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Frei-/Kirchen

Türkei: Drei ermordete Christen waren Evangelikale

19.04.2007

W i e s b a d e n / M a l a t y a (idea) – Die drei Christen, die am 18. April in der südosttürkischen Stadt Malatya ermordet wurden, waren Evangelikale. Das teilte der Orientdienst in Wiesbaden mit, der mit christlichen Gemeinden in der Türkei zusammenarbeitet.Die Täter waren in die Räume des Zirve-Verlages eingedrungen, fesselten die Opfer und schnitten ihnen die Kehlen durch. Bei den Ermordeten handelt es sich um den Deutschen Tilmann Geske (45) und die beiden Türken Necati Aydin (35) und Ugur Yuksel (32). Der aus Celle stammende Geske, der seine Frau Susanne und drei Kinder hinterlässt, arbeitete als Übersetzer mit dem Verlag zusammen, war dort aber nicht angestellt. Er absolvierte von 1982 bis 1987 eine Ausbildung an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel.

Für liebevolle Mission unter Muslimen

Aydin, der seine Frau und zwei Kinder hinterlässt, war leitender Mitarbeiter des Verlags und leitete auch eine evangelikale Gemeinde in Malatya. Er hatte vom 9. bis 13. April in Deutschland an einer christlichen Konferenz teilgenommen. Aydin hielt Vorträge zum Thema „Den anatolischen Menschen für Jesus Christus gewinnen“. Dabei ermahnte er die Teilnehmer, Muslimen die christliche Botschaft auf liebevolle Weise weiterzugeben. Nach Angaben des Orientdienstes war er im Zusammenhang mit seiner evangelistischen Tätigkeit zeitweise inhaftiert und wurde wiederholt bedroht. Bei seinem Deutschland-Aufenthalt sagte er: „Jedes Mal, bevor ich auf Reisen gehe, habe ich deshalb eine ausgedehnte Gebetszeit mit meiner Frau, in der wir alle unsere Ängste und Sorgen vor den Herrn bringen.“ Der dritte Ermordete, Ugur Yuksel, wollte im Herbst heiraten. Der Zirve-Verlag, der elf Mitarbeiter beschäftigt, verbreitet christliche Literatur und den Jesus-Film. Evangelikale Kenner der Situation in der Türkei gehen davon aus, dass die Morde eine Folge der jahrelangen Hetze in türkischen Medien gegen Christen sind.  

Nationalistisch-religiöse Motive

Die türkische Polizei hat nach Presseberichten fünf Verdächtige im Alter von 19 und 20 Jahren festgenommen. Die Festgenommenen sind geständig. Sie gaben nach türkischen Medienberichten an, für „Vaterland und Glauben“ gehandelt zu haben. Die Zeitung Hürriyet zitierte einen mutmaßlichen Mörder mit den Worten „Den Feinden des Glaubens möge dies eine Lehre sein“. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) in Deutschland hat ihr Entsetzen über den Anschlag zum Ausdruck gebracht. Der Präsident des Verbands, Botschaftsrat Sadi Arslan, sprach von einer „abscheulichen Tat“. Er forderte, das Verbrechen restlos aufzuklären und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Die DITIB sprach „insbesondere der Familie des Verstorbenen Tilmann Geske und unseren deutschen und christlichen Freunden“ ihr aufrichtiges Beileid aus.  

EKD-Ratsvorsitzender erschüttert

Der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), reagierte „erschüttert“ auf die Bluttat: „Dass auch ein Christ aus Deutschland unter den Opfern ist, bringt uns das Geschehen besonders nahe.“ Anlass des grauenhaften Geschehens sei, dass der  Verlag in der Osttürkei Bibeln verteile. Dieses „Wort des Lebens“ anderen anzubieten, dürfe niemals Grund dafür sein, Menschen an Leib und Leben zu bedrohen. „Unser tiefes Mitgefühl und unser Gebet gilt denen, die um die Opfer trauern“, so Huber.

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