- Anzeigen -
Unterwegs zur christlichen Heilkunde
„Wir raten unseren Kollegen dringend zu einer spirituellen Anamnese“, erklärt der Vorsitzende der Initiative „Christen im Gesundheitswesen“, der Oberarzt Georg Schiffner (Hamburg). Bei der Aufnahme eines Patienten gehörten nicht nur Symptome und Vorgeschichte zu den Themen des Arztgesprächs. Auch die geistlichen Erfahrungen des Patienten, sein Gottesbild und seine Verbundenheit mit anderen Christen seien wesentlich für eine angemessene Therapie. Schiffner ist überzeugt, dass Christen in Kirche und Gesundheitswesen an der Entwicklung einer christlichen Heilkunde arbeiten sollten.
So wie der Hamburger Urologe Rüdiger Brandes. Er hat schon vor Jahren damit begonnen, seine Patienten auch auf Glaubensfragen hin anzusprechen. Ein Gesprächskreis im Wartezimmer weitete sich mit der Zeit so aus, dass Brandes gemeinsam mit anderen christlichen Medizinern auf die Suche nach weiterführenden Möglichkeiten ging: Gottesdienste in den benachbarten evangelischen und katholischen Kirchen boten sich an. Vorbereitet durch ein interdisziplinäres Medizinerteam bieten sie nicht nur eine Predigt, sondern auch Erfahrungsberichte und Segnungsangebote. Wenn Patienten davon berichten, wie ihr Leben durch die Krankheit nicht nur Schaden genommen, sondern eine neue positive Richtung bekommen hat, dann rührt das die Gottesdienstbesucher an.
Krankensalbung neu entdeckt
Die charismatische Erneuerungsbewegung in den Kirchen hat zur Wiederentdeckung der Krankensalbung beigetragen. Inzwischen gehört sie auch in weniger enthusiastischen Gemeinden zum allgemeinen Angebot. In meiner Gemeinde in Kassel bieten wir an jedem zweiten Sonntag im Monat nach dem Gottesdienst eine Segnung und Salbung an, nicht nur, aber auch für Menschen in Krankheitsnöten. In Nürnberg ist die Evangelische Allianz Träger eines Gebetsladens in der Innenstadt. Dort gibt es die Möglichkeit, nach einem kurzen Gespräch gesegnet zu werden.
Diakonissen fehlen
Um das Miteinander von Medizin und Glaube, Gesundheitswesen und Kirche bemühen sich in den letzten Jahren zunehmend Fachleute aus den beiden Lebensbereichen. Ärzte, die ihren Glauben stärker in ihren beruflichen Alltag integrieren möchten, suchen das Gespräch mit Theologen. Pflegende beginnen ihren Beruf wieder stärker als ganzheitliche Zuwendung zu kranken Menschen zu begreifen. Bis in die 1970er Jahre gab es in konfessionellen Krankenhäusern noch Ordensschwestern und Diakonissen, die schon durch ihre Tracht religiöse Fragen weckten. Das fehlt, aber es gibt weiterhin Christen, die ihren Glauben in den Beruf integrieren.
Beten vor der Operation
Da ist die Chirurgin, die allen, die sie am kommenden Tag operiert, anbietet, mit ihnen zu beten. Und da sind die Fürbittebücher in den Krankenhauskapellen, in denen ergreifende Bitten und auch Dank notiert werden.
2008 eröffnete der 1. Christliche Gesundheitskongress das öffentliche Gespräch zum Heilungsauftrag Jesu. Unter den 1.100 Teilnehmern in Kassel waren allein 200 Mediziner. Vom 21. bis 23. Januar setzen in Kassel noch mehr Konferenzbesucher die Diskussion fort. Es lohnt sich, mitzudiskutieren.
Es grüßt Sie herzlich Ihr
Frank Fornacon
(Der Pastor und Journalist gehört zum Vorstand des Christlichen Gesundheitskongresses, der vom 21. bis 23. Januar in Kassel stattfindet.)
<- Zurück zu: Gesundheit

