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Kommentar
11. Januar 2017

Lass mich sterben, Gott!

Einer, der es schafft, zu biblischen Geschichten einen ganz neuen Zugang zu ermöglichen, ist der Bestsellerautor Titus Müller (Neumarkt-St. Veit bei München). Jetzt wird er (erneut) immer mal wieder einen Text romanhaft vorstellen. Er beginnt mit der Geschichte von Elia (1. Könige 19,3–14): Elia ist am Ende. Er hat Dürre und Tod für Israel prophezeien müssen, wird seit Jahren von Isebel, der Frau von König Ahab von Israel, gejagt und meint, der letzte Überlebende zu sein, der überhaupt zu Gott steht. Gottes Sache ist verloren – davon ist er überzeugt. Da begegnet er Jahwe, und Gott ist ganz anders, als er immer glaubte.

Seine Fußsohlen brannten, und der Gaumen war ausgedörrt. Elia kroch tiefer unter den Ginsterbusch. Seine aufgesprungenen Lippen waren voller Sand. Er blinzelte. Tagelang war er gelaufen, von Jesreel im Norden bis hinunter nach Beerscheba, seine Schenkel hart von Krämpfen. Auf der Handelsstraße nach Ägypten hatte ihn ein Kaufmann prüfend angestarrt. Isebel, die phönizische Prinzessin, hatte ihre Spione überall. Er hatte die Straße verlassen müssen. Aber auch hier in der Wüste gab es nichts als den Tod für ihn.

Elia ließ den Kopf wieder auf den harten Boden sinken. „Es ist genug“, sagte er. „Lass mich sterben, Jahwe.“

Er h...

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