Ressorts
icon-logo

Bericht

Kirche völlig neu erleben

19.09.2016

Bei vielen gilt Kirche als angestaubt, langweilig, altmodisch und somit unattraktiv. Wie also kann man Kirchendistanzierte erreichen? Was braucht es, um Menschen, die auf der Sinnsuche sind, den christlichen Glauben „schmackhaft“ zu machen? Die evangelische Freikirche „International Christian Fellowship“ (ICF, Internationale Christliche Gemeinschaft) sieht ihre Aufgabe hauptsächlich darin, Kirche für Menschen zu sein, die Gottesdienste eher selten besuchen. Sybille und Steffen Beck, leitende Pastoren und Gründer der ICF Karlsruhe, beschreiben, wie sie diese Menschen mit Gottes Wort erreichen. (Der Beitrag ist in gekürzter Fassung im ideaSpezial „Spektrum Gemeinde“ erschienen.)

Es ist Sonntagabend. Wir sitzen nach drei Gottesdiensten beim Public Viewing in der ICF Eventhall. Nichts erinnert mehr an den Gottesdienst, den wir eben noch gefeiert und wegen des Fußballspiels vorverlegt haben. Fast nichts, außer dem drei Meter hohen Kreuz aus Holz in „der linken Ecke“, das wie eine „christliche Flanke von links außen reingeschossen“ kommt. Immer wenn ein Tor fällt, geht die Musik an und wir singen „Oh, wie ist das schön...“. Und im Lichtkegel der Scheinwerfer strahlt es auf, das Kreuz, einfach so, mittendrin im Jubel. Uns gefällt das! Und noch mehr gefällt uns, dass neben den regelmäßigen Gottesdienstbesuchern eben auch noch Menschen da sind, die Gottesdienste sonst eher selten besuchen. Zugegeben, manche kamen direkt zum Spiel, aber immerhin, sie können sagen, sie waren heute in der Kirche! Andere kamen schon um 16.30 Uhr zum Gottesdienst, weil sie von Freunden eingeladen wurden zum Public Viewing in der ICF Eventhall.

Was ist eine Gemeinde für Kirchendistanzierte und was nicht?

Eine Gemeinde für Kirchendistanzierte besteht natürlich nicht nur aus Kirchendistanzierten. Aus regelmäßigen Umfragen wissen wir, dass wir pro Gottesdienst zwischen 8-10 Prozent Besucher haben, die „Gottesdienste sonst eher selten besuchen“. Alle anderen gehören entweder zu unserer Gemeinde oder sie sind Gäste aus anderen Gemeinden. Denn aus diesen drei Möglichkeiten lassen wir die Menschen regelmäßig eine ankreuzen. Eine Kirche für Kirchendistanzierte beginnt nicht mit Kirchendistanzierten, sondern mit Menschen, die schon vorher in einer Kirche waren. Wie denn auch sonst! Denn Kirchendistanzierte werden nicht zusammen mit anderen Kirchendistanzierten eine neue Gemeinde gründen. Das sagen wir immer den Menschen, die ganz erstaunt sind, dass zu unserem Kernteam viele Menschen gehören, die vorher schon in anderen Gemeinden gewesen sind. Ja logisch, sie können ja nicht vom Himmel gefallen sein. Eine Kirche für Kirchendistanzierte feiert auch nicht ein Mal im Monat einen Gästegottesdienst, sondern sie geht jeden Tag (also nicht nur sonntags) davon aus, dass Gäste da sind. Was macht es denn für einen Sinn, seine Freunde und Nachbarn zum Gästegottesdienst am letzten Sonntag des Monats einzuladen, wenn es dann am Sonntag drauf wieder so weitergeht, dass sie am besten nicht wiederkommen, weil die Predigt von „Bruder Hubert“ für sie zu schwer ist. Nein, eine Kirche für Kirchendistanzierte ist eine Kirche, die es sich zum Ziel gesetzt hat, alle ihre Gottesdienste so zu gestalten, dass sie auch für Menschen relevant sind, die Gottesdienste sonst eher selten besuchen. Die ganze Gemeindearbeit dreht sich um den Auftrag, dass Menschen Kirche neu erleben können. Das ist ihre Mission!

Es ist eine Frage der Kultur, nicht der Gottesdienstform

Eine Kirche für Kirchendistanzierte zeigt sich nicht in erster Linie an der Gottesdienstform. Und schon gar nicht daran, dass sie kreative Elemente wie (Theater, Video, moderne Musik, bildhafte Kunst) in ihre Veranstaltungen einbaut. Das halten wir schlicht für selbstverständlich. Denn auch die Menschen, die zur Kirche gehen, haben doch neben den Ohren noch andere Sinne von Gott bekommen, die es gilt anzusprechen. Wer dies nicht tut, verliert die Generation, die mit diesen Elementen ganz selbstverständlich aufgewachsen ist, also die der 30-60-Jährigen. Die junge Generation ist noch eine ganz andere Nummer! Eine Kirche für Kirchendistanzierte zeigt sich auch nicht nur daran, dass ihre Gottesdienste vom Programm her aufwendig sind und oft wie eine professionelle Produktion wirken. Doch all das ist noch nicht der springende Punkt, der eine Kirche zu einer Kirche für Kirchendistanzierte macht. Und um ganz ehrlich zu sein: Wir machen doch all diese kreativen Dinge nicht nur für die anderen, sondern auch für uns. Wir haben selbst Spaß an genau dieser Form von Kirche. Und wenn es nicht so wäre, wären wir dann authentisch. Wie würde es sich anfühlen für unsere Gäste, wenn wir einen Gottesdienst für sie machen würden, den wir eigentlich für unnötig erachten und für viel zu aufgemotzt halten. Aber aus missionarischen Gründen haben wir uns dazu durchgerungen, nun doch auch so ein amerikanisch angehauchtes Modell davon in unser Gemeindeleben zu integrieren? Das kann man voll vergessen, so funktioniert das nicht, weil es nicht authentisch ist! Es ist eine Frage der Kultur und nicht in erster Linie der Form und des Inhalts. In der DNA einer Kirche für Distanzierte steckt ganz tief dieser Herzschlag Gottes für die Menschen, die noch nicht so wie wir an Gott glauben können. Also nicht nur, wenn wir Gottesdienst feiern, sondern auch beim Arbeitseinsatz am Samstag zeigt sich diese Kultur. Wenn wir zusammenkommen, gehen wir immer davon aus, dass Menschen dabei sind, die Gottesdienste sonst eher selten besuchen. Und da könnte mein Verhalten als Mitarbeiter beim Arbeitseinsatz heute wichtiger für sie sein als die Predigt am Sonntag. Und diese Kultur zeigt sich auch beim Straßenfest im Dorf, bei der Geburtstagsfeier des Nachbarn und beim Besuch des Kinos am Freitagabend. Immer sind die Mitglieder einer Kirche für Kirchendistanzierte mit der Frage beschäftigt, wie Kirche sein muss, damit sie Menschen anspricht und von Menschen verstanden wird, die noch nicht in die Kirche gehen und noch nicht glauben können, dass Gott in dieser Kirche zu finden ist und ein Interesse an ihnen hat.

Es geht um das WIE, nicht um das WAS

Entscheidend ist nicht die Frage des Inhalts, so provozierend das jetzt auch klingen mag. Der ist uns doch gegeben und muss nicht neu erfunden werden. Wer neuen Inhalt will, der muss in eine Sekte gehen, die erfinden gern was Neues! Nein, entscheidend ist nicht der Inhalt (immer vorausgesetzt, man hat einen und man hat was zu sagen), sondern WIE der Inhalt vermittelt wird. Wir haben uns zum Beispiel damit angefreundet, dass eine Predigt und ein Gottesdienst heute einfach auch ein gewisses Maß an Unterhaltung haben müssen, weil die Menschen sonst nicht zuhören. Wir glauben, dass die Theologie, oder zumindest die Ekklesiologie, sich dem Auftrag (der Missio Dei) unterordnen muss. Denn Jesus ging es darum, „zu suchen und zu retten, was verloren ist“, und er hat wenig darüber gesagt, wie man den richtigen Gottesdienst feiert oder was das richtige Gemeindeverständnis ist. In einer Frage allerdings müssen wir theologisch auf den Punkt kommen – und die hat zutiefst mit dem Auftrag zu tun: Wenn der Auftrag ist, zu suchen und zu retten, was verloren ist, dann muss man auch wissen und definieren können, was „verloren und gerettet“ ist. Nach unserem Verständnis der Bibel ist die Überlieferung des Neuen Testaments diesbezüglich eindeutig und klar.

Wann kommen Kirchendistanzierte in die Kirche?

Kirchendistanzierte Menschen kommen nicht in eine Kirche, weil die Kirche ihre Angebote konsequent auf sich ausgerichtet hat. Sie kommen auch nicht, weil die Gottesdienste auf Gäste ausgerichtet sind. All das erfahren sie ja erst, wenn sie da sind. Sie kommen nur aus einem Grund: weil sie von jemand eingeladen wurden! Wir können uns noch so anstrengen, unsere Gottesdienste noch so kreativ, interaktiv und multimedial gestalten – all das wird einen wirklich kirchendistanzierten Menschen nicht in unsere Gottesdienste locken. Und warum? Weil er davon überhaupt nichts mitbekommt, wenn ihm keiner davon erzählt. Dass wir unsere Gottesdienste so gestalten, dass sie auch von Menschen verstanden werden, die Gottesdienste sonst eher selten besuchen, dass wir um Qualität bemüht und auch sehr kreativ sind, ist der Grund, warum viele nach ihrem ersten Besuch bei uns wiederkommen und bleiben. Aber dass sie überhaupt kommen hat fast immer mit einem Menschen zu tun, der schon da ist und sie eingeladen hat.

Wie man die Kultur des Einladens fördern kann

Darum sind wir bemüht, denen, die schon da sind, einen guten Grund zu geben, andere einzuladen. Und wir haben dabei Folgendes beobachtet: Man muss einem Menschen, der bei uns Kirche neu erlebt hat, keinen Grund geben, andere einzuladen. Er tut es ganz automatisch, weil er so begeistert ist. Dabei haben wir festgestellt, dass viele unserer Besucher kräftig Freunde aus ihrem Umfeld einladen, obwohl sie (aus unserer Sicht) noch gar nicht (richtig) zum Glauben gefunden haben. Sie laden ihre Freunde nicht ein, weil sie „Jesus noch nicht kennen“. Und auch nicht, weil sie wollen, dass „sie nicht verloren gehen“. Sondern einfach, weil sie eine gute Erfahrung bei uns gemacht haben und sie diese Erfahrung mit ihren Freunden teilen wollen. Diesen Menschen verdanken wir als Kirche sehr viel. Sie sind die besten „Außendienstler“ und für den „Vertrieb“ der guten Nachricht – besser natürlich, für die missionarische Anziehungskraft einer Gemeinde – unverzichtbar. Aber was ist mit den 90 Prozent, die schon länger da sind. Für die nicht mehr alles neu ist, weder im Glauben noch in der Kirche? Hier gibt es zwei Faktoren, die uns „alten Hasen“ helfen, das Feuer am Brennen zu halten. Der erste Faktor ist die Theologie, die man auch als die „Mission oder den Herzschlag Gottes“ bezeichnen könnte. Unser Herz muss immer wieder hören, wie sehr Gott die Menschen am Herzen liegen, die noch keine persönliche Beziehung zu ihm haben. Das war es, was uns 1999 in Karlsruhe beim Willow-Creek-Kongress am meisten bei Bill Hybels beeindruckt hat. Wir haben Gottes Liebe für die kirchendistanzierten Menschen gespürt, so sehr, dass wir für sie geweint und unser Leben auf den Kopf gestellt haben. Es reicht nicht, wenn wir hören, dass „Menschen ohne Jesus verloren“ sind. So hart es klingt, daran kann man sich gewöhnen. Es reicht nicht, wenn uns der fatale Fakt, dass Menschen ohne Jesus verloren sind, zur Evangelisation quasi zwingt, ob wir wollen oder nicht. Nein, wir müssen von Herzen dabei sein. Unser Herz muss betroffen sein. Wenn dies nicht der Fall ist, werden wir das Herz der anderen nicht erreichen. Es gibt aber noch einen zweiten Faktor, mit dem wir unsere Gemeindeglieder motivieren, ihre Nachbarn und Freunde einzuladen. Und der ist denkbar einfach und so was von gar nicht theologisch begründbar. Wir kreieren immer wieder einen Hype, der so verrückt oder so abgefahren ist, dass er ganz natürlich dazu führt, dass Menschen anfangen, darüber zu reden und andere Menschen dazu einladen. So haben wir zum Beispiel, als der Kinofilm Noah vor einiger Zeit in die Kinos kam, eine Gottesdienstserie entworfen zur Urgeschichte mit dem Titel „Noah - die ganze Geschichte“. Allein das hätte noch keines unserer Gemeindeglieder bewogen, seine Nachbarn einzuladen. Aber dann kam der Hype dazu: Wir haben 4 bis 5 Tonnen Holz gekauft (ja, das kostet Geld, das man hätte auch anders verwenden können) und unsere komplette Veranstaltungsbühne in eine Arche umgebaut. Wir hatten ausgestopfte Tiere aus dem Staatstheater ausgeliehen und alles entsprechend beleuchtet und inszeniert. Nichts erinnerte mehr an die Kirche, wie sie vorher war. Es fühlte sich an wie ein Erlebnispark oder wie eine Musicalhalle zum Musical „Noah“. In dieser Zeit hatten wir pro Sonntag rund 150 Besucher mehr als vorher, weil jeder, der da war, heimkam und sagte: „Das musst du dir mal anschauen“. Und das haben dann viele gemacht. Nicht wenige davon waren kirchendistanzierte Freunde und Nachbarn. Unsere Musicalreihe „Weihnachten neu erleben“ in der Vorweihnachtszeit geht auch in diese Richtung. Wir mieten den größten Saal im größten Kino in Karlsruhe für ein Wochenende von Freitag bis Sonntag. Dieses Jahr zum ersten Mal für zwei Wochenenden, weil wir so nicht nur für 5.000, sondern für 10.000 Menschen Platz haben. Und allein das Ambiente (im Filmpalast, als Kirche, mitten in der Stadt kulturell relevant zu sein) spricht unsere Leute so an, dass sie sich im Januar schon überlegen, wen sie beim nächsten Mal auch noch einladen könnten. So funktioniert ein Hype. Und es ist viel einfacher, zu einem Hype einzuladen als zu einem Gottesdienst „speziell für Menschen wie dich, die sonst nicht in die Kirche gehen“. So ungeschickt wird es zwar niemand formulieren, und doch kommt es oft ein bisschen komisch an, wenn Christen Menschen, die nicht gläubig sind, zum Gottesdienst einladen. Sie fragen sich, warum sie da hin sollen, wo es sich doch um ein Angebot für Gläubige handelt. Und das ist auch verständlich.

Die Welt aus anderen Augen sehen

Und da sind wir bei einem weiteren wichtigen Aspekt einer Gemeinde für Kirchendistanzierte. Wir müssen lernen, die Welt mit den Augen der Menschen zu sehen, die noch nicht wie wir an Gott glauben können. Und wir müssen lernen, die christliche und kirchliche Welt (also unsere eigene) aus der Sicht dieser Menschen zu sehen. Denn sie haben ja nur die Außenansicht. Und sehr vieles in unseren Kirchen kann man nur von innen verstehen. Also erst, wenn man da ist und sich damit befasst hat. Da gibt es Begriffe, die von außen einfach schwerverständlich sind und zu Irritationen führen. Das Wort „Jüngerschaft“ zum Beispiel löst unter Kirchendistanzierten etwas aus, was sofort mit Sekte und Gurus in Verbindung gebracht wird. Der Begriff „Hauskreis“ sollte unseres Erachtens dringend durch das Wort „Kleingruppe“ ersetzt werden. Und wenn wir „Jesus radikal nachfolgen“ wollen, ist das sicher gut gemeint, aber in Zeiten von IS Terroranschlägen ist das Wort radikal einfach besetzt! Und darum ist es wichtig, dass wir Kirchenbesucher im Kontakt mit Menschen sind, die Gottesdienste eher selten besuchen. Und dass wir mit ihnen nicht nur übers Wetter reden, sondern auch über Gott und seine Kirche. Aber nicht ausschließlich aus missionarischen Gründen, sondern, weil wir von ihnen lernen können, wie die Welt aus ihren Augen aussieht. Und wenn wir das gelernt haben, dann werden sie uns auch das Recht gewähren, ihnen von unserer Sicht der Dinge zu erzählen.

Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck

Wenn kirchendistanzierte Menschen nach Jahren mal wieder in einen Gottesdienst gehen, sind sie zunächst mit dem Äußerlichen beschäftigt. Sie erleben das Gebäude, den Stil, die Cafébar und nicht zuletzt auch die Mitarbeiter im Servicebereich. Viele unserer Erstbesucher sind fasziniert von der Qualität und der Performance. Und wenn es dann weiter gut läuft, erleben sie auch die Menschen positiv, die zur Gemeinde gehören. Und das sind natürlich nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Welcometeam, die heute Dienst haben, sondern alle, die zur Gemeinde gehören. Als Mitglieder einer Kirche sind wir alle Gastgeber, an jedem Sonntag. Denn das ist immer „unser Laden“. Wir sagen gern: „Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck!“ Den ersten Eindruck hat man, und der bleibt. Und darum geben wir uns Mühe! Wir wissen, was auf dem Spiel steht. Jeder Sonntag könnte der Sonntag sein, an dem ein kirchendistanzierter Freund, ein Kollege oder ein Nachbar zum ersten Mal kommt. Vielleicht nach ein oder zwei Jahren intensiver Gespräche und vielen bisher vergeblichen Einladungen. Darum geben wir unser Bestes. Wir sind aber trotzdem entspannt, denn wir wissen, dass wir nicht alles perfekt machen können und es auch nicht immer an uns liegt. Aber das, was wir machen können, machen wir, so gut wir es können.

Woran misst man den Erfolg?

Bleibt am Ende noch die Frage, woran man den Erfolg einer Gemeinde misst, die sich diesem Auftrag verpflichtet hat. Wären es allein die Besucherzahlen am Sonntag, so könnten wir ganz zufrieden sein mit dem Ergebnis. Denn inzwischen feiern wir pro Sonntag 6 Gottesdienste an drei Orten mit 1300-1500 Menschen. Doch der Auftrag lautet, zu suchen und zu retten, was verloren ist, nicht, zu suchen und zu sammeln, was bisher nicht in den Gottesdienst ging. Der Gottesdienst ist der Ort, zu dem wir die Menschen einladen und wo sie als Erstes Kirche neu erleben. Und es passiert mehr, als wir dachten, in diesen Veranstaltungen. Hier wird mehr Leben verändert, als wir selber anfangs für möglich gehalten haben. Aber damit Menschen gerettet werden und zu Nachfolgern Jesu werden, braucht es mehr als einen Gottesdienst. Es braucht Momente und Orte, wo sie ihr Leben Gott anvertrauen können. Es braucht Kleingruppen, in denen Leben miteinander geteilt wird und Menschen im Glauben wachsen können. Es braucht Glaubenskurse wie den Alphakurs, wo suchende Menschen über Wochen begleitet werden von liebevollen und einfühlsamen Mitarbeitern der Gemeinde.

Geduldig begleiten und die Veränderung Gott überlassen

Heute haben wir mehr Gelassenheit in der Frage, wie sich das Leben eines Menschen entwickelt, der erst mit 40 bei uns Kirche und Glaube neu erlebt hat. Wir haben gelernt: Es ist unsere Aufgabe, die Menschen zum Glauben zu rufen und ihnen zu helfen, Jesus nachzufolgen. Es ist die Aufgabe des Heiligen Geistes, das Leben der Menschen zu berühren und Veränderung herbeizuführen. Denn Veränderung kann nicht von außen herbeigeführt werden, sie muss aus dem Inneren eines Menschen kommen und sich dann nach außen zeigen. Aber das ist der letzte Schritt auf dem Weg, und hier gilt es, geduldig zu sein und beim Wachstum zuzuschauen. Wir haben die Aufgabe, den Menschen die Richtung dieser Lebensveränderung zu zeigen und ihnen zu helfen, ihren nächsten Schritt zu entdecken und zu gehen. Aber es ist ihre Entscheidung, ob und wann sie diesen nächsten Schritt in die richtige Richtung gehen. Hier lernen wir viel von anderen Kirchen, die uns einen Schritt voraus sind und das besser machen als wir. Aber wir sind gern bereit zu lernen, wenn es um das Wichtigste geht, was es gibt: Menschen, die Gottesdienste eher selten besuchen, zu helfen, eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus aufzubauen.

Die Autoren:

Das Ehepaar Sibylle und Steffen Beck sind leitende Pastoren der ICF Karlsruhe, die sie 2004 gegründet haben. Zu den sechs Gottesdiensten an den drei Standorten Karlsruhe, Bretten und Waldorf kommen wöchentlich bis zu 1.500 Besucher.

Steffen Beck absolvierte seine Ausbildung an der Evangelistenschule „Johanneum“ (Wuppertal). Er war Jugend- und Musikreferent beim CVJM-Landesverband Baden und ist seit 2007 Vorsitzender der Evangelischen Allianz Karlsruhe.

Sybille Beck studierte an der Pädagogischen Hochschule Musik, Mathematik und Theologie und arbeitete bis 2008 als Lehrerin an einer Grund- und Hauptschule. 10 Jahre lang engagierte sie sich ehrenamtlich in der Jugend- und Gemeindearbeit des CVJM und der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

IDEA liefert Ihnen aktuelle Informationen und Meinungen aus der christlichen Welt. Mit einer Spende unterstützen Sie unsere Redakteure und unabhängigen Journalismus. Vielen Dank. 

Jetzt spenden.

4 Wochen IDEA Digital 8,95 Euro 1,00 Euro

Entdecken auch Sie das digitale Abo mit Zugang zu allen Artikeln auf idea.de