Evangelische Arbeitsgemeinschaft
05. Oktober 2012

Bevölkerungsentwicklung: Kirche soll das Potenzial der Alten nutzen

Hannover/Witten (idea) – Die Lebenserwartung der Deutschen steigt; gleichzeitig nimmt die Zahl der Bundesbürger ab. Wie müssen sich Landes- und Freikirchen auf diese Entwicklung einstellen? Nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes (Wiesbaden) werden neugeborene Jungen durchschnittlich 77 Jahre und 9 Monate alt. Neugeborene Mädchen können damit rechnen, 82 Jahre und 9 Monate lang zu leben. Aufgrund des Geburtenmangels wird die Zahl der Deutschen zudem bis 2060 um ein Fünftel auf etwa 65 Millionen schrumpfen. Jeder dritte Bundesbürger wird dann 65 Jahre oder älter sein. Der Vorsitzende der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit in der EKD, Jens-Peter Kruse (Hannover), sprach sich auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) für eine „altersfreundliche Kirche“ aus. So müssten die Altersgrenzen in Verfassungen, Grund- und Wahlordnungen für ehrenamtliche Mitarbeit abgeschafft werden. Dies wäre laut Kruse ein deutliches Signal, dass die Kirche mit den Alten ihre Zukunft gestalten wolle. Bisher liegt die Altersgrenze für Kirchenvorsteher je nach Landeskirche zwischen dem 68. und 75. Lebensjahr. Dadurch würden Menschen ohne Rücksicht auf ihre Fähigkeiten von der Mitwirkung ausgeschlossen, so Kruse. Das Festhalten an solchen Grenzen sei angesichts der zunehmenden Zahl vitaler Senioren nicht mehr angemessen. Kruse verwies auch auf Psalm 92 (Vers 15): „Noch im Alter werden sie Früchte tragen; kraftvoll und lebendig werden sie sein.“

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Demenzkranke begleiten

Er forderte die Kirchen dazu auf, die Gruppe der „jungen Alten“ gezielter anzusprechen. Ihnen solle in Kirchengemeinden mehr Raum für Aufgaben gegeben werden, etwa in der Begleitung von Demenzkranken und ihren Angehörigen sowie bei der Hausaufgabenhilfe für Jugendliche. Kruse: „Die Kirche braucht das Engagement der Alten, um ihren Auftrag in der Welt erfüllen zu können. Schon jetzt bilden die über 60-Jährigen die größte Gruppe innerhalb der Kirche; zudem haben Sie das größte Potenzial, um Verantwortung zu übernehmen.“ Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit ist der Dachverband von 18 Landeskirchen, der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) sowie in der Altenarbeit tätiger evangelischer Werke und Verbände.

Freikirchen verstärkten Seniorenarbeit

Der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) und Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Ansgar Hörsting (Witten), sagte gegenüber idea, dass die Freikirchen die Seniorenarbeit verstärkten. Die VEF habe dazu in diesem Jahr eine Arbeitsgemeinschaft „Senioren“ eingerichtet. Viele 60- bis 80-Jährige seien „extrem rüstig und unternehmungslustig“. Sie wollten in der Regel nicht „Senioren“ genannt werden und brauchten andere Angebote als die „wirklich Alten“. Zugleich wies Hörsting darauf hin, dass Mitglieder einer Freikirche in der Regel mehr Kinder bekommen als der Durchschnitt der Bevölkerung. Dies liege an relativ festen Beziehungen und einer großen Kinder- und Familienfreundlichkeit. Hörsting: „Wir müssen manchmal eher betonen, dass auch ein Leben als Single einen Wert an sich hat.“ Laut Hörsting ist es angesichts der steigenden Lebenserwartung absehbar, dass künftige Ruheständler nicht dieselben finanziellen Leistungen erhalten wie die Rentner heute. Hörsting: „Der Traum vom beschaulichen und Welt umreisenden Ruheständler wird bei vielen ganz schnell ausgeträumt sein. Wir haben völlig unrealistische Erwartungen aufgebaut, die nur enttäuscht werden können.“ Allerdings könne das Leben auch ohne materiellen Reichtum und mit einer längeren Lebensarbeitszeit schön und interessant sein.

1 Kommentare

vor 2 Jahren und 150 Tagen

Wenn sich die „altersfreundliche Kirche“ auch so deutlich als kinderfreundlich äußern würde - indem sie sich wirksam gegen den Massenmord von weit mehr als 100.000 Ungeborenen jährlich einsetzte - wäre das das Problem der Überalterung der Bevölkerung deutlich geringer.

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