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Hessen und Rheinland-Pfalz sollen Flüchtlinge aus Moria aufnehmen

20.09.2020

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung. Foto: EKHN/Neetz
Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung. Foto: EKHN/Neetz

Offenbach (idea) – Deutschland sollte deutlich mehr Flüchtlinge von der griechischen Insel Lesbos aufnehmen als von der Bundesregierung geplant. Dazu hat der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung (Darmstadt), aufgerufen. In seinem Bericht vor der in Offenbach tagenden Kirchensynode wandte er sich am 19. September an den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Er habe bereits im März die Aufnahme von 1.000 Geflüchteten in Hessen und von 650 Hilfesuchenden in Rheinland-Pfalz gefordert, sagte Jung. Am 8. September hatte ein Feuer das mit rund 12.500 Flüchtlingen völlig überbelegte Flüchtlingslager „Camp Moria“ auf der Insel Lesbos zerstört. Die deutsche Bundesregierung hat sich bereit erklärt, 150 unbegleitete Flüchtlinge und weitere 408 Familien mit Kindern (insgesamt 1.553 Personen) aufzunehmen.

Coronakrise: Kirche im Spannungsfeld

In den Mittelpunkt seines „Berichts zur Lage in Kirche und Gesellschaft“ stellte Jung die Situation in der Corona-Krise. Er widersprach Stimmen, nach denen die Kirchen in der Krise „keine tragende Rolle“ gespielt hätten. Wer auf das schaue, was in Gemeinden und Einrichtungen etwa in der Seelsorge wirklich geleistet wurde, müsse zu einem anderen Schluss kommen. Sie hätten im „Spannungsfeld von Zuwendung, Gefährdungspotential und Schutz“ gestanden und mit ihrem verantwortungsvollen Handeln dazu beigetragen, „eine wirkliche Katastrophe zu verhindern“.

Systemrelevanz: Kirche hilft, in Unsicherheit zu leben

Jung kritisierte zugleich die einseitige Fixierung in der Corona-Debatte auf das Thema „Systemrelevanz“. Er forderte dazu eine gründliche Auseinandersetzung. Eine Grundversorgung der leiblichen und ökonomischen Bedürfnisse sei in der Krise zwar wichtig. Aber es dürften nicht diejenigen herausfallen, „deren Arbeit auf geistige und seelische Bedürfnisse gerichtet ist“. Damit begebe sich die Gesellschaft in die „Gefahr einer materialistischen Reduktion des Lebens“. Jung: „Unsere Botschaft und unsere Arbeit haben Lebensrelevanz. Sie hilft, mit Spannungen und in Unsicherheit zu leben.“

Auch in der Krise an Gott orientieren

Jung erteilte zugleich theologischen Versuchen eine Absage, die Corona-Krise „als Strafe Gottes zu deuten“. Zielführender ist es nach Worten Jungs dagegen „uns an Gott zu orientieren, der in Jesus Christus an die Seite der leidenden Menschheit getreten ist und seinen Willen zum Leben, auch über den Tod hinaus, offenbart hat“. Dies habe zur Folge, dass die Kirche „nicht auf alle Fragen des Lebens eine Antwort hat, sehr wohl aber Mittel und Wege, mit und in diesen Spannungen zu leben“.

Großes Engagement in der Krise

Wie Jung weiter sagte, habe die hessen-nassauische Kirche seit März in der Corona-Krise viele Herausforderungen gemeistert. Andachten und Gottesdienste seien im Freien oder auch vermehrt digital gestaltet worden. Dabei sind nach Worten des Kirchenpräsidenten neue Formen entstanden, die auch neue Menschen erreicht haben.

Kirche darf jetzt digital Beschlüsse fassen

Die 140 Delegierten beschlossen, dass Kirchenvorstände in Gemeinden, Dekanatssynoden in der Region und auch die Kirchensynode, digital tagen und Beschlüsse fassen können. Dies war in der Coronakrise in vielen Fällen nötig geworden aber in den Kirchengesetzen bisher nicht vorgesehen. Zur hessen-nassauischen Kirche gehören 1.132 Gemeinden mit rund 1,5 Millionen Kirchenmitgliedern.