreiheit zu entziehen. Überall seien aber Lösungen gefunden worden, die es ermöglichten, dass die Gruppen wieder offiziell von den Hochschulen anerkannt seien, sagte Heide. Die SMD ist ein Netzwerk von Christen in Schule, Hochschule und Beruf und wurde 1949 gegründet. Sie ist ein Fachverband der Diakonie Deutschland, Mitglied im netzwerk-m (bis 2012 Ring Missionarischer Jugendbewegungen) und arbeitet auf Basis der Deutschen Evangelischen Allianz. Generalsekretär ist Pfarrer Gernot Spies (Marburg).

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